Tierschutzwidriger Trend: Show-Kühe mit Rieseneutern

Reichten früher noch Striegel und Bürste, nehmen mit der Amerikanisierung der Schweizer Viehzucht an Viehausstellungen hierzulande das Kuhstyling und die Präsentation von Hochleistungskühen mit Rieseneutern zu.

Dabei wird mit tierschutzrelevanten und teilweise verbotenen Massnahmen nachgeholfen, wie eine Recherche des Schweizer Tierschutz STS zeigt.

Im Kampf um die Lorbeeren an den grossen Viehschauen belegen Kühe mit extrem gefüllten Eutern regelmässig Spitzenplätze. Das Nachsehen haben Viehzüchter, denen das Tierwohl wichtiger ist als ein pralles Euter ihrer Kühe.

Die vom Schweizer Tierschutz STS in den vergangenen Monaten besuchten Viehausstellungen – Swiss Expo Lausanne, Tier & Technik St. Gallen und Expo Bulle – hinterliessen bezüglich Organisation, Durchführung, Sauberkeit und Versorgung der Tiere einen guten Eindruck.

Dennoch überwiegt ein negatives Gesamtbild. Grund dafür sind die häufig gesehenen, offensichtlich schmerzhaften Rieseneuter, welche nur mehr einen staksigen Gang der Tiere zulassen. Das ist ein klares Indiz für deutlich verlängerte Zwischenmelkzeiten bei vielen der präsentierten Kühe, was in der Tierschutzverordnung explizit verboten ist. Bei einem Grossteil der Kühe fanden sich denn auch verklebte Zitzen, um Milchfluss infolge der überdehnten Euter zu unterbinden.

Zudem werden die Tiere für ihren Auftritt auf dem Kuh-Catwalk exzessiv gestylt. Bis auf die Topline entlang dem Rücken werden sie kahlgeschoren und auch am Euter komplett rasiert. Selbst die Tasthaare am Kopf werden abgeschnitten. Während der Stylingprozedur sind die Tiere stundenlang in Zwangsvorrichtungen, mit Halftern angebunden, fixiert.

Show-Tiere werden exzessiv herausgeputzt

Der STS kritisiert seit Langem das übertriebene Zurechtmachen von Tieren an Ausstellungen. In der Konsequenz sind an Hundeausstellungen das Verwenden von Galgen zur Fixation der Tiere für das Styling sowie sämtliche Hilfsmittel, die über das Bürsten und Kämmen hinausgehen, untersagt.

Dass man heute an „Show-Kühen“ das Herausputzen exzessiver und uneingeschränkter betreibt, als es Hunde an Ausstellungen über sich ergehen lassen müssen, ist mehr als fragwürdig und aus Sicht des Tierschutzes abzulehnen. Diese Vermenschlichung der Ausstellungskühe an den glamourös inszenierten Viehschauen steht im scharfen Kontrast zur realen Lebenswelt der Tiere in den Ställen und zu ihrer extremen Nutzung.

Tierschutzwidrige Praktiken verbieten

Insbesondere vor dem Hintergrund der grosszügigen Bezuschussung des Bundes zuhanden der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter (ASR) von gesamt 700’000 Franken jährlich, wovon alleine 170’000 Franken an die Expo Bulle ausgeschüttet werden, fordert der Schweizer Tierschutz STS, dass die eingesetzten Gelder zur Förderung der Tierzucht nicht in tierschutzwidrige Praktiken investiert werden, sondern auch dem Tierwohl an den Ausstellungen zu Gute kommen. Von Behörden und Ausstellern erwartet der STS konsequente Tierschutz-Kontrollen, ein Verbot tierschutzwidriger Praktiken und den Ausschluss fehlbarer Züchter.

Weitere Informationen zur STS-Recherche „Viehausstellungen 2016“: tierschutz.com/nutztiere/viehausstellungen

 

Artikel von: Schweizer Tierschutz STS
Artikelbild: © Schweizer Tierschutz STS

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