Luchse in der Schweiz: Wiederansiedlung bislang erfolgreich

30.12.2014 |  Von  |  Allgemein, Natur
Luchse in der Schweiz: Wiederansiedlung bislang erfolgreich
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es in Europa so gut wie keine Luchse mehr. In den 1970er Jahren siedelten mehrere Länder die Raubkatzen wieder an. Die Schweizer Tiere im Jura und den Alpen haben sich vermehrt und ausgebreitet. Bislang gilt der Bestand als stabil.

Über Jahrhunderte hinweg hatten Luchse in Europa keine Chance: Sie wurden wegen ihres Fells gejagt, erschlagen, erschossen oder gingen elend in Fallen zugrunde. Auch fanden sie keine Nahrung mehr, denn ihre Beutetiere verschwanden mit der Zerstörung ihrer Lebensräume.

Einzig im Balkan, Bayerischen Wald, Böhmerwald, den Pyrenäen und Skandinavien überlebten einzelne Tiere. Diese Populationen konnten sich stabilisieren, vor allem dank der in den 1950er Jahren eingeführten Schutzbestimmungen.

In vielen europäischen Ländern fanden in den 1970er Jahren gezielte Versuche einer Neubesiedlung statt. Das Schweizer Auswilderungsprojekt begann 1971 mit einigen kontrolliert freigelassenen Luchsen, aufgeteilt auf Jura und Alpen. Diese Luchse stammten aus den slowakischen Karpaten. Bis 1976 wurden insgesamt etwa 30 Tiere ausgewildert. Leider kam es im Zuge der Wiederansiedlung zu illegalen Freilassungen, was dem Ansehen des Projekts in der Bevölkerung sehr schadete.

Viele der ausgewilderten Luchse haben überlebt und sich fortgepflanzt, sodass sich die beiden Populationen langsam etablieren konnten.

Luchse fühlen sich in der Schweiz wieder wohl

Die Jura-Gruppe hat sich bis Frankreich ausgebreitet, nur ein Drittel des besiedelten Lebensraums liegt in der Schweiz. Zwischen Jura und Alpen liegt das Mittelland, hier haben sich keine Luchse niedergelassen. Es kommt vermutlich auch nicht zu Kontakten zwischen den beiden Populationen. Von 2001 bis 2008 wurden einige Tiere in die Nordostschweiz umgesiedelt.

Bis heute gilt die Schweiz als führend bei der Wiederansiedlung von Luchsen. Aktuell gibt es etwa 130 bis 140 erwachsene Tiere. Diese Schätzungen beruhen auf Auswertungen von Fotofallen und Beobachtungen. Der Gesamtbestand in Europa beläuft sich auf rund 7000 Tiere. Noch immer zählt der Luchs in vielen Ländern zu den bedrohten Arten.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Luchse fühlen sich in der Schweiz wieder wohl (Bild: Bildagentur Zoonar GmbH / Shuttersstock.com)

Luchse fühlen sich in der Schweiz wieder wohl (Bild: Bildagentur Zoonar GmbH / Shuttersstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Wie stabil sind die Bestände?

Bislang bleibt die Zahl der Luchse bei uns verhältnismässig beständig, von natürlichen Schwankungen durch Geburten und Todesfälle abgesehen. Allerdings ist die Gefahr von Inzuchtschäden gross: Die Populationen leben isoliert, begrenzt durch Autobahnen, hohe Berge, Flüsse oder von Menschen besiedelte Gebiete. Ohne regelmässige Blutauffrischung kann eine Population schlimmstenfalls komplett zusammenbrechen.

Darüber hinaus sind einer isolierten Luchspopulation natürliche Grenzen gesetzt. Die Tiere leben einzelgängerisch und beanspruchen grosse Reviere, die sich selten überschneiden. Zudem werfen Luchsinnen nur einmal im Jahr zwei bis fünf Jungtiere. Lediglich die Hälfte von ihnen überlebt das erste Jahr, weitere 50 Prozent sterben im zweiten Lebensjahr.

Langfristig haben Jungluchse nur eine Chance, wenn sie ein eigenes Revier finden. Angesichts des Rückgangs ihrer natürlichen Lebensräume kein leichtes Unterfangen. Normalerweise hat ein Jungtier zwei Möglichkeiten: Entweder verstirbt ein Alttier im angestammten Gebiet und hinterlässt ein freies Revier. Oder der Luchs geht auf Wanderschaft und sucht sich anderswo ein Territorium. Dabei drohen ihm viele Gefahren, vor allem durch Verkehrsunfälle, Nahrungsmangel und Wilderei.

