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Wetter: Weisse Weihnachten 2022?

In diesem Blog werfen wir einen ersten, zugegebenermassen sehr vorsichtigen Blick auf das Weihnachtswetter 2022. Ob das Lied „Leise rieselt der Schnee“ oder „Raindrops are falling on my head“ das Weihnachtswetter besser charakterisiert, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

Natürlich soll das heutige Wetter nicht zu kurz kommen, wir fassen es am Ende dieses Blogs zusammen.

„Alle Jahre wieder“:

Der rotweiss gekleidete Vollbartträger mit leichtem Bauchansatz geistert mit seinem von „Rudolph, the red nosed reindeer“, weitgehend emissionsfrei gezogenen Schlitten immer öfter durch die Werbung. Die Landschaft präsentiert sich tief verschneit und gleich einem „Leise rieselt der Schnee“ wird munter für Nachschub der weissen Pracht gesorgt. So könnte Weihnachten aussehen …

Mit einem „Oh du fröhliche“ auf den Lippen wird uns im Prognosedienst dann bewusst, dass früher oder später wieder die Frage nach den „Weissen Weihnachten“ aufkommen wird.

Mit noch rund 3 Wochen Vorlauf sind jegliche Weihnachtswetterprognosen, egal wo Sie sie lesen, noch mit allergrösster Vorsicht zu geniessen. Die hochaufgelösten operationellen Modelle, z.B. das bei uns verwendete ECMWF IFS HRES, reichen noch nicht so weit in die Zukunft.

Aber es werden beim ECMWF sogenannte „extended range“ Produkte bis 46 Tage in die Zukunft gerechnet, die einen ersten vorsichtigen Blick auf das Weihnachtswetter erlauben. Die aktuelle Prognose ist für alle Fans von „Weissen Weihnachten“ wenig verheissungsvoll: Für Dezember deutet sich kein nachhaltiges Hochdruckgebiet an und der Alpenraum liegt mehrheitlich in einer tiefdruckbestimmten Strömung aus Sektor West. Der Trend geht im letzten Monatsdrittel Richtung einer eher zu milden Weihnachtswoche (19. bis 26. Dezember) im Alpenraum:


Wahrscheinlichkeit, dass die 2 Meter Temperatur in der Woche vom 19. bis 26. Dezember 2022 über der Modellklimatologie (Temperatur der vergangenen 20 Jahre) liegt. Quelle: ECMWF


Und wenn wir uns beispielsweise die Temperatur auf 850 hPa (ca. 1500 m ü.M) über Zürich anschauen, dann werden selbst in diesen Höhenlagen die Temperaturen im letzten Monatsdrittel voraussichtlich nur um den Gefrierpunkt liegen, was in etwa dem langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2020 entspricht:


Temperaturverlauf auf 850 hPa (ca. 1500 m ü.M) über Zürich. Quelle: ECMWF


Ein Blick in die Vergangenheit

Aber warum den Blick in die noch ungewisse Ferne richten, wenn das Gute doch so nah ist: Die Auswertung der Schneehöhen an Weihnachten zurück bis ins Jahr 1931 zeigt eindrücklich, dass im Flachland „Weisse Weihnachten“ schon in der Vergangenheit kein Normalfall waren. Selbst in höhergelegenen Lagen, z.B. Einsiedeln auf rund 900 Meter Höhe, sind „Weisse Weihnachten“ in der Neuzeit keine Selbstverständlichkeit mehr. Den ausführlichen, sehr lesenswerten ausführlichen Bericht finden Sie hier.



Weihnachtsstatistik in Basel/Binningen bzw. Zürich/Fluntern. Weitere Auswertungen finden Sie im oben verlinkten Blogbeitrag unserer Kolleginnen und Kollegen aus der Klimaabteilung.

Wir fassen den aktuellen Stand unseres Wissens zusammen: Der erste vorsichtige (!!!) Weihnachtswettertrend geht Richtung milde/durchschnittlich temperierte Weihnachten. Auch die Klimatologie macht uns für „Weisse Weihnachten“ im Flachland sehr wenig Hoffnung.

Aber frei nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ halten wir Sie in unseren Blogs bzw. in unseren Wetterbrichten auf dem Laufenden. Nach all dem Gammelwetter wäre ein Kaltluftvorstoss ganz in unserem Sinne.

Heute im Osten teils zäher Hochnebel

Das Bodendruckfeld bot gegenüber gestern keine grossen Änderungen. Nach wie vor dominierte ein kräftiges Hoch mit Schwerpunkt über Osteuropa, dessen Ausläufer via Mitteleuropa bis zum nahen Atlantik reichte. Allerdings nahm im Alpenraum auf heute der Bisengradient und damit die Hochnebelobergrenze ab. Sehr schön ist dies beim Blick vom Säntis zu den Churfirsten nachvollziehbar: Gestern befand sich die Hochnebelobergrenze mit rund 2300 Meter knapp über Gipfelniveau. Heute lagen die Gipfel deutlich über dem Dauergrau, welches bis rund 1800 Meter Höhe reichte.


Blick gestern (oben) bzw. heute (unten) um 9 Uhr vom Säntis nach Südwesten. Die Churfirsten sind sprichwörtlich aus dem Hochnebel aufgetaucht. Quelle: https://saentis.roundshot.com/#/


Im Tagesverlauf näherte sich aus Norden ein neues Höhentief Ostfrankreich und löste auf der Alpennordseite Hebung und in erhöhten Lagen einen von Nordost auf Südwest drehenden Wind aus, womit die Inversion über dem Hochnebel teils abgebaut wurde. Dies störte vor allem im zentralen Mittelland die Hochnebeldecke nachhaltig und im Tagesverlauf zeigte sich zeitweise die Sonne. Die Tageshöchsttemperatur betrug im Norden rund 5, im Süden rund 8 Grad.


Nach mehreren Tagen mit Bise ist in Lagen oberhalb 1100 Meter eine schöne Raueislandschaft entstanden. Bild: Daniel Gerstgrasser


 

Quelle: Bundesamt für Meteorologie MeteoSchweiz
Titelbild: Daniel Gerstgrasser

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