Schweizer Armee: HR-Experte warnt – Militärdienst darf nicht zur Belastung werden
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Militärdienst ist in der Schweiz Pflicht und Ausdruck des Milizgedankens.
Doch immer wieder zeigt sich, dass genau diese Pflicht für Einzelne zur beruflichen, finanziellen oder rechtlichen Belastung werden kann. Der HR-Experte Manuel Carpintero erklärt, wo es hakt – und warum Verantwortung nicht mit dem letzten Diensttag enden darf.
Wer Militärdienst leistet, geht davon aus, dass die Abläufe funktionieren: Erwerbsersatz wird ausbezahlt, Arbeitsverhältnisse bleiben geschützt, Zuständigkeiten sind klar. In der Praxis können verzögerte EO-Zahlungen, Unsicherheiten bei Arbeitsverträgen oder fehlende Koordination zwischen Armee, Arbeitgebern und Behörden rasch existenzielle Folgen haben. Vor allem, wenn mehrere Systeme gleichzeitig greifen oder sich blockieren.
Komplexe administrative Prozesse und zeitliche Verzögerungen sind problematisch
Manuel Carpintero kennt diese Bruchstellen aus zwei Perspektiven. Er arbeitet seit über 20 Jahren im HR-Bereich und leistet seinen Militärdienst beim Sozialdienst der Armee. Dort begleitet er Menschen, die während oder nach dem Dienst in Schwierigkeiten geraten sind. Sein Befund ist nüchtern: Die meisten Probleme entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus Unklarheit – mit spürbaren Folgen für die Betroffenen.
Besonders heikel seien zeitliche Verzögerungen. Während Abklärungen laufen, müssen Rechnungen bezahlt und Verpflichtungen eingehalten werden. Für Betroffene bedeutet das Druck, Unsicherheit und ein Gefühl des Alleingelassenseins. „Viele belastet das psychisch extrem“, so Carpintero. Gerade junge Dienstleistende seien verletzlich, weil ihnen Erfahrung und Netzwerke fehlen, um sich durch komplexe administrative Prozesse zu bewegen.
Militärdienst darf keine Karrierebremse sein
Aus arbeitsrechtlicher Sicht sei die Lage eigentlich klar. Militärdienst dürfe kein Karrierehemmnis sein und schon gar kein Kündigungsgrund durch die Hintertür. Gleichzeitig brauche es transparente Kommunikation und realistische Erwartungen auf allen Seiten. Carpintero spricht aus Erfahrung: „Ich arbeite seit 20 Jahren im HR – und sehe immer wieder, wie kleine formale Unklarheiten zu grossen menschlichen Problemen werden.“
Institutionen müssen klare Abläufe und Zuständigkeiten bieten
Zentral ist für ihn das Thema Verantwortung. Wer Dienst leistet, übernimmt Verantwortung für die Gesellschaft – im Gegenzug müssen Institutionen für saubere Abläufe, klare Zuständigkeiten und erreichbare Ansprechpartner sorgen. „Man kann nicht erwarten, dass jeder Betroffene juristisch oder administrativ sattelfest ist“, betont Carpintero.
Diese Probleme sind nicht neu; ähnliche Fälle gebe es seit Jahrzehnten. Prozesse sind zwar digitaler geworden, die Schnittstellen aber oft nicht klarer. Effizienz müsse daher unbedingt von Verlässlichkeit begleitet werden, betont der HR-Experte.
Letztlich geht es um Vertrauen: Wie ernst meint es ein Staat mit jenen, die ihre Pflicht erfüllen? Militärdienst braucht nicht nur Anerkennung, sondern auch Verlässlichkeit – rechtlich, organisatorisch und menschlich. Alles andere gefährdet das Fundament des Milizsystems.
Quelle: Kommunikation Verteidigung, Oberst i Gst Mathias Müller
Bildquelle: © VBS/DDPS