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Das Widerrufsrecht bei Online- und Telefongeschäften: Die aktuelle Rechtslage

10.10.2014 |  Von  |  Konsum

Während es bisher so aussah, als ob das Widerrufsrecht bei Kaufgeschäften in der Schweiz auch auf den Onlinehandel ausgeweitet werden würde, hat der Nationalrat den Vorschlag nun abgelehnt. Die Entscheidung betrifft nur die Geschäftsabschlüsse über das Internet, Haustürgeschäfte können weiterhin widerrufen werden.

Verbraucher sind bei Onlinegeschäften auf die Kulanz des Shops angewiesen. Wer allerdings von den Verkäufern angerufen und zu einem Abschluss überredet wird, soll nun ein 14-tägiges Widerrufsrecht erhalten. Es stellt sich die Frage, ob ein Widerrufsrecht für die Verbraucher nur Vorteile hat oder ob auch Nachteile entstehen können.

Das Vorhaben ist nur teilweise gelungen

Im August 2014 war noch zu vermuten gewesen, dass der Nationalrat die Zustimmung zum Gesetzentwurf erteilen würde. Dieser sah vor, dass das Widerrufsrecht auf den Onlinehandel erweitert wird. Schweizer Verbraucher können abgeschlossene Geschäfte beim Online-Shop nicht rückgängig machen, was einen Unterschied zu den Bürgern vieler anderer europäischer Staaten darstellt.

Nun hat der Nationalrat den Vorschlag jedoch abgelehnt und an den Ständerat zurückgereicht. Dieser muss den Entwurf gegebenenfalls abändern und neu einreichen. In der Begründung der Ablehnung beruft sich der Nationalrat darauf, dass die Verbraucher bei einem Onlinegeschäft den ersten Schritt unternähmen und nicht vom Verkäufer überrumpelt würden. Dies stelle einen Unterschied zu Telefongeschäften dar.

Telefongeschäfte: Das Widerrufsrecht wird vom Nationalrat unterstützt

Während das Widerrufsrecht für Onlinegeschäfte abgelehnt wurde, stimmte der Nationalrat für den Verbraucherschutz bei Telefongeschäften. Da die Verbraucher oftmals unverhofft zu einem Abschluss gebracht würden, beispielsweise für ein Abonnement, müsse ihnen eine Widerrufsfrist eingeräumt werden. Diese soll 14 Tage betragen, ebenso wurde die Frist bei Haustürgeschäften von 7 auf 14 Tage angehoben.

Die Vorteile und die Nachteile eines Widerrufsrechts

Ein Widerrufsrecht ist für die Verbraucher zunächst einmal ein Vorteil, da sie den Kauf rückgängig machen können. Dennoch befürchten einige Experten, dass sich auch negative Auswirkungen ergeben könnten. Die gehäufte Rückgabe der Ware oder die Stornierung der Bestellung verursache Kosten bei den Shopbetreibern, welche diese auf lange Sicht gesehen an die Kunden weiterreichen würden. Damit würden sich die Preise erhöhen und die Verbraucher die Kosten für das Widerrufsrecht tragen.

Bei der Beurteilung der Ablehnung des Gesetzentwurfs muss man die Vorteile und die Nachteile gegeneinander abwiegen und entscheiden, welche Variante die meisten Vorteile für die Kunden bringt. Die Änderungen bei den Telefongeschäften und die Erhöhung der Frist sind allerdings ein grosser Schritt im Verbraucherschutz und daher in jedem Fall gerechtfertigt. Ob es auch im Onlinehandel zu einer Veränderung kommt, bleibt abzuwarten.

 

Oberstes Bild: © lightwavemedia – Shutterstock.com