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1. Nationale Konferenz „Jugend und Gewalt“ in Bern

08.03.2012 |  Von  |  Gesellschaft, Kriminalität

Jugendgewalt ist in der Schweiz zwar insgesamt rückläufig, gleichzeitig werden die Taten aber brutaler. In Verbindung mit dem Internet gewinnen zudem neue Formen der (psychischen und physischen) Jugendgewalt wie Cybermobbing oder Happy Slapping an Bedeutung.

Das Problem „Jugend und Gewalt“ bleibt somit aktuell. Daher lädt die Stadt und der Kanton Bern morgen zur 1. Nationalen Konferenz unter diesem Thema ins Berner Rathaus ein.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt darin, einen Überblick über den aktuellen Stand der Gewaltprävention und die damit verbundenen Herausforderungen zu geben. Am Nachmittag diskutieren fachliche und politische Akteure auf acht Workshops aktuelle Themenfelder wie Gewaltprävention in Familie, Sozialraum, Schulen und Vereinen.

Bis 2015 will das 2011 gestartete gesamtschweizerische Präventionsprogramm „Jugend und Gewalt“ die Grundlage für wirksame Gewaltprävention in der Schweiz schaffen. Ziel ist es, bei der Bekämpfung der Jugendgewalt über Kantonsgrenzen und Staatsebenen hinweg koordiniertes Handeln zu ermöglichen und Wissen weiterzugeben.

Haben die Präventionsmassnahmen etwa bereits gefruchtet? Diesen Schluss legt jedenfalls eine zu beobachtende Trendwende bei der Jugendgewalt nahe.

Plötzliche Trendwende bei der Jugendgewalt 

Während Fachleute seit Jahren warnten, dass die Schweizer Jugend immer krimineller und gewalttätiger wird, zeigt sich jetzt ein neuer Trend. Die Jugendkriminalität ist nämlich stark rückläufig, wie jüngste Zahlen belegen, die in der Fernsehsendung „10vor10“ vom 23.2.2012 präsentiert wurden:

– Gab es 2009 in den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn noch fast 9000 Strafverfahren gegen Jugendliche, waren es 2011 nur noch rund 6100.

– Der Rückgang bei den Gewaltdelikten im Bereich Jugendkriminalität zeigt sich im Kanton Bern besonders eindrücklich. So sanken die Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung von 96 im Jahr 2010 auf 50 im Jahr 2011.

– Frappant ist auch der Rückgang der Raubdelikte, den Berner Behörden verzeichneten. 87 Verfahren wegen Raub im Jahr 2010 stehen ganze 15 im Jahr 2011 gegenüber. Ebenso nahmen die Tätlichkeiten ab: 2010 gab es 128 solche Verfahren, im Jahr 2011 68.

– Auch im Kanton Zürich zeigt sich – wie in anderen Kantonen – ein positiver Trend. Hier sanken die Falleingänge bei den Gewaltstraftaten in den letzten beiden Jahren um 30 Prozent.

Suche nach Ursachen für die sinkende Jugendgewalt

Experten nennen unterschiedliche Gründe für die sinkende Jugendgewalt. Laut dem Jugendanwalt Christoph Burkhard zeigt das gesellschaftliche Klima der Ablehnung von Gewalt auch bei Jugendlichen Wirkung. Der Zürcher Kriminologe Martin Kilias macht einen gesunkenen Anteil von jugendlichen Migranten sowie bessere Integrationschancen für den Trend mitverantwortlich. Die „jüngeren Brüder“ der in den 90er Jahren eingewanderten jungen Migranten würden „weniger Mist bauen als ihre Geschwister“. „Auch ist die Gesellschaft heute besser auf sie vorbereitet.“

Der Gewaltexperte Roland Zurkirchen, Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich, betont schliesslich, dass sich „in den Köpfen vieler Jugendlichen etwas getan hat“.  „Dank verschiedenster Präventionsmassnahmen gelten heute auch diejenigen als cool, die sich gegen Gewalt aussprechen.“ Allerdings seien weitere Anstrengungen nötig. „Über den Berg sind wir nämlich noch nicht.“

 

Titelbild: Monkey Business Images – shutterstock.com