„Die Täterschaft sucht Schwachstellen“: Polizei-Interview zum Thema Einbruch

Im grossen Polizei-Interview erfahren Sie alles zum Thema Einbruch und den Massnahmen, wie man sich dagegen wehrt. 

Roland Jost ist Sicherheitsberater der Luzerner Polizei. Im Interview mit der Luzerner Rundschau erklärt er, wo und wann am häufigsten eingebrochen wird und wie man sich gegen Einbrüche am besten schützt.

Herr Jost, wer ist im privaten Umfeld vor allem anfällig für Einbrüche?

Grundsätzlich können Einbrüche überall passieren. Die Täterschaft sucht Gelegenheiten und Schwachstellen und nutzt diese für ihre kriminellen Taten aus. Dabei spielt die offensichtliche und erkennbare Abwesenheit der Menschen eine grosse Rolle.

Gibt es (Wohn-)Objekte, die besonders anfällig für Einbrüche sind? In welchen Liegenschaften passiert dies besonders häufig und weshalb?

Besonders anfällig sind Objekte, bei denen man aus der Distanz erkennen kann, ob jemand abwesend ist. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn in der Herbst-/Winterzeit zwischen 17 und 21 Uhr kein Licht brennt. Ein anderes Beispiel ist, wenn tagsüber alle Storen runtergelassen sind.

In welchen Gegenden brechen Kriminelle besonders gerne ein? Sind Gegenden, in denen gut und sehr gut Verdienende wohnen, eher anfällig?

Die Auswertungen zeigen, dass Ballungszentren sowie Gemeinden entlang von Autobahnen stärker betroffen sind. In Ballungszentren spielt die Anonymität eine gewichtige Rolle und bei Orten entlang der Autobahn zeigt sich die Mobilität der Täterschaft unter dem Motto „schnell hin und schnell wieder weg“.

Gibt es in der Stadt Luzern resp. in den Agglomerationsgemeinden Hotspots, wo Einbrüche besonders häufig vorkommen?

Auch hier spielen vor allem die Anonymität sowie die Zu- und Wegfahrtmöglichkeit eine wichtige Rolle.

Ist eine Alarmanlage in jedem Fall ratsam?

Alarmanlagen können mechanische Sicherungen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Sie erhöhen das Entdeckungsrisiko für Einbrecher und bieten so zusätzlichen Schutz.

Auf welche Wertgegenstände haben es die Einbrecher besonders abgesehen?

Bei den Einbrüchen werden vorwiegend Bargeld und Wertgegenstände sowie Bank- und Kreditkarten entwendet. Grosse Apparate wie Fernseher, PCs usw. werden nur noch selten gestohlen. Auch Tablets oder Smartphone gehören nicht zur ersten Wahl, da die Täterschaft durch diese Gegenstände womöglich geortet werden kann.



Würden Sie Safes empfehlen?

Safes sind sicherlich eine gute Sache. Diese schützen nicht nur gegen Diebstahl, sondern können auch gegen Feuer und Wasser einen guten Schutz bieten. Trotzdem empfehlen wir, nicht allzu grosse Vermögenswerte zu Hause aufzubewahren. Bei der Beschaffung und der Installation sollten folgende Punkte beachtet werden: Kassenschränke sind am Boden und/oder an der Rückwand fest im Mauerwerk zu verankern. Bei der Anschaffung eines Kassenschranks ist einem geprüften Modell mit Zahlencode den Vorzug zu geben. Deponieren Sie im Kassenschrank nie mehr Bargeld oder Wertgegenstände, als Sie versichert haben.

Werden vor allem ältere Menschen Opfer von Einbrüchen oder ist dies nur Klischee?

Es ist nicht so, dass ältere Menschen vermehrt Opfer von Einbrüchen werden. Jedoch bei bekannten Phänomenen wie Telefonbetrug und Trickdiebstählen wird die Hilfsbereitschaft von älteren Menschen von der Täterschaft ausgenützt.

Um welche Zeit wird am häufigsten eingebrochen? In welcher Jahreszeit (oder in welchem Monat) am meisten? Stimmt es, dass die dunkleren Herbst- und Wintermonate mehr für Einbrüche genutzt werden?

In Privathaushalten werden die meisten Einbrüche tagsüber und am frühen Abend verübt. Es wird die Abwesenheit der Menschen genutzt. Erfahrungsgemäss nehmen die Einbrüche Ende Oktober mit der Zeitumstellung stark zu. Dabei macht sich die Täterschaft zu Nutze, dass sie in der Abenddämmerung feststellen kann, ob jemand zu Hause ist. Auch ist jeweils bei Ferienbeginn im Sommer ein Anstieg der Einbrüche festzustellen. Viele lassen alle Storen runter und verreisen dann in die Ferien. Dies macht die Abwesenheit ersichtlich.

Wie soll man sich verhalten, wenn man einen Täter in flagranti erwischt?

Halten Sie sich zurück, beobachten Sie die Situation und alarmieren Sie umgehend die Polizei über den Notruf 117. Es ist wichtig, dass die Täterschaft nicht in die Enge getrieben wird und es so zu Affekthandlungen kommen kann.

