Polizistinnen gesucht: Frauenanteil bei der Schweizer Polizei steigt

09.03.2015 |  Von  |  Gesellschaft
Polizistinnen gesucht: Frauenanteil bei der Schweizer Polizei steigt
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Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Polizeiberuf eine Domäne des „starken Geschlechts“ war, Frauen arbeiteten allenfalls in der Polizeiverwaltung oder als wenig geschätzte Politesse.

In den letzten zehn Jahren hat sich das grundlegend geändert: Der Anteil an Polizistinnen ist deutlich gestiegen, aus unterschiedlichen Gründen.

Rein zahlenmässig sind Frauen bei der Polizei auch heute noch klar in der Minderheit, aber ihr Anteil nimmt in der gesamten Schweiz zu. Das verdeutlichen verschiedene Beispiele aus einzelnen Regionen. So bildet der französischsprachige Kanton Neuenburg aktuell zehn weibliche und neun männliche Polizistenanwärter aus – und hat damit erstmals einen minimalen Frauenüberschuss bei den Aspiranten.

Im benachbarten Kanton Waadt gibt es unter den 31 Anwärtern zwar lediglich neun Frauen, was einem knappen Drittel entspricht. Dennoch zeigt dieses Beispiel besonders gut, wie sich das Bild der Polizistinnen gewandelt hat. Dazu muss man wissen, dass Frauen erst seit 1998 (!) in Waadt die Polizeilaufbahn einschlagen dürfen. Von den derzeit 971 fertig ausgebildeten Polizisten in Waadt sind immerhin 120 Frauen (12 Prozent).

Auch in der Deutschschweiz ist eine steigende Tendenz zu beobachten: Im Kanton Zürich hat sich der Anteil an Polizistinnen binnen fünf Jahren von 10 auf 16 Prozent erhöht, in Basel-Stadt in sieben Jahren sogar von 17 auf 32 Prozent.

Ursachen für zunehmende Frauenquote

Die Polizeikorps bieten mehr Teilzeitstellen an, was den Beruf vor allem für Frauen mit kleinen Kindern wesentlich attraktiver macht. So müssen junge Mütter nicht zwangsläufig eine lange Babypause einlegen. Wenn sie wieder arbeiten wollen, hilft das Teilzeitangebot, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen. In Zürich und Basel steht die Förderung von Frauen bei der Polizei sogar als ein Schwerpunkt der Personalpolitik auf dem Programm. Auch die Aufstiegschancen für Polizistinnen haben sich verbessert.

Politik und Dienststellen bemühen sich also intensiv um weibliche Polizeibeamte. Dabei spielt aber die soziale Komponente lediglich eine Nebenrolle: Vorrangig geht es wohl um den Mangel an Fachkräften. Der Schweiz fehlt es an 7000 Polizisten, wie der Verband Schweizerischer Polizeibeamter mitteilt.

Derzeit gibt es 17’000 Polizisten in der gesamten Schweiz. Wenn die Schätzungen des Verbandes zutreffen, bedeutet das ein Defizit von knapp 30 Prozent. Das bleibt nicht ohne Folgen für die öffentliche Sicherheit: Unterbesetzte Polizeikorps kontrollieren seltener, fahren nicht mehr so oft Streife und zeigen weniger Präsenz an öffentlichen Plätzen. Bei Personalmangel müssen Abstriche gemacht werden, daher konzentrieren sich die Beamten vor allem auf die Aufklärung von Straftaten und erst an zweiter Stelle auf die Prävention.

Um die Zahl der Beamten aufzustocken, wirbt die Polizei intensiv um zwei Zielgruppen: Bewerber mit Migrationshintergrund – und Frauen.


Rein zahlenmässig sind Frauen bei der Polizei auch heute noch klar in der Minderheit. (Bild: © John Roman Images - shutterstock.com)

Rein zahlenmässig sind Frauen bei der Polizei auch heute noch klar in der Minderheit. (Bild: © John Roman Images – shutterstock.com)


Die Aufnahme von Polizeibeamtinnen hat zudem entscheidende Vorteile für die praktische Arbeit: Bei häuslicher Gewalt, Sexualstraftaten und Fällen mit Kindern können Frauen besser agieren. Opfer oder Zeugen solcher Delikte haben oftmals Angst vor Männern, sie lassen sich von einer Frau eher beruhigen oder befragen. Auch bei Leibesvisitationen von weiblichen Personen ist die Anwesenheit einer Polizistin unerlässlich.

