Kanton Thurgau: Erstmals Eltern wegen versuchter Zwangsverheiratung verurteilt

09.03.2017 |  Von  |  Polizeinews, Schweiz, Thurgau
Kanton Thurgau: Erstmals Eltern wegen versuchter Zwangsverheiratung verurteilt
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Im Thurgau wurden in zwei Fällen Eltern verurteilt, weil sie ihre Tochter zur Heirat zwingen wollten. Es sind die ersten Verurteilungen dieser Art in der Schweiz.

In dem einen Fall wollten die Eltern ihre erwachsene, aber junge Tochter zur Hochzeit mit einem Mann zwingen, den sie ausgesucht hatten. Jedoch bewies die Tochter Mut: Sie zeigte ihre Eltern an.

Die Thurgauer Justiz zeigte klare Kante und sorgte für eine Schweizer Premiere: Sie verurteilte die Eltern wegen versuchter Zwangsheirat, wie das „St. Galler Tagblatt“ schreibt.

Versuchte Zwangsheirat kann hart bestraft werden

Ein solches Urteil ist erst seit wenigen Jahren möglich: Seit Juli 2013 ist das Bundesgesetz in Kraft. Seither wurde es zweimal angewendet – beide Male im Kanton Thurgau. Insgesamt habe die Kantonspolizei Thurgau in vier Fällen wegen des Verdachts auf Zwangsheirat ermittelt. Dies teilte die Thurgauer Regierung auf eine Anfrage des SVP-Kantonsrats Pascal Schmid aus Weinfelden mit.

Die Zwangsheirat wird als Offizialdelikt behandelt und muss daher von Amts wegen verfolgt werden. Bei einer versuchten Zwangsheirat drohen harte Strafen. Möglich sind Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Ausserdem muss seit Oktober auch eine Landesverweisung geprüft werden.

Die verurteilten Eltern in den zwei Thurgauer Fällen kamen jedoch glimpflich davon: „Die mit Strafbefehl ausgesprochenen Strafen lagen zwischen 90 und 120 Tagessätzen Geldstrafe“, so Stefan Haffter, Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft. „Dies jeweils verbunden mit einer Busse.“

Anzeige erfordert für die Opfer Mut

Die junge Thurgauerin hat mit der Anzeige der Eltern viel Mut bewiesen. Diesen Schritt wagt nicht jedes Opfer, denn der Aufstand gegen die arrangierte Ehe kann für sie folgenschwere Konsequenzen haben. „Einige erschrecken, wenn sie sich der Konsequenzen bewusst werden“, sagt Ilona Swoboda, Leiterin der Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen Thurgau, zum „St. Galler Tagblatt“. „Sie müssen abwägen, was schwerer wiegt.“

Dass die zwei Verurteilungen im Kanton Thurgau stattfanden, ist laut der Fachstelle Zwangsheirat wohl Zufall. Wahrscheinlicher seien solche Fälle in Kantonen mit grösserer Zuwanderung.

„Es sind Leute mit Migrationshintergrund, die Hilfe suchen, weil ihre Familie für sie einen Ehepartner auswählt“, sagt die Juristin Anu Sivaganesan (Präsidentin Migration & Menschenrechte). Es gehe dabei um die Wahrung von Tradition, Patriotismus oder Sexualitätsnormen.

 

Quelle: Übernommen von BLICK und bearbeitet von belmedia-Redaktion
Artikelbild: Symbolbild © Malik Sergey – shutterstock.com

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