Kaum Inflation und dennoch steigende Kosten?

29.07.2014 |  Von  |  Allgemein
Kaum Inflation und dennoch steigende Kosten?
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Während die Schweizer Nationalbank NSB von stabilen Preisen und einer kaum signifikanten Inflation bis 2016 spricht, klagen die Verbraucher über steigende Mieten, verteuerte Krankenversicherungsprämien und eine schleichende Teuerung auch bei den Konsumgütern. Es tut sich ein Widerspruch zwischen statistischer und gelebter Realität auf, der zunächst nicht erklärbar scheint.

Interessant erscheint dabei vor allem die Tatsache, dass der Franken bis mindestens 2016 bei einem stabilen Wechselkurs zum Euro nicht unter 1,20 bleiben soll. Das würde die schleppende Erholung der Wirtschaft in der Eurozone rechtfertigen und durch das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um die zwei % untermauert.

SNB zeigt sich optimistisch

Die SNB prognostiziert bis ins Jahr 2016 hinein einen Preisauftrieb von lediglich einem %. Damit bliebe der Franken die stabilste Währung mit den geringsten Inflationsaussichten im internationalen Vergleich.

Ihren Optimismus bezieht die SNB aus der wahrlich nur schleichenden Befreiung der Eurozone aus der Rezession. Dabei habe es besonders in 2011 bis 2013 fallende Preise gegeben, was durchaus auch Bedenken in Richtung einer Deflation geschürt habe.

Für den Schweizer selbst ist diese Begriffs- und Zahlenspielerei eher schwierig nachvollziehbar. Folgt man den Kommentaren der einschlägigen Medien, dann fällt auf, dass der Schweizer Konsument von der festgestellten und prognostizierten Preisstabilität der Konsumentenpreise wohl so gar nichts verspürt.

Bürger zeigen sich eher überfordert

Kritisiert werden hier vor allem steigende Wohnkosten, das Explodieren der Aufwendungen für die Krankenversicherung, aber auch teils deutliche Preissteigerungen bei bestimmten Produkten im Detailhandel. Dabei kann der Lebensbeobachtung der Normalbürger durchaus Recht gegeben werden.

Gerade weil es teilweise bei Immobilien zu einer wahren Immobilienblase zu kommen scheint, werden die Mieten wohl auch künftig weiter steigen. Dazu kommen Befürchtungen, dass auch die Energiepreise einen explosionsartigen Anstieg erleben könnten. Spätestens dann, wenn auch die Schweiz zunehmend auf alternative Energien setzt und sich dann der Gepflogenheit beugt, dass umweltgerechtere Energie automatisch auch die teurere sein müsste. Bei einzelnen Lebens- und Genussmittel im einschlägigen Detailhandel beobachten die Schweizer nach den Tiefstpreisen inmitten der Eurokrise jetzt auch eine eklatanten Anstieg, der nicht gerechtfertigt erscheint.

Rechnet man hier eins und eins zusammen, dann folgt, dass die Prognose der SNB wohl so nicht stimmig sein kann. Zumindest nicht erklärbar für den zahlenden Bürger, der sich immer wieder neuen Teuerungsrunden ausgesetzt fühlt.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Wenn die SNB die Lebenshaltungskosten hochrechnet, dann bastelt sie sich einen sogenannten Warenkorb, der den Schweizer Durchschnittskonsumenten repräsentieren soll. (Bild: plustkon / Shutterstock.com)

Wenn die SNB die Lebenshaltungskosten hochrechnet, dann bastelt sie sich einen sogenannten Warenkorb, der den Schweizer Durchschnittskonsumenten repräsentieren soll. (Bild: plustkon / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Was hat die SNB im Warenkorb

Wenn die SNB die Lebenshaltungskosten hochrechnet, dann bastelt sie sich einen sogenannten Warenkorb, der den Schweizer Durchschnittskonsumenten repräsentieren soll. Auf der Grundlage dieses Warenkorbes werden dann die Inflationsaussichten errechnet. Allerdings scheinen in diesem Warenkorb genau die Dinge nicht vertreten zu sein, die sich jetzt in einer schier unaufhaltsamen Teuerungswelle befinden. Wohnkosten finden sich in diesem Warenkorb genauso wenig wie etwa die Aufwendungen für eine Krankenversicherung. Kein Wunder, dass dann bissige Kommentare folgen, die vermuten lassen, dass der Schweizer Durchschnittsbürger im Zelt haust und nicht krankenversichert ist.

Darüber hinaus dürfte bekannt sein, dass die Schweiz ohnehin ein Hochpreisland ist. Aber auch das ist nichts wirklich Neues und lässt die Prognose der SNB doch in einem anderen Licht erscheinen. Dazu kommt, dass alles was Räder und Beine hat und dazu in Grenznähe wohnt, dann konsumtechnisch doch lieber fremdgeht. Der Einkaufstourismus beschränkt sich längst nicht mehr auf wenige attraktive Technikprodukte, sondern hat in schwindelerregender Höhe auch den Bereich der Lebensmittel und Verbrauchsgüter erreicht.

Windeln kauft man lieber in Deutschland, dazu auch die einen oder anderen Lebensmittel. Wer es mediterraner mag, versucht sein Glück auf der italienischen Seite der Grenze und selbst bei den österreichischen und französischen Nachbarn lässt sich so manches Schnäppchen machen.

Betrachtet man dann wieder den SNB-Warenkorb, dann fällt auch auf, dass sich hier Produkte zweier Klassen finden. Auf der einen Seite die mit erfolgter und weiter prognostizierbarer Preissteigerung, auf der anderen Seite auch ein paar, bei denen die monetären Aufwendungen sinken. Am Ende kommt auf diese Weise natürlich eine Preisstabilität heraus, die aber leider doch nicht das wahre Leben widerspiegeln kann.

Dazu kommen weltpolitische und regionale Unwägbarkeiten, die beispielsweise den Rechenkurs zum Euro jederzeit deutlich verändern können. Erstaunlich dabei ist, dass hinter vorgehaltener Hand und in vielen Unternehmen doch schon mit einer Parität von Euro und Schweizer Franken gerechnet und letztlich auch gehandelt wird.

Steigende Löhne und Gehälter

Was der Bürger selbst verspürt, ist die Tatsache, dass zunächst vieles teurer zu werden scheint. Das scheint nicht nur so, das ist so. Allerdings wachsen bei der richtigen Finanzpolitik auch die Löhne und Gehälter zumindest im gleichen Masse mit. Dann gleicht sich der Wertverlust des Geldes an sich wieder aus. Allerdings erreicht aktuell die Lohnsteigerung nur wenige Haushalte in messbaren Zahlen. Dazu kommt, dass im ominösen Warenkorb die Ausgaben für Mieten und Versicherungen eben nicht enthalten sind. Damit kommt es schnell zu einem Missverhältnis zwischen statistischer Prognose und erlebter Wirklichkeit. Dieses Missverhältnis aufzulösen wäre eine spannende Aufgabe für die Währungshüter der SNB.

 

Oberstes Bild: © xtock – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]


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