Weiter besteht das Risiko diverser Krankheiten. In der Schweiz macht vor allem die Räude Probleme, eine durch Milben verursachte Hautkrankheit, die zu einem qualvollen Tod führt. Die Tiere stecken sich meist bei erbeuteten Füchsen an. Da sich erwachsene Luchse selten begegnen, ist eine seuchenartige Ausbreitung aber nicht zu befürchten.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass in Menschennähe lebende Luchse hin und wieder ein Schaf oder eine Ziege erbeuten. Einige Jäger sehen in den Raubkatzen sogar eine Konkurrenz. Seit 1971 wurden nachweislich mehr als 40 Tiere illegal getötet. Um Mensch und Tier gleichsam entgegenzukommen, hat die Schweiz 2004 das „Luchs-Konzept“ verabschiedet. Demnach erhalten betroffene Nutztierhalter Entschädigungen für jeden Verlust. Ferner gibt es vorsorgende Massnahmen wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Seitdem sind die Verluste stark zurückgegangen. Die erfassten Fälle bewegen sich bei jährlich rund 25 gerissenen Haustieren.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Die Zahl der Luchse bleibt in der Schweiz verhältnismässig beständig. (Bild: Bildagentur Zoonar GmbH / Shutterstock.com)

Die Zahl der Luchse bleibt in der Schweiz verhältnismässig beständig. (Bild: Bildagentur Zoonar GmbH / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Wie leben die scheuen Raubkatzen?

Wir Menschen bekommen einen Luchs gewöhnlich höchstens im Zoo oder Wildpark zu Gesicht. Kein Wunder, leben die schönen Katzen doch versteckt in dichten Waldgebieten. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich ebenso über Heideflächen sowie Gebirgswälder bis 2500 Metern Höhe. Tagsüber schlafen sie meist und beginnen erst bei Einbruch der Dämmerung zu jagen.

Von den vier Luchsarten lebt in Europa ausschliesslich der Eurasische Luchs, auch Nordluchs genannt. Der Rotluchs ist in Mexiko und den USA beheimatet, der Kanadaluchs in Alaska und Kanada. Die seltenste Art, der Pardellluchs, lebt in Portugal und Spanien.

Der Nordluchs erreicht als grösste Raubkatze Europas ein Gewicht von rund 20 Kilogramm. Von anderen Katzen unterscheiden sich Luchse äusserlich vor allem durch die charakteristischen Pinselohren, den ausgeprägten Backenbart und den kurzen Schwanz. Mit ihren langen Beinen können sie auch dann noch jagen, wenn der Schnee einen halben Meter hoch liegt.

Die während der Sommermonate rötlich-braune Fellfarbe mit dunklen Punkten verblasst in der kalten Jahreszeit zu unauffälligem Grau-Beige. So sind die Tiere stets perfekt getarnt.

Nur zur Paarung im zeitigen Frühjahr finden die ausgesprochenen Einzelgänger zusammen. Nach einer durchschnittlichen Tragzeit von 70 Tagen kommen die Jungtiere zur Welt. Sie wiegen bei der Geburt 250 bis 300 Gramm, öffnen nach 16 Tagen die Augen, trinken fünf Monate lang Milch und bleiben bis zum folgenden Frühling bei ihrer Mutter. Danach sind sie auf sich gestellt und gehen auf Reviersuche.

Die Reviergrösse hängt stark von den äusseren Umständen ab, wie Nahrungsangebot, Deckungsmöglichkeiten und menschlicher Besiedlung. So ist ein Luchsterritorium in Gebirgslagen etwa 250 Quadratkilometer gross, in dichten Flachwäldern genügen 130 Quadratkilometer.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=-3AxxMAHrGA“][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Luchse sind hervorragende Jäger und verfügen über ein ausgeprägtes Seh- und Hörvermögen. Ihre Beute besteht hierzulande zu 90 Prozent aus Rehen und Gämsen, der Rest sind Kaninchen, andere Kleinsäuger, Vögel, gelegentlich Füchse oder Frischlinge. Ihrer Beute lauern sie versteckt auf und verfolgen sie maximal 20 Meter, dann geben sie auf. Das Beutetier stirbt durch einen gezielten Biss in die Kehle. Erwachsene Luchse brauchen etwa 10 Kilogramm Fleisch in der Woche.

Haben in Freiheit lebende Luchse die beiden ersten kritischen Jahre überstanden, liegt das Durchschnittsalter bei zehn bis fünfzehn Jahren. In Gefangenschaft werden einzelne Exemplare auch 25 Jahre alt.

 

Oberstes Bild: Im Jura und den Alpen haben sich die Luchsen vermehrt und ausgebreitet. (© Michael Wick / Shutterstock.com)[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]


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