Facebook: Geht es eigentlich noch ohne?

02.09.2014 |  Von  |  Neue Medien
Facebook: Geht es eigentlich noch ohne?
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[vc_row][vc_column][vc_column_text]Das soziale Netzwerk Facebook ist schon kein Trend mehr, es ist zum Alltagsbestandteil geworden. Manche Psychologen gehen sogar so weit, der Online-Plattform Suchtpotenzial zu bescheinigen. Sie empfehlen zum Selbstschutz eine vorübergehende Abstinenz auf Probe, auch, um einen Abstand zum eigenen Konsumverhalten zu gewinnen. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Gruppe von Online-Aktivisten, die gleich eine radikale Profillöschung fordern – als Antwort auf die in ihren Augen verheerenden Datenschutzbedingungen und die sozialen und emotionalen Konsequenzen, die Facebook mit sich bringen kann.

Ob nun Pause oder Löschung: Was ändert sich wirklich im Alltagsleben, wenn Facebook nicht mehr präsent ist? Wir haben die fünf interessantesten Erfahrungswerte gesammelt, die sich Psychologen zufolge bei allen Verweigerern oder Auszeit-Nehmern einstellen.

1. Fühlbare Entspannung 

Umfragen ergeben, dass die überwiegende Anzahl der Facebook-Nutzer sich aus Entspannungsgründen in dem sozialen Netzwerk aufhält. Das Problem dabei: Fast alle Nutzer haben nach ihrem Besuch das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben und emotional leerer zu sein, statt sich relaxter und ausgeglichener als vorher zu fühlen. Einzige Ausnahme sind solche Besuche, bei denen es zu einem Live-Chat mit Freunden kam oder konkrete Pläne für zukünftige Unternehmungen gemacht wurden.

Sobald Facebook keine Option mehr ist, entscheiden Menschen sich eher für echte Entspannungsaktivitäten wie Lesen, Spazierengehen, Kochen oder etwa Yoga, die anschliessend zu einem messbaren Befriedigungsgefühl aufgrund einer sinnvoll ausgeführten Tätigkeit führen.

2. Intensivere Sozialkontakte

Dass Facebook-Friends keinen Ersatz für echte Freundschaften darstellen, ist fast jedem Nutzer klar. Dennoch wird beachtliche Zeit und Energie in die Pflege rein virtueller Beziehungen investiert. Psychologen sehen hier ein ernst zu nehmendes Problem. Denn obwohl der digitale Austausch zu punktuellen Glücksgefühlen und positiver Bestätigung führen kann, hinterlässt er nicht das essenzielle Gefühl von Aufgehobensein und Sicherheit, das sich nur durch die Intensivierung realer zwischenmenschlicher Beziehungen einstellen kann.

Weniger Zeit auf Facebook bedeutet immer automatisch mehr Zeit für Freunde und Familie, denn der menschliche Drang nach Austausch und Kommunikation wird nun nicht mehr digital abgearbeitet. Alle Facebook-Abstinenten berichten von einer erheblichen Intensivierung ihrer persönlichen sozialen Kontakte.

3. Gesteigertes Selbstwertgefühl

Ein Grossteil der bei Facebook ablaufenden Aktivitäten kann unter die Kategorie „Bewertungen“ einsortiert werden. Der „Like-Button“ ist zum Synonym der Plattform an sich geworden. Problematischerweise destabilisiert dieses Klima konstanten Beurteiltwerdens das psychische Gleichgewicht. Es ist eine menschliche Eigenschaft, kontinuierlich nach der positiven Evaluierung des Selbst durch andere zu streben. In einem Klima, in dem dieser Prozess stattfindet, geht jedoch die innere Stimme verloren. Mit anderen Worten: Wir hören viel weniger in uns hinein, um getroffene Entscheidungen selber zu affirmieren, weil wir uns unentwegt an dem messen, was von aussen an Bewertungen unserer Person und Inhalte herangetragen wird.

Wer sich diesem Kreislauf entzieht, verlässt sich automatisch wieder mehr auf die eigene Intuition. Das steigert das Selbstwertgefühl. Gleichzeitig nimmt die Beurteilungsfähigkeit wieder zu. Denn Umfragen ergeben, dass der „Like“-Button inzwischen nicht mehr als tatsächliche Einschätzung eines Inhalt eingesetzt wird, sondern eine überwiegend soziale Komponente gewonnen hat. Negative Positionierungen werden selten, weil ein Nutzer nicht als aggressiv oder abschätzig wahrgenommen werden will. Das allerdings schwächt auch den allgemeinen Prozess der eigenen Positionierung gegenüber Inhalten ausserhalb des Facebook-Kontextes.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

"Like"-Button. (Bild: Sarawut Aiemsinsuk / Shutterstock.com)

„Like“-Button. (Bild: Sarawut Aiemsinsuk / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]4. Intensivere Erlebniserfahrung

Besonders intensive Facebook-Nutzer entwickeln einen sogenannten Kamerablick. Da sie einen Grossteil ihrer täglichen Erlebnisse bei Facebook dokumentieren, wird die eigene Lebenswelt weniger unmittelbar und intensiv erlebt, sondern bereits im Moment der Erfahrung auf ihre Kommunizierbarkeit im eigenen Profil hin abgeklopft. Dieses „Parallelerleben“ hat sich durch die mobile Nutzung der sozialen Medien nochmals intensiviert.

Eine solche Metaebene entzieht dem Alltag allerdings seine Unmittelbarkeit, das Aufgehen im Moment, das für Glücksforscher unabdingbar für ein echtes „Flow“-Erleben ist. Besteht die selbst auferlegte Pflicht zum Protokollieren nicht mehr, fällt dieses Abstraktionsmoment weg und das gesamte Erleben wird wieder multidimensionaler.

5. Gewonnene Zeit

Facebook beansprucht sehr viel Zeit. Mehr als 90 % Prozent von Studienteilnehmern, die zum ersten Mal ihre wöchentlich bei Facebook verbrachte Zeit gemessen hatten, waren schockiert ob der Summe an vor dem Netzwerk verbrachten Stunden. Dies ist nicht nur den auf Facebook selbst hochgestellten Inhalten geschuldet. Vor allem die verlinkten Inhalte führen Nutzer in das schwarze Loch des Internets, das für seine zeitfressenden Qualitäten nicht erst seit Facebook berüchtigt ist. Wer noch nach Gründen für eine Facebook-Auszeit sucht, sollte als Erstes dieses Experiment wiederholen.

6. Erweiterter Horizont

Die zunehmend komplexeren Filterfunktionen der Facebook-Programmierung verengen nachweislich die Nutzerperspektive, da Besucher nur noch die News-Inhalte angezeigt bekommen, die zu ihren schon vorhandenen oder angeklickten Inhalten passen. Vor allem in den USA bezieht eine zunehmende Zahl an Menschen ihre politischen Nachrichten ausschliesslich über das soziale Netzwerk. Die dortige Berichterstattung jedoch ist zunehmend auf das Profil des Nutzers zugeschnitten. Dieser wird so konstant in seiner Weltsicht bestätigt, statt diese durch eine breiteren Nachrichtenüberblick relativieren zu können. Eine Facebook-Auszeit macht Räume auf, um wieder das Pro und Kontra der eigenen Perspektive zu evaluieren.

 

Oberstes Bild: © MeduArt – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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