Droht eine Situation zu eskalieren, etwa bei aggressiven Demonstranten, haben Schlichtungsversuche von Polizistinnen ebenfalls eine gute Aussicht auf Erfolg, wenn sich das auch nicht verallgemeinern lässt. Menschen mit Vorurteilen gegenüber Frauen in Uniform wollen sich von einer Polizistin nichts sagen lassen und werden ihnen gegenüber manchmal erst recht aggressiv.

In einem anderen Bereich befinden sich wieder die Männer im Vorteil: Naturgemäss sind sie den meisten Frauen körperlich überlegen und schneiden bei sportlichen Ausbildungstests besser ab. Aus diesem Grund qualifizieren sich auch nur wenige Polizistinnen für die Arbeit bei der Interventionseinheit, die eine extreme körperliche Belastbarkeit voraussetzt. Ebenso vermeiden die Polizeikorps den Einsatz rein weiblicher Patrouillen in der Nacht und setzen auf gemischte Teams.

Der Unterschied bei den Geschlechtern existiert – allen Gendertheorien zum Trotz. Er lässt sich nicht wegdiskutieren und hat doch eigentlich nur positive Seiten. Männer wie Frauen haben ihre Stärken und Schwächen. Daher kann es auch bei der Polizeiarbeit nur von Vorteil sein, wenn sich weibliche und männliche Beamten gegenseitig ergänzen und unterstützen.

Die Entwicklung ist erfreulich: Der Anteil an Polizistinnen ist nicht nur gestiegen, sie erhalten auch mehr Anerkennung für ihre Arbeit. Ausbilder und Vorgesetzte treffen ihre Personalentscheidungen seltener nach dem Geschlecht, sondern rein nach der fachlichen und sozialen Kompetenz. Dennoch müssen sich Frauen durchsetzen können in einem noch überwiegend von Männern dominierten Beruf.

Bewerber müssen einiges mitbringen

An Abwechslung mangelt es Polizeibeamten nicht, kein Tag ist wie der andere. Aber der Beruf erfordert auch viel körperliche wie emotionale Kraft, manchmal bis an die Grenze des Machbaren. Nicht selten werden Polizisten bei ihren Einsätzen beschimpft, bedroht oder gar angegriffen. Bewerber müssen daher in vielen Bereichen überdurchschnittlich belastbar sein.

Bevor ein Bewerber zur Ausbildung zugelassen wird, muss er ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, das in der Regel die regionalen Polizeikorps durchführen. Die Grundausbildung der ausgewählten Anwärter erfolgt in einer der fünf regionalen Ausbildungszentren. Sie dauert ein Jahr und endet mit einer schriftlichen, mündlichen und fachlichen Berufsprüfung vor einer Kommission. Wer diese besteht, darf sich künftig „Polizist/in mit eidgenössischem Fachausweis“ nennen.

Weiterführende Spezialausbildungen und Fortbildungen organisiert das Schweizerische Polizei-Institut, darüber hinaus gibt es private Anbieter. Die Teilnehmer legen nach den festgesetzten Ausbildungsstunden eine umfangreiche Fachprüfung vor einer Prüfungskommission ab.



Respekt für einen schwierigen Beruf

Dass Polizistinnen ihre Arbeit ebenso gut wie ihre männlichen Kollegen bewältigen, ist vielen erst in den letzten Jahren bewusst geworden. Nach wie vor haben sie gegen Vorurteile von Vorgesetzten, Kollegen und Bürgern zu kämpfen. Notorische Nörgler wird es immer geben, aber die Vorbehalte weichen doch langsam der Erkenntnis, dass alle Polizeibeamten einen harten Job haben und Respekt verdienen. Ganz unabhängig von ihrem Geschlecht.

 

Oberstes Bild: © Natali Glado – shutterstock.com

Über Andrea Durst

Ich bin selbstständige Texterin und liebe an meinem Beruf die Abwechslung bei der Umsetzung unterschiedlicher Kundenwünsche. Auch die persönliche Freiheit spielt eine grosse Rolle: Arbeiten zu jeder beliebigen Zeit und an jedem Ort, natürlich immer im Rahmen der Abgabetermine. Für die Belmedia-Portale schreibe ich sehr gern, da die Autoren Themen wählen können, die sie persönlich am meisten interessieren. In meinem Fall sind das Tiere und Tierschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ernährung, Pflanzen und Naturkosmetik.

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