Schweiz: Über 5'000 Menschen landen jährlich wegen unbezahlter Bussen im Gefängnis

Über die Hälfte aller Haftantritte in der Schweiz erfolgt wegen unbezahlter Geldstrafen oder Bussen.

Die neuesten Zahlen des Bundes zeigen: Im Jahr 2024 wurden insgesamt 9030 Personen in Schweizer Gefängnisse eingewiesen. Davon betrafen 4985 sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen – also Freiheitsentzug wegen nicht bezahlter Bussen oder Geldstrafen. Diese Kurzaufenthalte dauern im Schnitt acht Tage und verursachen tägliche Kosten von rund 200 Franken pro Person.

Der massive Anteil dieser Fälle führt zu einer angespannten Lage in den Gefängnissen: 94 Prozent der Haftplätze sind belegt, in Luzern wurden zur Entlastung bereits Container aufgestellt.

Häufig handelt es sich bei den Betroffenen um mittellose Personen, etwa Sozialhilfebezüger oder Drogenabhängige. Besonders das Schwarzfahren wird in Hunderten von Fällen zur Haftursache. Die Transportunternehmen entscheiden dabei selbst, ob sie neben dem Zuschlag auch eine Strafanzeige erstatten – was oft ein juristisches Verfahren ohne Erfolgsaussichten in Gang setzt.

SP-Nationalrätin Jessica Jaccoud (VD) will mit einem parlamentarischen Vorstoss die Zahl der Ersatzfreiheitsstrafen senken. Sie kritisiert die teure Bürokratie und bezweifelt den Nutzen für die öffentliche Sicherheit. Der Bundesrat zeigt sich offen für Reformen – etwa die Entkriminalisierung des Schwarzfahrens und die Reduktion der Belastung bei Polizei und Justiz.

Positive Ansätze zeigt der Kanton Zürich: Durch Aufklärung in einfacher Sprache und gezielte Beratung stieg die Zahl der Personen, die gemeinnützige Arbeit statt Haft leisten, innerhalb eines Jahres um 26 Prozent.

Gleichzeitig zeigt sich: Rund 60 Prozent der Betroffenen begleichen ihre Busse im letzten Moment, um der Inhaftierung zu entgehen.

 

Quelle: Blick/Polizei.news-Redaktion
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