Kantonspolizei St.Gallen SG: Polycom sorgt in Krisen für sichere Einsatzkommunikation

Die Kantonspolizei St.Gallen spielt eine wichtige Rolle im Betrieb des schweizweiten Sicherheitsfunknetzes Polycom.

Als Betreiberin des Teilnetzes SG/AR/AI gewährleistet sie eine zuverlässige und sichere Kommunikation für Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS) in der Region.

Polycom bildet das Rückgrat der Einsatzkommunikation und ermöglicht eine reibungslose Zusammenarbeit der Blaulichtorganisationen im Einsatzfall.

Was ist Polycom?

Polycom ist das digitale, landesweite Funknetz der Schweiz, das speziell für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BORS) aufgebaut wurde. Seit dem Jahr 2000 wurde das Netz schrittweise ausgerollt und auf Ende 2025 ein erstes Mal vollständig erneuert. Die BORS umfasst Polizei, Feuerwehr, Sanität, Zivilschutz, Führungsorgane, Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, Strassenunterhalt, verschiedene Bereiche der Armee und Bundesämter sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Die früheren Systeme der einzelnen Organisationen waren untereinander wenig kompatibel, weshalb eine Vereinheitlichung angestrebt wurde. Aus diesem Grund wurde das Projekt Polycom unter der Federführung des Schweizer Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) ins Leben gerufen. Die Kosten für den gesamten Aufbau in der Schweiz beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Franken und verteilten sich auf den Bund, die Kantone sowie die BORS-Organisationen. Für den Kanton St.Gallen bedeutete das Projekt damals Investitionen von rund 78 Millionen Franken. Dank des einheitlichen Netzes können heute in der ganzen Schweiz rund 55’000 Einsatzkräfte täglich zuverlässig miteinander kommunizieren – selbst dann, wenn die herkömmlichen Mobilfunknetze überlastet sind oder ein vollständiger Stromausfall eintritt.


Polycom-Antenne

Wie funktioniert Polycom?

Im Korps der Kantonspolizei St.Gallen erfolgte die Einführung des neuen Polycom-Teilnetzes SG/AR/AI am 11. Juni 2012. Die Netzstruktur von Polycom basiert auf einem digitalen Funkstandard, der speziell für die Bedürfnisse von Polizei- und Rettungsdiensten entwickelt wurde. Dieser Technologiestandard nennt sich Tetrapol („Terrestrial Trunked Radio Police“) und ist flächendeckend aufgebaut. Diese Netzstruktur basiert auf einer Kombination von Steuerzentren und Relaisstationen, die umgangssprachlich auch Funkstationen genannt werden. Steuerzentren fungieren als Vermittlungsknoten und übernehmen Aufgaben wie den Gesprächsaufbau, die Verschlüsselung oder die Priorisierung von Rufverbindungen. Die Funkstationen hingegen decken jeweils ein bestimmtes geografisches Gebiet ab und ermöglichen eine automatische Verbindung zu den Endgeräten, also beispielsweise Hand- oder Fahrzeugfunkgeräte. Sie empfangen die Funksignale dieser Geräte und leiten sie ins Netz weiter. Um eine optimale Abdeckung zu gewährleisten, werden die Funkstationen bevorzugt an exponierten Standorten installiert; beispielsweise auf Berggipfeln, Höhenzügen oder Hochhäusern mit Antennenmastanlagen.

Polycom ist so konzipiert, dass das Funknetz auch unter aussergewöhnlichen Bedingungen wie Strom- oder Systemausfällen betriebsfähig bleibt. Einsatzkräfte können sich daher darauf verlassen, dass ihre Funkgeräte selbst in Krisensituationen – etwa bei Naturkatastrophen oder Cyberangriffen – zuverlässig funktionieren. Auch Grossanlässe können herkömmliche Mobilfunknetze an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Beim Polycom-Netz ist eine solche Überlastung aufgrund seiner robusten Architektur nahezu ausgeschlossen. Das System basiert auf einer Kombination verschiedener Technologien, darunter Richtfunk, Glasfaserleitungen, IP-basierte Netzwerkkomponenten sowie Funkstationen.

Die Kantonspolizei St.Gallen betreibt und unterhält eine umfassende Infrastruktur, die das reibungslose Funktionieren des Netzes sicherstellt. Diese gliedert sich in drei Ebenen:

  • Vermittlungsebene: Hier werden Sprach- und Datenverbindungen zwischen den einzelnen Teilnehmenden hergestellt und verwaltet.
  • Funkebene: Diese ermöglicht die drahtlose Kommunikation der Endgeräte und besteht aus Funkstationen und Richtfunkanlagen.
  • Managementebene: Auf dieser Ebene wird das gesamte Netzwerk überwacht, gesteuert und bei Bedarf konfiguriert.

Dank dieser klar strukturierten Netzarchitektur bleibt die Kommunikationsfähigkeit der Einsatzkräfte jederzeit gewährleistet – auch dann, wenn andere Systeme ausfallen.


