Neue Medien setzen Jugendliche immer stärker unter Druck

18.11.2014 |  Von  |  Neue Medien
Neue Medien setzen Jugendliche immer stärker unter Druck
Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

Perfekte Selfies, Sexting, Cyber-Mobbing und aufregende Party-Fotos: Diese Trends durchziehen sämtliche neue Medien und setzen Jugendliche einem enormen Leistungs- und Sozialdruck aus. Viele können mit diesem Stress jedoch nicht umgehen und entwickeln Essstörungen oder Depressionen. Eine neue Kampagne von Pro-Juventute soll dieser besorgniserregenden Entwicklung jetzt entgegenwirken und Aufklärungsarbeit leisten, denn viele Eltern schätzen die Lage falsch ein.

Die Vorstufe der Prozesse, die Pro-Juventute mit ihrer Kampagne anspricht beginnen häufig schon in der Primarschule. Zu diesem Zeitpunkt fangen die Kinder in der Regel die ersten Diskussionen mit den Eltern darüber an, welche Kleidungsmarken oder Gadgets sie benötigen, um mit den anderen mithalten. Bereits zu diesem Zeitpunkt sollten die Eltern aufmerksam werden und ihre Kinder über die möglichen Gefahren aufklären.

Der Denkfehler der Eltern

Die Pro-Juventute-Kampagne steht unter dem Leitspruch „Echtes Leben“ und präsentiert verunsicherte Jugendliche, die sich augenscheinlich hinter einer Scheinidentität verstecken. Hier liegt jedoch der Denkfehler vieler Eltern: Sie glauben, dass soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook Parallelwelten darstellen, die nichts mit der Realität gemein haben. Aus diesem Grund sehen viele Eltern keinen Grund darin, mit ihren Kindern am Tisch über Facebook und Co. zu reden. Stattdessen diskutieren sie mit ihnen ausschliesslich über die „reale“ Welt.

Die Eltern begreifen oft nicht, das Facebook für die Jugendlichen genauso real ist, wie der Schul- und Familienalltag. Diese Welt gehört zu ihrem Leben dazu, und das ist nach Aussage von Pro-Juventute auch vollkommen in Ordnung. Ohne adäquate Anleitung der Eltern, fehlt den Jugendlichen aber häufig das nötige Selbstbewusstsein, um die Vorgänge in der digitalen Realität richtig einordnen zu können.

Der Vergleichsdruck wird immer grösser

Auf sich alleine gestellt werden die Jugendlichen vollkommen verunsichert, da sie durch die neuen Medien unter einen ständigen Vergleichsdruck mit anderen geraten. Konnten sich die Jugendlichen früher nur indirekt mit den Bildern von ihren Stars in Zeitschriften und dem TV vergleichen, so erscheinen die perfekt gestylten und bearbeiteten Aufnahmen heutzutage direkt in der Timeline neben ihren eigenen Bildern. Auf diese Weise kommt es zu einem unmittelbaren Vergleich, der in dieser Ausprägung früher gar nicht möglich war.

Auch Sexting, spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle, denn die Jugendlichen vergleichen sich nicht nur mit den geschönten Bildern ihrer Stars und Freunde, sondern auch in ihrer eigenen inszenierten Nacktheit. Dies hat oft heftige Konsequenzen für die Betroffenen, denn die Bilder werden unter den Jugendlichen häufig weitergeleitet oder öffentlich gepostet. Anhand dieser Bilder diskutieren sie dann beispielsweise darüber, wie Geschlechtsteile auszusehen haben oder welche Intimfrisuren gerade im Trend liegen.

Bewusster Vergleich mit der Scheinwelt

Das Paradoxe an der ganzen Angelegenheit ist, dass die Jugendlichen einerseits sehr genau wissen, wie sie sich selbst in Szene setzen müssen, um aufsehenerregende Bilder zu kreieren. Dabei nutzen sie alle Möglichkeiten der modernen Technik, um sich selbst im besten Licht dastehen zu lassen. Gleichzeitig sehen sie sich aber auch die inszenierten und geschönten Bilder der anderen an und Vergleichen sich selbst mit dieser glamourösen Traumwelt. Aus diesem Grund versucht die Pro-Juventute-Kampagne den Jugendlichen ins Gedächtnis zu rufen, dass das echte Leben niemals so perfekt ist, wie es ihnen die digitale Welt vorgaukelt.


Die digitale Welt ist für Jugendliche nicht nur eine schillernde Scheinwelt, sondern so real wie die Wirklichkeit. (Bild: Linda Moon / Shutterstock.com)

Die digitale Welt ist für Jugendliche nicht nur eine schillernde Scheinwelt, sondern so real wie die Wirklichkeit. (Bild: Linda Moon – Shutterstock.com)


Mit der Kampagne möchte Pro-Juventute zur Diskussion über dieses Thema anregen. Bereits in der Vergangenheit hätte sich nämlich gezeigt, dass die Jugendlichen sich ganz von selbst in die Diskussion einbringen und nach Lösungen für ihre Probleme suchen. Zudem sollen die Eltern sich ihrer wichtigen Rolle bewusst werden, da sie oft mit dem Onlineleben ihrer Kinder nichts anfangen können. Dabei ist es für die Kinder gerade bei diesem Thema wichtig, von den Eltern unterstützt und begleitet zu werden.

Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?

Heute ist es für Jugendliche viel schwieriger ihren eigenen Weg zu gehen als früher. Eltern sollten ihre Kinder daher vor allem darin bestärken, zu sich selbst zu stehen. Heute wird jedes Bild, welches die Kinder veröffentlichen, kommentiert – auch von Menschen, die überhaupt nicht zum unmittelbaren Umfeld gehören. Dies kann schnell zu einer extremen Verunsicherung führen. Das Selbstbewusstsein seiner eigenen Kinder zu stärken ist allerdings keine leichte Aufgabe und braucht viel Zeit und Geduld.



Im Idealfall beginnt dieses Bestärken bereits ab der Geburt. Sobald die Schule beginnt, wird dieses Bemühen allerdings noch wichtiger. Dort muss das Kind nicht nur lernen mit dem Schulstress umzugehen, sondern wird auch zum ersten Mal mit den Urteilen und der Kritik völlig Fremder konfrontiert. Gerade in dieser Phase ist es besonders wichtig, dass die Eltern ihrem Kind vermitteln, wie viel es Wert ist und wie vielfältig seine Persönlichkeit ist. Am besten funktioniert dies, indem es immer wieder für die Dinge gelobt wird, die es besonders gut kann. So wird ihm vermittelt, dass es sich nicht nur durch sein Aussehen, sondern auch durch seine Fähigkeiten und Charaktereigenschaften auszeichnet.

 

Artikelbild: © Syda Productions – Shutterstock.com

Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

Ihr Kommentar zu:

Neue Medien setzen Jugendliche immer stärker unter Druck

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.