Kanton Bern: Rialto-Projekt teilweise gestoppt – Staatsanwaltschaft steigt aus digitaler App aus

Die im August 2025 angekündigte Neubeurteilung des Projekts NeVo/Rialto und die Abklärungen und Prüfungen von Lösungsvarianten zur Fachapplikation Rialto schreiten voran.

Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass ihr Systemteil der Fachapplikation Rialto nicht realisiert wird.

Verträge sollen rückabgewickelt werden

In den vergangenen Monaten haben die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Bern mit den Lieferantinnen Swisscom und Deloitte das weitere Vorgehen betreffend die Fachapplikation Rialto, welche bei der Kantonspolizei seit 2022 im Einsatz ist, und das Projekt NeVo/Rialto (Fachapplikation Rialto für Staatsanwaltschaft sowie digitale Brücke zwischen Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft) besprochen.

Die Parteien haben sich darauf geeinigt, die bestehenden Verträge rückabzuwickeln. Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft ihren Systemteil der Fachapplikation Rialto nicht realisieren wird. Ziel ist es, gemeinsam eine klare, nachvollziehbare und für alle Involvierten rechtskonforme Lösung auszuarbeiten. Die Gespräche über die Rückabwicklung sind weit fortgeschritten und es zeichnet sich eine für alle Parteien ausgewogene kommerzielle Einigung ab. Für den Kanton Bern reduzieren sich damit unter dem Strich die Kosten für das Gesamtprojekt.

Prüfung von technischer Migration von Rialto Kantonspolizei auf S/4Hana

Die Fachapplikation Rialto ist bei der Kantonspolizei nun seit drei Jahren im Einsatz. Auch für die kommenden Jahre ist der Betrieb gewährleistet. Die bisherigen Abklärungen der Kantonspolizei haben ergeben, dass der Betrieb von Rialto R/3 ab 2031 aufgrund der bereits im vergangenen August kommunizierten Unsicherheit bezüglich der Weiterentwicklung des SAP-Moduls nur eingeschränkt möglich sein wird.

Aus diesem Grund muss auf diesen Zeitpunkt eine Ablösung von Rialto auf Basis R/3 erfolgen, entweder mittels technischer Migration auf S/4Hana oder mittels Ersatzes der Vorgangsbearbeitung durch ein Drittprodukt. Um die Möglichkeit einer Migration auf S/4Hana auszuloten, wird diese Lösungsvariante bis Mitte Jahr 2026 geprüft. Dies auch aus Gründen des Investitionsschutzes und der Wahrung der Handlungsfreiheit.

Rialto Staatsanwaltschaft wird nicht realisiert

Der Systemteil Staatsanwaltschaft der Fachapplikation Rialto wird nicht realisiert. Die Staatsanwaltschaft hat zudem entschieden, auf einen Ausbau des bereits realisierten MVP (Minimum Viable Product) von Rialto zu verzichten und das MVP zukünftig nicht mehr einzusetzen. Ein Festhalten am Projekt oder am MVP wäre aus Sicht des Investitionsschutzes und aufgrund des Risikos weiterer Verzögerungen oder Kostensteigerungen nicht opportun.

Nach einer Übergangsphase werden die heute im MVP bearbeiteten Geschäftsfälle (unbezahlte Ordnungsbussen) wieder in der bestehenden Geschäftsverwaltung der Justiz „Tribuna“ bearbeitet. Die Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Projekt NeVo/Rialto sollen gesichert werden. Bei der Weiterentwicklung der Geschäftsverwaltung interessieren die Staatsanwaltschaft namentlich Verbesserungen in jenen Bereichen, in denen das MVP einen spürbaren Mehrwert bringt (standardisiertes Massengeschäft und digitale Brücke zur Kantonspolizei).

Die weiteren Abklärungen der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei Bern werden unabhängig voneinander geführt und das Projekt NeVo/Rialto wird im Jahr 2026 beendet. Sobald verbindliche Entscheide zum weiteren Vorgehen vorliegen, werden die Behörden individuell informieren.

 

Quelle: Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern
Bildquelle: Symbolbild © Generalstaatsanwaltschaft Bern

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