Schweizer Armee: Medialab nutzt KI für effiziente Bild- und Videosuche

Mit dem Medialab entwickeln die Digitalen Medien der Armee (DMA) eine KI-gestützte Lösung, um Bilder und Videos schneller auffindbar zu machen.

Über 200 000 kuratierte Fotos und tausende Videos können semantisch durchsucht werden – sicher, effizient und vollständig innerhalb der eigenen Infrastruktur.

Die Digitalen Medien der Armee (DMA) setzen künstliche Intelligenz bereits heute in verschiedenen Bereichen ein – von der Bildgenerierung über synthetische Sprecherstimmen bis hin zur Entwicklung von Storyboards für Filmproduktionen. Mit dem Projekt Medialab gehen sie nun einen weiteren Schritt in Richtung Innovation. Ziel ist es, grosse Mengen an Bild- und Videomaterial der Armee deutlich einfacher auffindbar und nutzbar zu machen.

Schneller finden statt lange suchen

Ausgangspunkt für die Entwicklung war ein bekanntes Problem: In der Bundesverwaltung – und damit auch bei den DMA – werden täglich grosse Mengen an Content produziert und zentral gespeichert. Die Datensicherung ist gewährleistet, doch mit zunehmender Datenmenge und bei Personalwechseln nimmt die Auffindbarkeit der Inhalte ab. Hier setzt Medialab an. Das Tool ermöglicht eine KI-gestützte Suche in aktuell über 200 000 kuratierten Bildern sowie mehreren tausend nicht verwendeten Video-Clips.

Medialab ist nicht als isolierte Lösung gedacht. Die Technologie wird schrittweise auf bestehende Plattformen wie die Mediathek, DMA-Share und Video-on-Demand ausgerollt und steht damit künftig auch weiteren Bereichen wie der Kommunikation Verteidigung zur Verfügung. Später soll auch die Miliz vom verbesserten Zugriff auf visuelles Material profitieren.

Open-Source KI-Modell – abgestimmt auf DMA

Technisch basiert Medialab auf mehreren Open-Source-KI-Modellen, die speziell für die Anforderungen der DMA adaptiert wurden. Die Bildsuche funktioniert nicht über klassische Schlagwörter, sondern über die inhaltsbasierte Analyse. Suchanfragen werden mit diesen Bildinhalten verglichen. So findet das System auch Bilder, die zum gesuchten Thema passen, ohne dass sie manuell verschlagwortet wurden.

Aktuell verarbeitet Medialab vor allem Archivbilder, die bisher nicht in der Mediathek integriert waren. Eine automatische Erkennung gesprochener Sprache in Videos ist derzeit noch nicht vorgesehen. Auch Metadaten wie Urheber, Datum oder Kameraeinstellungen werden im Medialab noch nicht genutzt, bleiben aber in den bestehenden Systemen erhalten.

KI-Suche mit Fokus auf Sicherheit und Qualität

Die Weiterentwicklung des Medialab erfolgt in drei Phasen: Connect, Adapt und Generate. In einem ersten Schritt werden bestehende Plattformen angebunden und vorhandene Grundmetadaten übernommen. Ab 2026 beginnt die Adaptionsphase, in der die KI gezielt auf armeespezifische Fachbegriffe trainiert wird – eine anspruchsvolle Aufgabe, da Begriffe aus Reglementen höchste Genauigkeit erfordern. In einer späteren Phase soll es möglich werden, auf Basis des vorhandenen Bildmaterials neuen Content zu generieren.

Besonderes Augenmerk liegt auf Sicherheit und Datenschutz. Sämtliche Datenverarbeitung erfolgt vollständig in-house auf Bundesservern unter Kontrolle der DMA. Es findet kein Datenaustausch mit externen Anbietern statt.

Mit Medialab entsteht ein konkreter Mehrwert für die tägliche Arbeit: Bilder und Videos lassen sich deutlich schneller finden, vorhandenes Material wird besser genutzt und Doppelproduktionen können reduziert werden. Gleichzeitig bleibt die vollständige Kontrolle über Daten und Infrastruktur bei den DMA. Mit Investitionen von rund 250 000 Franken konnte so in kurzer Zeit eine effiziente, sichere und nachhaltige Lösung geschaffen werden.

 

Quelle: Kommunikation Verteidigung, Melanie O’Connor
Bildquelle: VBS/DDPS

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