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Wie erkennt man eine Radonbelastung im Gebäude?

12.11.2019 |  Von  |  Gesellschaft, Gesundheit, Natur

Man kann es weder sehen, noch fühlen, riechen oder schmecken – Radon ist ein gasförmiges, zur Gruppe der Edelgase zählendes chemisches Element, dessen Isotope allesamt radioaktiv sind. Das bedeutet, dass seine Atome in andere chemische Elemente zerfallen und dabei radioaktive Strahlung abgeben. Die damit verbundenen erheblichen Gesundheitsrisiken durch eine Radonbelastung in Wohnräumen wurde lange Zeit unterschätzt.

Radon ist ein natürlich vorkommendes Element und entsteht im Gestein beim radioaktiven Zerfall der Elemente Uran und Thorium, welche je nach geologischen Bedingungen mal mehr und mal weniger im Erdboden vorkommen. Das radioaktive, chemisch fast nicht reaktive Edelgas gelangt durch Risse und Spalten im Boden ins Freie und auch in die Innenräume von Gebäuden. Dort reichert es sich in der Raumluft an und gelangt über die Atmung in die Lungen.

Warum ist Radon so gefährlich?

Die eigentliche gesundheitliche Gefahr bei einer Radonbelastung entsteht durch die radioaktiven Zerfallsprodukte des Gases, vor allem durch Polonium. Das Schwermetall kann sich in den Atemwegen und in der Lunge ablagern und dort DNA und Körperzellen schädigen, was auch zu einer Lungenkrebserkrankung führen kann. Nach dem Tabakrauchen gilt Radon als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. In der Schweiz wird das Gas für einige hundert Todesfälle pro Jahr verantwortlich gemacht, mit insgesamt mehr als 3600 durch Radon an Lungenkrebs erkrankten Personen.

Die Strahlenbelastung durch radioaktive Stoffe stellt allgemein ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Die Gefahr beruht dabei grösstenteils auf der ionisierenden Wirkung der radioaktiven Strahlung, welche mit Atomen und Molekülen wechselwirkt und dadurch auch Einfluss auf den menschlichen Organismus hat. Besonders gross ist so auch die Sorge vor austretender Strahlung im Falle eines Atomunfalls in einem Kernkraftwerk. Als Massnahme für den radioaktiven Ernstfall werden deswegen Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt, welche die Ablagerung von radioaktivem Iod in der Schilddrüse verhindern sollen.



Die Radonbelastung in der Schweiz

Die Schweiz zählt zu den Ländern mit einer besonders hohen Radonbelastung. Fast überall im Land muss bei nicht vorhandenem Radonschutz in Gebäuden mit Werten von mehr als 300 Bq/m³ gerechnet werden. Die Regionen mit den höchsten Messwerten befinden sich dabei in den Kantonen Uri, Tessin, in einigen Gebieten von Graubünden sowie im Neuenburger Jura. Dort beträgt die Radonbelastung in einzelnen Gebäuden sogar teilweise mehr als 1000 Bq/m³. Einen genauen Überblick hierzu gibt die Radonkarte der Schweiz. Die Radonbelastung ist in der Schweiz insgesamt gut untersucht, wobei die gesammelten Daten ständig durch Messungen von vom Bundesamt für Gesundheit anerkannten Laboratorien erweitert wird.

Als gesetzlicher Grenzwert galt bis Ende 2017 ein Maximum von 1000 Bq/m³, bei einem Zielwert von 400 Bq/m³ für Neubauten und Sanierungen im Rahmen der Strahlenschutzverordnung. Gemäss der Baunorm SIA 180 soll die Radonkonzentration möglichst deutlich unter 300 Bq/m³ liegen, erdberührende Wohnräume müssen radondicht sein und beim Neubau von Gebäuden müssen Massnahmen zur Radonprävention bei der Planung beachtet werden. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ gilt ab Januar 2018 auch in der Schweizer Strahlenschutzverordnung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt darüber hinaus eine Radonkonzentration von nicht mehr als 100 Bq/m³ in Wohnräumen.

Feststellen der Radonkonzentration

Radon dringt über Keller- und Untergeschossräume in das Gebäude ein, insbesondere über Risse und Spalten im Fundament und im Mauerwerk. Diese finden sich vor allem in alten Gebäuden, ebenso wie undichte Kabel- und Rohrdurchlässe oder undichte Fugen, und können bereits ein Hinweis für eine mögliche erhöhte Radonbelastung sein. Über die Treppenaufgänge sowie Kabel-, Kamin- und Versorgungsschächte gelangt das Radon auch in die Obergeschosse eines Hauses, wobei der Kamineffekt mit aufsteigender Warmluft eine Ausbreitung nach oben begünstigt.

Aufschluss über eine konkrete Radonbelastung bietet die Messung der Radonkonzentration mit einem Radondosimeter. Moderne Messgeräte sind kompakt und digital sowie einfach in der Handhabung und lassen sich leicht in einem Raum platzieren. Solche Geräte lassen sich mitunter auch ausleihen. Angegeben wird die Konzentration in der Einheit Becquerel pro Kubikmeter [Bq/m³], welcher eigentlich die konzentrationsabhängige Aktivität einer radioaktiven Substanz, das heisst die Zerfälle pro Sekunde angibt.

Eine weitere oft verwendete Messgrösse im Zusammenhang mit einer Belastung durch Radon ist die Einheit Millisievert [mSv]. Sie ist ein Mass für die sogenannte Effektive Dosis einer radioaktiven Strahlungsbelastung, mit der sich ein gesundheitliches Risiko bewerten und vergleichen lässt. Eine Messung der Radonkonzentration ist vor allem in älteren Gebäuden, welche in einem Gebiet mit erhöhter Radonbelastung liegen, unbedingt angebracht.


Risse und Spalten im Fundament lassen das Radon in das Gebäude eindringen. (Bild: Francesco Scatena – shutterstock.com)


Wirkungsvoller Schutz

Oft kann die Radonbelastung schon durch intensives Lüften der Kellerräume gesenkt werden. Wirkungsvoll ist auch ein Abdichten von Fugen, Rissen und Durchlässen in den erdberührenden Bereichen des Hauses, daneben sollten die Kellertüren dicht schliessen. Auch ist es mitunter ratsam den Keller nicht als permanenten Wohn- und Aufenthaltsraum zu nutzen.

Sind Fundamente und Kellerwände insgesamt undicht, ist eine Sanierung am sinnvollsten. Dabei kommen zur Abdichtung der erdberührenden Böden und Wände meist Beschichtungen und Folien zum Einsatz. Auch lüftungstechnische Massnahmen lassen sich zu Verringerung der Radonbelastung ergreifen. Bei Neubauten lässt sich der Schutz vor Radon von vorneherein durch eine wasserundurchlässige Betonkonstruktion oder eine Kunststoff-, beziehungsweise Bitumenbeschichtung realisieren.

 

Titelbild: Francesco Scatena – shutterstock.com

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