Sperrung von „kino.to“ – hitzige Debatte im Netz

10.06.2011 |  Von  |  Neue Medien
Sperrung von „kino.to“ – hitzige Debatte im Netz
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Weltweit schauten sich 4 Millionen User jeden Tag auf der Moviestream-Seite „kino.to“ gratis aktuelle Kinofilmen, Serien und Dokumentationen an. Kein Wunder, dass nach der Sperrung der beliebten Plattform im Netz eine hitzige Diskussion entbrannt ist.

Allein im Satire-Blog „Der Postillon“ (von mir gern gelesen) gibt’s zum Thema über 150 Kommentare. Im Folgenden eine Übersicht über die vertretenen Positionen.

Fraktion contra Sperrung. Viele bedauern die Schliessung von „kino.to“ und geben an, ohne schlechtes Gewissen die Seite genutzt zu haben.

Die Kritiker sehen den Fehler eher bei der Filmindustrie. Sie sei nicht mit der Zeit gegangen und habe die Möglichkeiten des Internets zur Vertreibung ihrer Produkte (stream & download) sträflich vernachlässigt. Nun wolle die Branche mit strafrechtlichen Verfolgungen ihre Versäumnisse wettmachen. Grosse Zustimmung findet die Forderung, eine werbefinanzierte legale Stream-Plattform zu schaffen. Wenn „kino.to“ siebenstellige Einnahmen erzielt habe, müsse die Filmindustrie das auch schaffen.

Meiner Meinung nach hat die oben genannte Industrie seit Einführung der Breitbandangebote durch die Internetprovider gepennt. Sie hätten früher auf das Medium digitaler Downloads umspringen müssen. Sie haben weiterhin auf veraltete Datenträger wie CD und DVD gesetzt und versuchen nun mittels der Brechstange (Abmahnungen etc.) den Fehler wieder geradezubügeln. (e-moe, forum.spiegel.de)

Durch die Stream-Plattformen entstünden der Filmindustrie keine Verluste, wird ausserdem argumentiert. Denn mehr DVDs würden sich die User auch ohne die illegalen Angebote nicht kaufen, zumal viele schlechte Filme den Kauf nicht lohnten.

von mir aus kann die GVU noch so lange streamingseiten dicht machen (lassen), den kram den ich mir da aus reiner langeweile reinzieh, würd ich mir trotzdem nicht kaufen… solange schauspieler millionengagen kassieren kann mir kein mensch auf dieser welt ein schlechtes gewissen einreden weil ich streams gucke… (Blub, der-postillon.com)

Weiterhin sei die strafrechtliche Verfolgung von Moviestream-Seiten wirkungslos und komme einem Wettlauf zwischen Hase und Igel gleich. Die User würden einfach zur nächsten Plattform wechseln.

Toll gemacht! Eine von hunderten Seite geschlossen. Das krazt doch kein Schwein, dann sieht man sich das halt wo anders an. Das ist sisyphus Arbeit! (P.C., 20min.ch)

Fraktion pro Sperrung. Das Produzieren der Filme und Serien hat Geld gekostet – die Produkte illegal gratis im Netz anzubieten, sei damit Betrug. Die Nutzer leisteten einer „Verlotterung der Sitten“ Vorschub. Vergleiche werden gezogen zu anderen Wirtschaftsbereichen. Es sei schliesslich auch nicht erlaubt, im Laden einfach Waren einzustecken.

Ich finde es auch unverschämt, was eine BluRay kostet und bin immmer wieder enttäuscht, wenn ich auf eine Serie noch 3 Monate warten muss, bevor ich sie im Handel bekomme. Doch das gibt mir nicht das Recht, jemand anderen zu bestehlen! Sorry für den Oberspießer-Moralapostel-Beitrag, aber denkt mal drüber nach, wie es euch gehen würde, wenn jemand eure Arbeit nutzt und ihr bekommt keinen Cent dafür? … Ihr stehlt anderer Leute Lohn! Ihr seid schäbige Diebe! (Anonym, der-postillon.com)

Meine Meinung nach sind Argumente beider Seiten berechtigt. Sich an fremdem (geistigen) Eigentum illegal zu bereichern, wie es die „kino.to“-Betreiber getan haben, ist nun mal nicht akzeptabel. Betrug bleibt Betrug. Andererseits kritisiere auch ich die Filmindustrie für ihre Versäumnisse. Zu wünschen ist, dass es bald endlich attraktive legale Moviestream-Plattformen geben wird.

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Titelbild: © rangizzz – Fotolia.com

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2 Kommentare


  1. Wer sieht sich denn nicht gerne brandneue Filme an, ohne zu bezahlen. Und bequem ist’s allzumal, denn das ganze Vergnügen ist schließlich nur einen kleinen Mausklick entfernt. Allerdings bin ich gespannt, auf welche Ideen die Rechtsexperten kommen, wenn es darum geht, die User zur Kasse zu bitten. Sicherlich hat keiner ernsthaft darüber nachgedacht, ob er sich beim Betrachten der Leinwandhits strafbar macht. Die Filmindustrie allerdings ist sehr findig darin, Verluste auszugleichen, denn schließlich geht es in dieser Branche ums finanzielle „Klotzen“.
    Von daher denke ich auch, es ist OK, dass die Plattform geschlossen wurde. Auch wie bereits oben erwähnt, kosten Filme Geld und leider geht es immer genau darum. Wenn keiner bezahlt und nicht genügend Gewinn eingespielt wird, wird es auch bald keine guten Filme mehr geben.

    • Hallo Beni Shangul,

      viele wären sicher schon bereit zu zahlen, gäbe es ein zu „kino.to“ gleichwertiges legales Moviestream-Angebot. Problem ist, dass die legalen Video-on-Demand-Angebote noch unausgereift sind. Da gibt es zwar z.B. maxdome.de. Von der Gebührengestaltung her ist dieser Anbieter jedoch nicht wirklich kundenfreundlich. Es ist zum Beispiel nicht einzusehen, warum selbst im Premiumabo keine aktuellen Blockbuster enthalten sind. Der Filmindustrie wird nichts anderes übrig bleiben, als auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Nur so kann den illegalen Plattformen das Wasser abgegraben werden.
      Das Setzen auf Strafverfolgung wird es nicht bringen.

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