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Die Seuche des Mittelalters kehrt zurück – Madagaskar leidet unter der Pest

02.12.2014 |  Von  |  Gesundheit

[vc_row][vc_column][vc_column_text]In Zeiten der Hochtechnisierung und ständig verbesserter Hygienebedingungen wie auch einer hervorragenden medizinischen Versorgung galten einige Krankheiten als „quasi ausgestorben“. So zum Beispiel die Pest, die auch als der Schwarze Tod bezeichnet wird. Doch nun kommen aus Genf erschreckende Meldungen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO – World Health Organization) meldet, dass auf Madagaskar in der Zeit von August bis November 2014 insgesamt 119 Personen mit der Pest infiziert wurden, von denen 40, also rund ein Drittel der Erkrankten, den Tod fanden.

Und auch die weiteren Aussichten, die seitens der WHO aus Genf kommen, lassen nichts Gutes erahnen. So gehen die Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass auf Madagaskar, der riesigen Insel vor Moçambique, die auch als der Achte Kontinent bezeichnet wird, eine weitere Ausbreitung der Krankheit kaum noch abwendbar sein wird.

Die Geschichte des Schwarzen Tods im Mittelalter

Wer den Begriff „Pest“ hört, wird damit zunächst das tiefste Mittelalter in Verbindung bringen. Erstmals nachgewiesen werden konnte ein Ausbruch der Pest circa für das 6. Jahrhundert – im Jahr 2011 ist das durch Grabuntersuchungen mit neuester Technologie möglich geworden – und das im Mittelmeerraum. Rund 200 Jahre wütete die Krankheit und kostete damals mehr als 100 Millionen Menschenleben. Eine schier unvorstellbare Zahl. Auch in den kommenden Jahrhunderten gab es immer wieder Pandemien der Pest, die damals häufig von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, das mittlerweile nicht mehr durch die Pest bekannt ist, sondern durch seine hervorragende medizinische Versorgung einen weltweit erstklassigen Ruf geniesst, ausging.

Als primäre Überträger der Krankheit gelten die sogenannten Ratten-Flöhe, deren Wirt, wie es der Name schon sagt, Ratten sind. Nun leben diese in Madagaskar vornehmlich nicht in den dicht besiedelten Gebieten, doch wenn die Regenzeit über die Insel hereinbricht – was in jedem Jahr von November bis April der Fall ist –, suchen sich die Ratten neue Domizile. Diese Suche verschlägt sie auch in die Nähe der Menschen, also in die Dörfer und Städte des armen Inselstaates. Hierbei gehen die infizierten Flöhe auf den Menschen über und übertragen beim Biss die sogenannte Beulenpest.

Gerade die hohe Bevölkerungsdichte und das immer noch sehr schwache Gesundheitssystem Madagaskars stehen dafür, dass sich übertragbare Krankheiten schnell und recht ungezügelt ausbreiten können. In Madagaskar, das an der Ostküste Afrikas liegt, kommt erschwerend hinzu, dass die Ratten-Flöhe dort eine Resistenz gegen die landestypischen Mittel zur Insektenvernichtung entwickelt haben, wodurch man den Überträger kaum noch effektiv bekämpfen kann.

Madagaskar – das Zentrum der Pest in der Neuzeit

Madagaskar hatte auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder unter der Pest zu leiden. So gab es bereits 2011 und auch 2013 einige Dutzend Tote, die zweifelsfrei der Pest zugeordnet werden konnten. Selbst die Hauptstadt des Inselstaates, Antananarivo, bleibt nicht davon verschont. So werden aktuell bereits vier Todesopfer in der Metropole mit rund 2,3 Millionen Einwohnern gemeldet, die der neuen Pestwelle zum Opfer fielen. Primär leiden die Erkrankten an der „leichteren Form“ der Pest, der sogenannten Beulenpest, und das in 98 % der gemeldeten Fälle. Diese Form der Pest lässt sich unter Zuhilfenahme starker Antibiotika behandeln, und es bestehen mittlerweile gute Aussichten, bei einer zeitnahen Diagnose vollständig geheilt zu werden.
Die Beulenpest wird „glücklicherweise“ nur vom Wirtstier, also dem Ratten-Floh, auf den Menschen per Biss übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt – auch beim Austausch von Körperflüssigkeiten – als ausgeschlossen.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Madagaskar gilt weltweit als Zentrum der Pest und in den letzten drei Monaten wurden erneut 40 Pestopfer gemeldet. (Bild: sunsinger / Shutterstock.com)

Madagaskar gilt weltweit als Zentrum der Pest und in den letzten drei Monaten wurden erneut 40 Pestopfer gemeldet. (Bild: sunsinger / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Erst wenn die Beulenpest nicht erkannt wird, wie leider häufiger auf Madagaskar zu erleben war, entwickelt sie sich zur sogenannten Lungenpest – die berechtigterweise als „mittelalterliche Form von Ebola“ angesehen wird. Hat die Krankheit erst die Lungen erreicht, stirbt der Erkrankte im Normalfall binnen 36 Stunden, und zudem ist die Lungenpest via Flüssigkeit von Mensch zu Mensch übertragbar, was die grosse Gefahr ausmacht.

Um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu stoppen und zu verhindern, dass sie epidemische oder gar pandemische Formen annimmt, arbeitet die Weltgesundheitsorganisation WHO eng mit der Regierung auf Madagaskar zusammen. Alle Seiten sind sich der Tatsache bewusst, gerade angesichts der hohen Anzahl von Todesfällen, dass das Ziel sein muss, die Pest einzudämmen, wenn nicht sogar im besten Fall komplett auszumerzen.

Sind Reisen nach Madagaskar gefährlich?

Wird von Reisen auf das Inselparadies abgeraten? Nein, bisher gibt es für Reisende keine Warnmeldungen, weder vom Aussen-Departement noch vonseiten der Reiseagenturen. Gerade an den primären Reisezielen und in den Hotels der touristischen Hochburgen gelten maximale Hygienevorschriften. Da es sich nur bei rund 2 % der Pestfälle um die von Mensch zu Mensch übertragbare Lungenpest handelt, ist das Sicherheitsrisiko demnach nicht grösser als in anderen Ländern, lebensgefährdend zu erkranken.

Es gibt übrigens eine Impfung gegen die Beulenpest – allerdings ist diese nicht frei erhältlich und wird nur bei berufsbedingten Reisen in extreme Risikogebiete angeboten. Für den „Otto Normalreisenden“ sollte es im besten Falle reichen, sich von Nagetieren, egal ob tot oder lebendig, fernzuhalten.

 

Oberstes Bild: © carmen2011 – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]