Zürich: Neue Kampagne für Forensic Nurses – Hilfe für Gewaltopfer rund um die Uhr

Der Kanton Zürich startet eine Sensibilisierungskampagne zum Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses.

Die Kampagne macht auf das niederschwellige Unterstützungsangebot für Betroffene von sexueller oder häuslicher Gewalt, deren Umfeld und medizinische Fachpersonen aufmerksam. Der Fokus liegt auf der professionellen Spurensicherung, die auch ohne Strafanzeige bei der Polizei möglich ist.



Fokus auf Spurensicherung

Mit dem „Zürcher Modell“ hat der Kanton Zürich ein niedrigschwelliges, jederzeit verfügbares Angebot für eine qualitativ hochwertige Betreuung von Betroffenen sexueller und häuslicher Gewalt geschaffen (vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. 1320/2023). Die speziell geschulten Forensic Nurses beraten die Opfer, sichern gerichtsverwertbare Spuren und dokumentieren Verletzungen.

Nun lanciert der Kanton Zürich eine kantonale Sensibilisierungskampagne zum Angebot des Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses (ADFN). Diese richtet sich an potenziell betroffene Personen, ihr Umfeld sowie an medizinische Fachpersonen. Ziel ist es, die niederschwellige Unterstützung der Forensic Nurses bekannter zu machen.

Positive Zwischenbilanz

Zum einjährigen Bestehen lud die Zürcher Regierung zum Informationsanlass ein (vgl. Medienmitteilung vom 1. April 2025). Nach einem Jahr zeigte sich, dass Gewaltopfer wertvolle Unterstützung erhalten und die Zwischenbilanz positiv ausfällt. Im laufenden Jahr wurde der Dienst noch häufiger in Anspruch genommen: Die Forensic Nurses sind bis Ende November 2025 bei rund 236 Opfern ausgerückt und haben Spuren dokumentiert. Hinzu kommen telefonische Beratungen bei rund 212 Fällen.

Der ADFN bringt deutliche Verbesserungen in der Versorgung von Gewaltopfern. Seit Inbetriebnahme im April 2024 gingen bisher 51 nachträgliche Strafanzeigen ein. Zum Vergleich: In den 13 Jahren zuvor, in denen die Spurensicherung durch das Spitalpersonal erfolgte, gab es nur eine nachträgliche Anzeige.

Vermeidung von Retraumatisierung

Um eine Retraumatisierung von Betroffenen zu vermeiden, verzichtet die Kampagne auf realistische Darstellungen von Gewalt. Stattdessen steht die Verletzungsdokumentation im Mittelpunkt – ein zentrales Arbeitsinstrument der Forensic Nurses.

Die Darstellung zeigt, wie eine professionelle Spurensicherung helfen kann, ohne dass Betroffene sofort eine Strafanzeige erstatten müssen. Die Spurendokumentation samt den Asservaten wird bis zu 15 Jahre aufbewahrt. Dies gibt Betroffenen die Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen, bevor sie eine Entscheidung über eine Strafanzeige treffen.

Kampagnenumsetzung

Die Kampagne wurde von der Zürcher Kommunikationsagentur Therefore im Auftrag der Gesundheitsdirektion entwickelt. Die Agentur setzt sich für gemeinnützige und präventive Projekte ein. Die Kampagne ist vom 11. Dezember 2025 bis 21. Januar 2026 im öffentlichen Verkehr in der Stadt Zürich sowie als Online-Ads zu sehen.

Kontakt und Erreichbarkeit

Forensic Nurses sind speziell ausgebildete Fachkräfte, die kostenlos zu allen Notfallstationen der Spitäler im Kanton Zürich ausrücken. Sie übernehmen eine wichtige Rolle in der medizinischen und forensischen Betreuung von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt. Der „Aufsuchende Dienst Forensic Nurses“ (ADFN) wird vom Institut für Rechtsmedizin der UZH im Auftrag der Gesundheitsdirektion, der Bildungsdirektion und der Direktion der Justiz und des Innern in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsdirektion umgesetzt.

Erreichbarkeit: 24/7 – 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0800 09 09 09

  • Spurensicherung und Dokumentation: DNA-Abstriche, toxikologische Proben, Verletzungsfotos
  • Beratung und Betreuung: Information zu Rechten, Weitervermittlung an Opferhilfe
  • Sensibilisierung und Weiterbildung: Für medizinisches Fachpersonal im Kanton Zürich

 

Quelle: Kanton Zürich
Bildquelle: Kanton Zürich

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