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Freiwillig Gefängnisluft schnuppern? – Zürich sucht Testpersonen!

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Ein solches Angebot gab es wohl noch nie: Bevor 2022 im neuen Gefängnis des Polizei- und Justizzentrums Zürich-West Häftlinge untergebracht werden, ist ein einzigartiges Testprojekt geplant. Nicht nur Mitarbeiter des Kantons, sondern auch Interessierte aus der Bevölkerung werden daran teilnehmen.

Im März 2020 sollen freiwillige “Häftlinge” eingesperrt werden und testen, ob im neuen Zürcher Gefängnis alles ordnungsgemäss funktioniert.

Gefängnis testen – Freiwillige in Zürich gesucht

Wollten Sie schon immer mal wissen, wie der Tagesablauf im Gefängnis aussieht und wie es sich anfühlt, hinter Gittern zu sein? Dafür müssen Sie nicht straffällig werden. Ein paar Tage Haft sind im Frühling kommenden Jahres in Zürich auch für gesetzestreue Bürger möglich. Ein Testlauf, der dem echten Gefängnisablauf simuliert, soll sicherstellen, dass der Betrieb planmässig aufgenommen werden kann. Die Nachfrage ist gross und mehr als die Hälfte der Plätze wurden bereits vergeben.

Wie sieht der Gefängnisaufenthalt auf Probe aus?

Nach Auskunft von Marc Eiermann, Gefängnisleiter, wird lediglich auf die Leibesvisitation verzichtet. Ansonsten soll auf ein realistischer Ablauf vonstattengehen. Das heisst, dass der Probe-Häftling bei Eintritt sowohl sein Handy abgeben muss als auch andere persönliche Dinge, wie beispielsweise Bücher.

Danach werden die Gefängniszellen zugeteilt. Die Freiwilligen, die sich eine solche teilen, sind sich fremd. Es ist selbstverständlich nicht möglich, sich mit einem Kollegen anzumelden und eine gemeinsame Zelle zu wünschen.

Dass dieser Testlauf ungewöhnlich ist, darüber sind sich Mark Eiermann und sein Team im Klaren. Deshalb gibt es für die freiwillig Eingesperrten ein Signalwort, mit welchem diese mitteilen können, wenn sie aus dem Projekt aussteigen möchten.

Es ist geplant, das neue Gefängnis im April 2022 in Betrieb zu nehmen. Bis dahin ist der Test abgeschlossen und sollten die Erfahrungen der Probeinsassen ausgewertet sein.


Frau in Handschellen

Unter echten Bedingungen können Privatpersonen das neue Gefängnis in Zürich West testen. (Bild: lunopark – shutterstock.com)


Bedingungen in der Untersuchungshaft verbessern

Wer in Untersuchungshaft sitzt, ist tatverdächtig, aber noch nicht verurteilt. Trotzdem die Unschuldsvermutung gilt, muss eine mögliche Flucht, das Beseitigen oder Manipulieren von Beweismitteln sowie eine  Gefährdung der beschuldigten Person oder Drittpersonen verhindert werden.

Jahrzehntelang gab es kaum Änderungen der Bedingungen in der Untersuchungshaft in Zürich. Als Regierungsrätin Jacqueline Fehr Ihr Amt antrat, veranlasste sie bereits 2015 Projekte, die sowohl dem Sinn der Untersuchungshaft dienten, jedoch gleichzeitig für die Inhaftierten die Haftbedingungen verbessern sollten. Gefordert sind hier sämtliche Gefängnisse, wobei es nicht möglich ist, von jetzt auf gleich entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Folgende Punkte wurden für künftige Projekte beleuchtet: Aus- und Weiterbildung des Personals, Ermöglichung von sozialen Kontakten, Arbeit, Beschäftigung und Ausbildung für die Häftlinge sowie die Haftdauer.

Das neue Gefängnis Zürich West (GZW)

Ab Frühling 2022 können im Gefängnis Zürich West, auf dem Areal des alten Güterbahnhofs, bis zu 124 Personen vorläufig festgenommen werden. Zudem werden 117 neue Plätze für die Untersuchungshaft geschaffen.

Vorläufig festgenommen heisst, in Polizeihaft genommen. Diese dauert maximal 48 Stunden. Dann muss die Strafverfolgungsbehörde die nötigen Abklärungen getroffen haben. Verhärtet sich der Tatverdacht nicht, muss der Betroffene in die Freiheit entlassen werden. Ansonsten wird die Überführung in die Untersuchungshaft beantragt. Der dafür nötige Antrag geht an das Zwangsmassnahmengericht, welches ebenfalls innerhalb von 48 Stunden einen Entscheid fällen muss. Gibt dieses dem Antrag statt, wird Untersuchungshaft angeordnet. Sobald die verdächtigte Person diese antritt, ist nicht mehr die Polizei, sondern das Untersuchungsgefängnis zuständig.


Alte Kaserne Zürich, Gefängnis

Das GZW löst das provisorische Polizeigefängnis auf der Zürcher Kasernenwiese ab, welches mit der Neueröffnung aufgehoben wird. (Bild: GMC Photopress – shutterstock.com)


Mitarbeiten im Gefängnis Zürich West

Die Leitung des Gefängnisses Zürich West übernimmt Marc Eiermann. Seit Oktober 2020 waren verschiedene Stellen für insgesamt rund 100 Mitarbeiter ausgeschrieben. Die Resonanz übertraf die Erwartungen: 808 Personen haben sich beworben. Bereits konnten 70 Prozent der neu geschaffenen Stellen im GZW besetzt werden. Dabei wurde Wert auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis gelegt.

Da das moderne Gefängnis ein gesundheitliches Kompetenzzentrum erhalten soll, werden auch Pflegefachpersonen sowie Praxisassistenten und -assistentinnen eingestellt.

In einer weitere Rekrutierungswelle werden Mitarbeiter mit Erfahrung aus dem Bereich Justizvollzug gesucht.

Fachmann oder eine Fachfrau für Justizvollzug werdedn

Gab es früher den Beruf «Gefängniswärter», so ist heute die korrekte Bezeichnung der im Gefängnis Angestellten «Fachmann oder Fachfrau für Justizvollzug». Die Vielseitigkeit und der Anspruch an diesen Job darf nicht unterschätzt werden. Wer sich für die zweijährige Ausbildung (bei vollem Lohn) interessiert, absolviert diese sowohl in der Praxis als auch im Theorieunterricht. Voraussetzung sind Berufs- und Lebenserfahrung, eine gewisse Reife, kommunikative Fähigkeiten und Freude am Umgang mit den verschiedensten Menschen.

Gearbeitet wird an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr. Möchten Sie sich, ganz gleich ob mit oder ohne entsprechende Berufserfahrung, bewerben, finden Sie alle relevanten Informationen auf der Untersuchungshaft in Zürich. Bringen Sie Humor, Flexibilität, Durchhaltevermögen und einen langen Atem mit: Sie bewerben sich für einen komplett neuen, grossen Betrieb!

 

Titelbild: Tijana Moraca © shutterstock.com

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