Naturschutz rund um den Seelisbergtunnel
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Der Seelisbergtunnel verläuft durch eine ökologisch wertvolle Alpenlandschaft. Wo Verkehrsinfrastruktur und Natur aufeinandertreffen, entstehen oft Konflikte: Lebensräume werden getrennt, Lärm stört sensible Arten, und Wildtiere können in Gefahr geraten. Moderne Tunnel wie der Seelisbergtunnel zeigen, dass Mobilität und Naturschutz kein Widerspruch sein müssen. Dank durchdachter Planung, ökologischer Schutzmassnahmen und kontinuierlicher Überwachung bleibt die Natur am Seelisberg so unberührt wie möglich, während die Verkehrsströme sicher und effizient durch den Berg geführt werden.
Mehr zum Naturschutz rund um die wichtige Nord-Süd-Achse erfahren Sie im folgenden Artikel.
Warum Verkehrsinfrastruktur eine Herausforderung für Wildtiere darstellt
Strassen und Tunnelportale wirken auf Tiere wie Barrieren, die ihr natürliches Verhalten beeinträchtigen können. Viele Wildtiere folgen festen Routen, etwa auf der Suche nach Nahrung, Ruheplätzen oder neuen Revieren. Werden diese Wege durch Verkehrsinfrastruktur unterbrochen, können Stresssituationen, Verirrungen oder gefährliche Begegnungen mit Fahrzeugen entstehen.
In der Region rund um den Seelisberg verlaufen mehrere natürliche Wildwechsel, die verschiedene Wald- und Hangbereiche verbinden. Diese Landschaftszüge sind wichtig für die lokale Tierwelt, weshalb es entscheidend ist, ihre Funktionsfähigkeit trotz der bedeutenden Verkehrsachse zu erhalten. Der Tunnel verläuft zwar unterirdisch, doch besonders im Bereich der Portale kommt es darauf an, die Übergänge in die Landschaft so zu gestalten, dass Tiere nicht in Richtung Fahrbahn gelenkt werden.
Ökologische Besonderheiten am Seelisberg
Die steilen Hanglagen, dichten Wälder und felsigen Abschnitte rund um den Seelisberg bilden einen vielfältigen Lebensraum für zahlreiche einheimische Tierarten. Besonders häufig sind hier Rehe, Gämsen, Füchse, Dachse sowie verschiedene Marderarten anzutreffen, die die Waldgebiete als Rückzugs- und Wanderzonen nutzen. Auch Kleinsäuger wie Eichhörnchen oder Schläfer sowie typische Greifvögel wie Bussarde und Rotmilane sind charakteristisch für die Region.
Wie der Tunnel für Wildtiere „unsichtbar“ wird
Ein zentraler Vorteil von Tunneln gegenüber oberirdischen Strassen ist, dass Lärm, Licht und Gefahren auf eine unterirdische Ebene verlagert werden. Am Seelisberg zeigt sich dies besonders deutlich: Wo früher Strassenabschnitte die Landschaft zerschnitten hätten, ist heute eine zusammenhängende Naturzone geblieben.
Verkehr unter der Erde – ein Gewinn für Flora und Fauna
Die Tunnelbauweise schützt Tierpopulationen, indem sie die Strassenfläche minimiert. Geräusche und Abgase gelangen nur am Portalbereich an die Oberfläche, und selbst dort sind sie durch technische und landschaftliche Massnahmen deutlich reduziert.
Naturnahe Gestaltung der Tunnelportale
Die Portale des Seelisbergtunnels wurden so in die Landschaft eingebettet, dass sie nicht wie Fremdkörper wirken. Begrünte Böschungen, natürliche Verläufe und Sichtschutzmassnahmen sorgen dafür, dass Tiere nicht unbeabsichtigt in die Nähe der Fahrbahn geraten. Die Gestaltung orientiert sich an den natürlichen Hangformen, damit Wildtiere die Umgebung weiterhin als vertrautes Terrain wahrnehmen.
