Sind die Schweizer tatsächlich reich?

02.12.2014 |  Von  |  Konsum
Sind die Schweizer tatsächlich reich?
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Statistisch gesehen, ist der Wohlstand pro Einwohner in der Schweiz weltweit am höchsten. Die Frage also, welchem Land es weltweit am besten ergeht, ist so, zumindest in finanzieller Hinsicht, für das Jahr 2014 beantwortet.

Dies ist das Resultat des Global Wealth Report, der die Finanzsituation der Einwohner von fünfzig Ländern untersucht hat. Interessant ist dabei, dass es vor allem die Schweizer Banken sind, die ein grosses Vermögen verwalten, dass jedoch zugleich weltweit nirgendwo sonst die Verschuldung im privaten Bereich auf ein ähnliches Niveau angestiegen ist. Liegt hier ein Widerspruch vor?

Treiber des Geldes: Aktienmarkt

Für den Vermögenszuwachs waren vor allem die Aktienmärkte verantwortlich. Um etwa 16,5 Prozent wuchs allein das in Wertpapieren angelegte Vermögen. Analysiert man die Entwicklung bezogen auf alle Länder weltweit, besitzen die Schweizer insgesamt 142 Billionen Franken. Tatsächlich dürften die Schweizer jedoch noch reicher sein, berücksichtigt man, dass der Befragung der Studie nur 50 Länder zugrunde liegen.

Auch im Bereich Barvermögen wurde fleissig gespart: Hier ist für das vergangene Jahr ein Zuwachs von 5,3 Prozent zu verzeichnen. Ausserordentlich ist dies nicht – zumindest, wenn man die Zuwachsraten längerfristig analysiert. Das durchschnittliche Wachstum der Schweiz beträgt seit dem Jahr 2007 10,6 Prozent. Der Durchschnittswert im übrigen Europa liegt jedoch bei etwa 15,1 Prozent. Vom Jahr 2000 an gerechnet, ergibt sich sogar nur ein Zuwachs von 2,3 Prozent p. a.

Beim Sparen von Bargeld sind die Schweizer also doch nicht Weltspitze. Dennoch: Laut Statistik ist die Schweiz auch nicht auf den letzten Plätzen zu finden. Hier findet man, verursacht durch die Eurokrise, Italien und Griechenland, die jedoch gerade deshalb auch kaum als seriöser Sparringspartner herangezogen werden können. Verantwortlich für diese Situation sind natürlich die niedrigen Zinsen; sie sollen laut Studie der Grund dafür sein, dass die Schweiz mit ihren zahlreichen Banken nicht noch reicher werden kann. Aber: Sparsam muss sich ein Durchschnittsschweizer dennoch nicht verhalten, besitzt er doch – ohne Schulden – ein Bruttovermögen von 246.000 Franken. Und das ist dann doch Weltrekord.

Viel Geld generiert viele Verbindlichkeiten

Dies könnte die Folgerung aus dem folgenden statistischen Ergebnis sein; denn: 90.000 Schweizer Franken sind es, für die jeder Einwohner in der Schweiz aufkommen muss. Allerdings ist das Wachstum der Schulden aktuell auf einen Wert von 1,5 Prozent gesunken. Die Schweizer haben sich also – wie auch immer sie es gemacht haben – richtig verhalten.


Die Schweizer Banken verwalten ein grosses Vermögen. (Bild: © Natali Glado - shutterstock.com)

Die Schweizer Banken verwalten ein grosses Vermögen. (Bild: © Natali Glado – shutterstock.com)


Betrachtet man die gewonnenen Zahlen in Relation zu anderen Grössen, zeigt sich die Last der Schulden als schon gar nicht mehr so immens. Ist die Referenzgrösse für die Verschuldung das Geldvermögen insgesamt, entsprechen die dann resultierenden 34 Prozent Verbindlichkeiten dem europäischen Durchschnitt. Durch eine „internationale Brille“ gesehen, kann also die Aussage, die Schweiz sei ein grosser „Schuldenmacher“ nicht bestätigt werden.

Im weltweiten Vergleich ergeht es uns Schweizern sogar besser als den USA, die hinter uns auf dem zweiten Platz liegen; mit 176.000 Schweizer Franken pro Person liegen wir an der Spitze. Im Ranking finden sich dann Japan, Schweden und Grossbritannien als Platzanwärter aus Europa und Asien für die weiteren Spitzenplätze. Zugleich wurde in den Medien neben diesen Ergebnissen noch etwas anderes heftig debattiert, das die Studie zutage gebracht hat: nämlich die Ungleichverteilung von Vermögen. Zu diesem Thema finden sich sogar sich widersprechende Aussagen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht zu verleugnen

Die Vermögensverteilung, weltweit betrachtet, sieht insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern recht ausgewogen aus. Südamerika kann hier als Beispiel dienen. In den letzten zehn Jahren sind dort nicht ausschliesslich die, die wenig Geld besitzen, noch ärmer geworden und die, die viel Geld besitzen, noch reicher. Anders hingegen ist das Bild in den reichen Industriestaaten, zu denen auch die Schweiz zählt. Der Anteil an Vermögen, der von den reichsten zehn Prozent der Länder verwaltet wird, ist gestiegen, das Angesparte des weniger vermögenden Teils der Bevölkerung hat sich entsprechend verringert. Dies wird am Beispiel der USA am ersichtlichsten. Aber auch die Schweizer müssen eine solche Schere zwischen Reich und Arm im Blick haben. Insbesondere die niedrigen Zinsen stellen einen direkten Angriff vor allem auf die mittelgrossen Vermögen dar.

Vielleicht doch?



Was der Global Wealth Report auch zeigt, ist, dass im Vergleich zum Jahr 2000 heute 500 Millionen Menschen mehr zur sogenannten Mittelklasse gezählt werden können. Das erstaunt angesichts des ungeheuren Bevölkerungswachstums weltweit, das eigentlich das Gegenteil mit sich bringen müsste. Die Allianz Gruppe, die die dargestellte Studie verantwortet (hier vertreten durch Michael Heise), betrachtet dies als Beleg für einen weltweit wachsenden Wohlstand, an dem irgendwann auch die Armen dieser Welt partizipieren werden.

 

Oberstes Bild: © Thomas Oswald – shutterstock.com


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