Lassen sich Einbrecher vor Hunden abschrecken?

Hunde schrecken Einbrecher ab. Jedoch ist dieser ‹Einbruchschutz› nur aktiv, solange der Hund anwesend ist. Das heisst, wenn man mit dem Hund spazieren oder in die Ferien geht, ist dieser Schutz nicht gegeben.

Sind Menschen in städtischen Wohnblöcken sicher, wenn sie „nur“ die Haustüre abschliessen?

Wohnungen in Mehrfamilienhäuser sind grundsätzlich einfacher zu sichern als Einfamilienhäuser mit vielen Türen und Fenstern. Wenn sich die Fenster mehr als drei Meter ab Boden befinden und diese nicht zu erklettern sind, genügt es, die Türen gut zu sichern. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass die Hauseingangstür auch tagsüber geschlossen ist. Die Bewohner sollten vor dem Drücken des Türöffners prüfen, wer ins Haus will.

Viele glauben an die zusätzliche Sicherheit eines Vorhängeschlosses. Ist da was dran?

Ob ein Vorhängeschloss die geeignete Sicherung ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Es gibt jedoch spezielle Fensterverriegelungen und Türsicherungen, die den Einbruchschutz erhöhen. Diese sind empfehlenswert.

Was sollten Geschädigte tun, die merken, dass bei ihnen eingebrochen wurde?

Wichtig ist, dass der Spurenschutz gewährleistet ist. Das heisst, man darf nichts berühren oder verändern. Eine Spurensicherung ist wichtig für die Ermittlung der Täterschaft. Weiter ist umgehend die Polizei über die Notrufnummer 117 zu alarmieren.

Viele Menschen haben Angst davor, dass ein Einbrecher auftauchen könnte, während sie schlafen. Ist diese Gefahr gross?

Die einbrechende Täterschaft sucht sich vor allem Objekte aus, wo sie keine anwesenden Personen erwarten. Die Täterschaft will unbemerkt und unerkannt bleiben. Deshalb ist das Risiko klein, dass während des Schlafens eingebrochen wird.

Wie gut funktioniert Nachbarschaftshilfe?

Eine gute Pflege der Nachbarschaft ist ein wichtiger Schutzfaktor in Bezug auf Einbrüche. Diese zeichnet sich so aus, dass bei Abwesenheit der Briefkasten geleert wird oder die Storen bedient werden. Dadurch erkennt man die Abwesenheit nicht. Auch kann man den Schlüssel sicher deponieren und muss nicht auf ein Schlüsselversteck ausweichen. Weiter sollen verdächtige Wahrnehmungen unverzüglich der Polizei über den Notruf 117 gemeldet werden.

Schrecken gut sichtbare Überwachungskameras ab?

Sicherlich hat die Videoüberwachung eine abschreckende Wirkung. Doch werden oftmals Kameras durch die unbekannte Täterschaft abgedreht oder kaputt gemacht. Oder die Täterschaft zieht die Kapuze hoch und bleibt dadurch unerkannt. Beim Einsatz von Überwachungskameras müssen die rechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Beispielsweise muss der Einsatz verhältnismässig und zweckgebunden sein und auf den Bildern darf nur das eigene Privatgrundstück ersichtlich sein.


Roland Jost, Sicherheitsberater, Luzerner Polizei


Interview: Stefan Kämpfen

Schutzmassnahmen gegen Einbruch

Wenn Sie weggehen, versichern Sie sich, dass alle Fenster und Türen geschlossen sind. Gekippte Fenster sind offene Fenster. Vorsicht vor scheinbar sicheren Schlüsselverstecken: Diese sind oft auch den Dieben bekannt. Hinterlassen Sie keine Notizen an der Wohnungstüre oder Mitteilungen auf dem Telefonbeantworter, in der Sie Ihre Abwesenheit erwähnen. Kommunizieren Sie Ihre Abwesenheit nicht auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. Simulieren Sie Anwesenheit, wenn Sie geschlossen haben: Dies können Sie mit Innenlicht, Fake-TV, automatischen Storenschaltungen oder Ähnlichem erreichen. Statten Sie dunkle und schlecht einsehbare Bereiche um den Betrieb mit Licht und Bewegungssensoren aus. Spezielle Fensterverriegelungen und Türsicherungen erhöhen den Einbruchsschutz. Sichern Sie die Lichtschächte bei Kellerfenstern. Informieren Sie Ihre Nachbarn, wenn Sie für einige Zeit abwesend sind. Bitten Sie sie, ab und zu nach Ihrer Wohnung bzw. nach Ihrem Haus zu schauen und den Briefkasten zu leeren. Bei verdächtigen Wahrnehmungen informieren Sie unverzüglich die Polizei über die Notrufnummer 117. Lassen Sie sich durch die Sicherheitsberatung der Luzerner Polizei kostenlos beraten: Telefon 041 289 24 44 oder praevention.polizei@lu.ch.

 

Quelle: Luzerner Rundschau
Bildquelle: Luzerner Polizei

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