Wildtierleitsysteme: Unsichtbare Helfer
An sensiblen Stellen führen Zäune, Hecken oder natürliche Barrieren Tiere gezielt weg vom Portalbereich und hin zu sicheren Routen. Diese Leitsysteme funktionieren erstaunlich effektiv, weil sie das natürliche Verhalten der Tiere nutzen. Ein Zaun allein würde wenig bewirken, die Kombination mit Büschen, Steinhaufen oder Geländeformen dagegen lenkt Wildtiere intuitiv in ungefährlichere Bereiche.
Lärmschutz und akustische Entlastung
Zusätzliche Wände und topografische Abschirmungen senken Lärmspitzen, die besonders für Rehe und Füchse störend sind. Durch die Positionierung der Portale in Hangmulden und die Nutzung natürlicher Geländekanten bleibt der akustische Einfluss des Verkehrs überschaubar.
Wildtierkorridore und ökologische Passagen
Auch wenn der Tunnel selbst keine oberirdische Barriere bildet, sind die Übergangsbereiche entscheidend. Rund um den Seelisberg existieren natürliche Wildtierkorridore, die Tiere sicher durch die Landschaft führen. In der weiteren Region wurden zudem Wildtierpassagen und teilweise Grünbrücken geschaffen, die langfristig eine Vernetzung der Lebensräume sichern. Solche Korridore verhindern genetische Isolation, ermöglichen saisonale Wanderungen und stabilisieren den Bestand heimischer Arten.
Selbst wenn eine Grünbrücke nicht direkt über dem Tunnel liegt, ist die Kombination aus Tunnelbauweise und ökologisch gestalteten Übergängen ein entscheidender Faktor für die Biodiversität.
Monitoring und Forschung rund um den Tunnel
Die Wirksamkeit dieser Massnahmen wird regelmässig geprüft. Wildhüter, Förster sowie kantonale Fachstellen setzen unter anderem Kamerafallen ein, dokumentieren Spuren oder analysieren Bewegungsmuster. Diese Daten zeigen, wie Tiere die Landschaft nutzen und ob zusätzliche Massnahmen notwendig werden.
Dabei wird beobachtet, dass besonders Rehe und Füchse die Gebiete über dem Tunnel regelmässig queren – ein Zeichen dafür, dass der Tunnelbetrieb die natürlichen Bewegungsrouten nicht beeinträchtigt. Auch Veränderungen im saisonalen Verhalten, z. B. durch klimatische Einflüsse, werden erfasst, um Schutzkonzepte laufend anzupassen.
Zukünftige Herausforderungen
Mit steigendem Verkehr und den Auswirkungen des Klimawandels verändern sich auch die Lebensräume. Mildere Winter, längere Vegetationsperioden und häufigere Extremereignisse beeinflussen Wanderbewegungen und Reviere vieler Tierarten. Gleichzeitig stellen Sanierungen und Erneuerungen im Tunnelbetrieb Anforderungen an die Abstimmung mit ökologischen Schutzmassnahmen.
In Zukunft könnten erweiterte Monitoringmethoden, etwa Wärmebildsensoren oder automatisierte Bewegungsanalyse, den Schutz weiter verbessern. Auch neue Wildtierpassagen oder zusätzliche Naturbarrieren sind denkbar.
Durchdachte Planung am Seelisbergtunnel
Der Seelisbergtunnel zeigt, wie moderne Infrastruktur und Natur miteinander harmonieren können. Durchdachte Planung, naturnahe Gestaltung der Umgebung, wirksame Leitsysteme und kontinuierliches Monitoring sorgen dafür, dass Wildtiere trotz intensiver Verkehrsachse sichere Lebensräume behalten. Der Tunnel trägt zur Mobilität bei und ermöglicht, dass die einzigartige Flora und Fauna des Seelisbergs langfristig geschützt bleibt.
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