Das Innenleben des Polycom-Netzwerks

WEP2030 sichert die Zukunft

Bei der Kantonspolizei St.Gallen ist die Abteilung Technische Dienste mit dem Kompetenzcenter Polycom für den störungsfreien Betrieb der Funkkommunikation für alle Organisationen im gesamten Kantonsgebiet sowie in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden verantwortlich. Das Kompetenzcenter stellt mit einem modernen Servicecenter den Unterhalt des Funknetzes Polycom sicher und betreut zudem sämtliche mobilen und stationären Funkgeräte sowie die zugehörigen Systeme.

Ein zentrales Vorhaben in diesem Bereich ist das Projekt „Werterhalt Polycom 2030“ (WEP2030). Dieses Projekt verfolgt das Ziel, die bestehende Infrastruktur zu modernisieren, an neue technologische Anforderungen anzupassen und die Systemlebensdauer bis mindestens ins Jahr 2035 zu sichern.

In einem nächsten Schritt soll zukünftig das mobile breitbandige Sicherheitskommunikationssystem die Funktionalitäten von Polycom erweitern und zu einem späteren Zeitpunkt gänzlich ablösen. Diesbezügliche Planung und Vorbereitung bilden einen wesentlichen Bestandteil der strategischen Aufgaben der Kantonspolizei St.Gallen. Mit diesem Schritt wird die Grundlage geschaffen, um die Einsatzkommunikation der Sicherheits- und Rettungsorganisationen langfristig auf einem modernen, leistungsfähigen und zukunftssicheren Niveau zu gewährleisten.

Neue Funkgeräte für die Mitarbeitenden

Wie bereits erwähnt gilt es im Projekt „WEP 2030“ unter anderem, das Funknetz in all seinen Komponenten zu erneuern. Im Zuge dessen wurden in einem ersten Schritt die Netzwerkinfrastruktur und die Funkstationen im laufenden Betrieb erneuert. Dies wurde aufgrund des bevorstehenden Technologiewechsels in der Signalübertragung unumgänglich, mit dem auch die Funkanbindung und deren Kommunikationssystem in den Einsatzzentralen der Kantone SG/AR/AI erneuert werden mussten.

Ebenso galt es, die bereits zehn Jahre alten TPH700 Polycom Handfunkgeräte gegen neue Geräte des Nachfolgemodells TPH900 bei allen Polizistinnen und Polizisten auszutauschen. Der Wechsel auf die neuen Polycom-Handfunkgeräte TPH900 wurde erforderlich, da die bisherigen Modelle nicht mehr produziert und repariert wurden. Insgesamt wurden rund 800 neue Handfunkgeräte an die Mitarbeitenden der Kantonspolizei St.Gallen ausgeliefert.

Äusserlich unterscheiden sich die neuen Funkgeräte nur geringfügig von ihren Vorgängermodellen. Bei der Entwicklung lag der Fokus weniger auf dem Design als auf Robustheit, Funktionalität und Bedienungssicherheit. Ein stabiles Gehäuse, grosse Tasten und eine intuitive Handhabung sind im Einsatz entscheidend, um eine zuverlässige Sprachübermittlung auch unter schwierigen Bedingungen zu gewährleisten. Funkgeräte müssen Stürze, Hitze und Nässe problemlos überstehen. Ihre Stärke liegt daher in der Zuverlässigkeit im Ernstfall und nicht im äusseren Erscheinungsbild.

Im Zuge der Umstellung wurde zudem das Funk-Nummerierungs-Konzept überarbeitet, da das bisherige System einen erheblichen administrativen und zeitlichen Aufwand verursachte. Mit dem neuen Konzept erhalten die Mitarbeitenden eine persönliche Funknummer, die auch bei internen Stellenwechseln bestehen bleibt.

Vorteile von WEP2030

Die Modernisierung im Rahmen von WEP2030 bietet den BORS diverse Vorteile. Nebst der Verlängerung der Lebensdauer des Systems und der verbesserten Leistungsfähigkeit spricht die erhöhte Sicherheit für sich. Zudem wurde der Betrieb im Notfall sichergestellt sowie die Funkfreiraumversorgung verbessert.

Fazit

Mit WEP2030 stellt die Kantonspolizei St.Gallen sicher, dass das schweizweite Sicherheitsfunknetz Polycom auch in Zukunft für unsere Region zuverlässig funktioniert. Moderne Technologie, stabile und resiliente Infrastruktur und ein engagiertes Fachteam sorgen dafür, dass Polizei, Feuerwehr, Sanität und andere Partnerorganisationen selbst dann jederzeit sicher kommunizieren können, wenn alles andere versagt. Aus diesem Grund bleibt Polycom das verlässliche Rückgrat der Einsatzkommunikation – heute, morgen und über das Jahr 2030 hinaus.

 

Quelle: Kantonspolizei St.Gallen
Bildquelle: Kantonspolizei St.Gallen

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