Open Doors: Olympia-Werte im Fokus – 14 Länder missachten Religionsfreiheit

Alle vier Jahre ist es wieder soweit. Die besten Athleten versammeln sich aktuell in Milano/Cortina (Norditalien), um sich ihren ganz grossen Traum zu erfüllen: Olympisches Edelmetall.

Diese Auszeichnungen sind das Grösste für diese Athleten. Aber was ist mit den olympischen Werten?

Hinter den Spielen steckt auch der olympische Gedanke. Vierzehn Länder, die unter diesem olympischen Gedanken teilnehmen, respektieren die Religionsfreiheit nicht und verletzen damit die Menschenrechte.

Der „Olympismus“ und seine Werte

Die modernen Olympischen Spiele, wie wir sie heute kennen, gingen auf Pierre de Coubertin zurück. Der französische Pädagoge und Historiker wollte die Welt zu einem besseren Ort machen mithilfe des Sports. Er glaubte, dass Sport einen gesunden und fairen Wettkampf fördert, ganz ohne Diskriminierung und Betrug.

Daraus entstand der „Olympismus“ und auch der olympische Gedanke, der ein Teil davon ist. De Coubertin beschrieb ihn 1890 wie folgt:

„Eine Lebensphilosophie, die die Eigenschaften von Körper, Willen und Geist in einem ausgewogenen Ganzen vereint und hervorhebt. Durch die Verbindung von Sport mit Kultur und Bildung strebt der olympische Gedanke danach, eine Lebensweise zu schaffen, die auf der Freude an der Anstrengung, dem erzieherischen Wert des guten Beispiels, der sozialen Verantwortung und der Achtung universeller ethischer Grundprinzipien basiert.“

Heute stehen drei Werte symbolisch dafür:

Exzellenz, Respekt und Freundschaft.

Dieser Grundgedanke und diese Werte haben Olympia zu dem gemacht, was es heute ist. Ein Ereignis mit grosser Bedeutung und weltweiter Tragweite.

Olympia-Teilnehmer und ihre problematischen Hintergründe

Insgesamt nehmen Athleten aus 92 verschiedenen Ländern an den diesjährigen Winterspielen teil. Die allermeisten davon sind auch Nationen, die die Religionsfreiheit und die Menschenrechte akzeptieren und sich nach ihnen ausrichten. Die Ausnahme bilden 14 Teilnehmer. Sie alle verpflichten sich mit ihrer Teilnahme, die olympischen Werte zu respektieren, während in ihren Ländern gleichzeitig Christen und auch andere religiöse Minderheiten verfolgt werden.

Zum Beispiel China, das mit einem riesigen Aufgebot von 125 Athleten nach Italien gereist ist. China ist im Weltverfolgungsindex von Open Doors auf Platz 17 gelistet. Das Christentum in China gilt als Gefahr und wird hochgradig von der Regierung kontrolliert und überwacht. Die digitale Kontrolle hat sich in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet. Im letzten Jahr wurde begonnen, eine zentralisierte virtuelle ID einzuführen, die den Zugang zu Websites und sozialen Medien noch zusätzlich verschärft. Viele Kirchen in China treffen sich im Untergrund als Hauskirchen.

Ein weiteres Beispiel ist Indien. Das bevölkerungsreichste Land der Welt stellt eine kleine Delegation von 2 Sportlern. Indien ist im Index auf Platz 12. Systematische Diskriminierung und Gewalt, speziell gegen Konvertite, ist dort zur Normalität geworden. Eine wichtige Waffe, um diesen Minderheiten zu schaden, sind die Anti-Konversionsgesetze, die aktuell in 12 indischen Bundesstaaten in Kraft sind. Ausserdem führt Indien zum fünften Mal in Folge die Rangliste der Länder an, in denen 2025 die meisten Christen inhaftiert waren, mit 2192 inhaftierten Christen im Jahr 2025.

Eritrea: Einer der gefährlichsten Orte für Christen

Eritrea ist ebenfalls dabei an Olympia. Mit einer Athletin, die sich beim Ski Alpin versuchen wird. Es ist aber gleichzeitig auch einer der schwierigsten Orte, um als Christ zu leben (Rang 5 im WVI). Eritrea wird seit seiner Unabhängigkeit sehr autoritär regiert von Präsident Isaias Asferki in einer präsidialen Republik. Ausserdem gibt es keine Pressefreiheit. Personenkult und ein unbefristeter Wehrdienst sind weitere schwierige Umstände.

Die Regierung anerkennt nur vier verschiedene religiöse Gruppierungen. Neuere Denominationen wie die Pfingstkirche, die Baptisten und die Adventisten werden wie Kriminelle behandelt: Sie sind Polizeirazzien und unbefristeten Haftstrafen ohne Gerichtsverfahren und medizinische Versorgung ausgesetzt, manchmal in Containern. Verfolgt werden sie nicht nur von der Regierung, sondern auch je nach Region von den Islamisten oder sogar aus den „eigenen“ Reihen, von der orthodoxen Kirche im Land.

Viele Christen leben in ständiger Haft

In Eritrea werden Christen ständig überwacht, von ihren Familien verstossen und streng bestraft, wenn sie ihren Glauben ausserhalb der staatlich anerkannten Kirchen ausüben. Tausende von Christen sind derzeit im Gefängnis. Sieben christliche Führer sind seit über zwanzig Jahren ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert. Ihr einziges Vergehen: Sie leben ihren Glauben ausserhalb der vom Staat zugelassenen Kirchen.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist Hiwot*. Sie verbrachte fast zehn Jahre im Gefängnis. Während eines Gebetstreffens wurde sie bei einer Polizeirazzia festgenommen. Im Gefängnis bildete sich eine Glaubensgemeinschaft unter Christen.

Schlussendlich wurde sie überraschend wieder freigelassen. Ihr Schicksal ist jedoch symptomatisch für dieses Land und auch für viele Christen weltweit, die ihren Glauben nicht ausüben können und Reaktionen und Umständen gegenüberstehen, die fern sind jenes so schönen und edlen olympischen Gedankens, den Pierre de Coubertin vor 120 Jahren einführte und noch heute gilt.

*Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert

 

Quelle: Open Doors
Bildquelle: Open Doors

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