Die Autoindustrie und ihre Tricks

19.01.2015 |  Von  |  Konsum
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Gehören Sie auch zu den Autobesitzern, die den Kraftstoffangaben im Datenblatt ihres Autos nicht mehr glauben, weil Sie den angegebenen Verbrauch von sechs Litern über 100 Kilometer noch nie erreicht haben? Auch die Reichweitenangaben bei gefülltem Tank sind nur theoretisch und selbst bei optimalen Verhältnissen nicht annähernd zu erreichen.

Das liegt eher selten am eigenen Fahrstil. Vielmehr berufen sich die Hersteller auf Optimalwerte mit optimalen Verkehrsverhältnissen und Fahrzeugeinstellungen, die wenig realistisch sind. Das ist meist schon bekannt. Eine Studie des ICCT hat jetzt aufgedeckt, wie die Vorgehensweise der Autohersteller ist, und dass diese selbst die Situation als nicht zufriedenstellend einschätzen.

Unrealistische Autokonfiguration

Die Studie listet eindrucksvolle Zahlen auf, die die Vorwürfe belegen: Ein aktuelles Modell der E-Klasse von Mercedes verbraucht im normalen Alltag 45 % mehr Benzin als offiziell behauptet. Beim A6 sind es sogar 50 % mehr Benzinverbrauch. Im Jahr 2014 war der Unterschied zwischen den offiziellen Angaben und dem tatsächlichen Verbrauch auf einem einstweiligen Höhepunkt. Ursache für diese wenig aussagekräftigen Verbrauchsangaben sind laut Peter Mock vom ICCT die NEFZ-Testverfahren. Ausserdem zwingen die strengen Grenzwerte der EU, die Autohersteller dazu, Verbrauchswerte zu erreichen, die die Autos gegenwärtig nicht erfüllen. Die Unternehmen versuchen mit dieser Vorgehensweise, wenigstens nach Aussen hin, die Auflagen zu erfüllen.

Die Lage der Autofirmen ist schwieriger als vermutet. Praktisch geht es gar nicht um eine tatsächliche Verbrauchssenkung, dafür gibt es zu viele Schlupflöcher. Eher werden von BMW, Audi & Co. immer mehr kreative Ideen entwickelt, das Testsystem zu interpretieren und auszutricksen. Für den Wettbewerb ist der Spritverbrauch keine wirkliche Grösse mehr. Übliche Tricks sind beispielsweise der Abbau von Ausstattungsmerkmalen, der Einbau von Reifen mit geringem Rollwiderstand, aerodynamische Manipulationen am Kühlergrill oder den Türen. Das spätere Auto im Verkaufssalon ist damit nicht mehr zu vergleichen.



Was bewirkt ein geändertes Messverfahren?

Inzwischen werden neue Messverfahren ins Auge gefasst. Etwa soll die Maximalgeschwindigkeit von 120 auf 130 Kilometer pro Stunde erhöht, die Temperatur innerhalb der Testanlagen auf 30 Celsius heraufgesetzt werden, damit die Simulation einer Sommerreise realistischer wird. Solange es hier aber keine grundsätzlicheren Ansätze gibt, werden sich nur neue Schlupflöcher auftun.

 

Oberstes Bild: © Dmitry Kalinovsky – shutterstock.com

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