Simplonpass – Verbindung zwischen Wallis und Italien

Der Simplonpass zählt zu den bedeutendsten Alpenübergängen der Schweiz und verbindet das Rhonetal im Kanton Wallis mit dem italienischen Val d’Ossola. Seit Jahrhunderten spielt er eine zentrale Rolle im Handel, im militärischen Verkehr und im Tourismus. Heute führt eine gut ausgebaute Strasse über den Pass, die zu den schönsten Alpenrouten Europas gehört.

Im folgenden Beitrag erfahren Sie mehr über die Natur und Landschaft rund um den Simplon, seine kulturelle und historische Bedeutung, die vielfältigen Aktivitäten und Erlebnisse in der Region sowie wichtige Aspekte der Verkehrssicherheit und Prävention auf dieser traditionsreichen Passstrasse.

Natur & Landschaft

Der Pass liegt auf einer Höhe von rund 2‘005 Metern über Meer und bildet eine natürliche Verbindung zwischen dem schweizerischen Brig im Norden und dem italienischen Domodossola im Süden. Schon bei der Auffahrt öffnet sich ein Panorama, das von mächtigen Bergketten, tief eingeschnittenen Tälern und weitläufigen Hochalpenlandschaften geprägt ist. Besonders markant ist der Blick auf das Fletschhorn, den Weissmies und den Monte Leone, der mit über 3‘500 Metern der höchste Gipfel der Lepontinischen Alpen ist.

Die Vegetation am Simplonpass zeigt deutliche Höhenstufen, die von den klimatischen Gegensätzen zwischen Nord und Süd beeinflusst werden. Während in den tieferen Lagen bei Brig noch artenreiche Bergwiesen und lichte Lärchenwälder das Landschaftsbild bestimmen, geht die Vegetation mit zunehmender Höhe in alpine Matten und karge Geröllflächen über. In den Sommermonaten verwandeln sich die Hänge in ein Meer aus Alpenblumen, darunter Enzian, Alpenrosen und Wollgras. Besonders reizvoll sind die kleinen Feuchtgebiete und Bergbäche, die zahlreichen Amphibien, Libellen und Vögeln Lebensraum bieten.

Charakteristisch für das Simplongebiet ist die Kombination aus alpinem und mediterranem Klima. Der Einfluss warmer Luftströme aus dem Süden sorgt dafür, dass die Vegetationsperiode länger und die Schneedecke meist kürzer ist als auf vergleichbaren Pässen der Zentralalpen. Dadurch entsteht eine einzigartige Flora, in der sich typische Alpenpflanzen mit Arten der südlichen Alpenränder mischen. Die geologische Vielfalt trägt zusätzlich zum Reiz der Landschaft bei: Mächtige Granit- und Gneisformationen wechseln sich mit Kalk- und Schiefergestein ab, wodurch die Hänge ein abwechslungsreiches Farbspiel zeigen.

Zahlreiche Wasserläufe und kleine Seen prägen das Landschaftsbild rund um den Pass. Besonders bekannt ist der Rotelsee, ein klarer Bergsee, der von den umliegenden Gipfeln eingerahmt wird. In der Umgebung finden sich ausgedehnte Moorflächen, die unter Naturschutz stehen und seltene Pflanzen wie den Sonnentau beherbergen. Diese empfindlichen Ökosysteme spielen eine wichtige Rolle im Wasserrückhalt und tragen zur Stabilität des regionalen Klimas bei.



Auch die Tierwelt zeigt sich vielfältig. Steinböcke, Gämsen und Murmeltiere sind in den felsigen Regionen häufig zu beobachten, während in den Lüften Steinadler und Bartgeier ihre Kreise ziehen. Im Frühling und Herbst wird der Simplon zudem von Zugvögeln überquert, die auf dem Weg zwischen Nord- und Südeuropa Rast machen.

Kulturelle Bedeutung

Schon in der Römerzeit war der Pass ein wichtiger Übergang, auch wenn die damaligen Wege noch beschwerlich und kaum ausgebaut waren. Händler, Pilger und Heere nutzten den Simplon, um Waren und Botschaften über die Alpen zu bringen. Seine strategische Lage machte ihn zu einem Tor zwischen Nord und Süd, zwischen den Kulturen des Alpenraums und des Mittelmeerraums.

Besonders prägend war die Zeit Napoleons, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Bau einer modernen Passstrasse anordnete. Zwischen 1801 und 1805 liess er den Simplon ausbauen, um einen sicheren und ganzjährig befahrbaren Übergang für seine Truppen zu schaffen. Diese Strasse galt als technische Meisterleistung ihrer Zeit: Sie führte über Brücken, Galerien und Kehren, die den steilen Aufstieg erleichterten, und verband Brig mit Domodossola auf einer damals beispiellosen Qualität. Noch heute ist die „Napoleonstrasse“ an vielen Stellen erhalten und beeindruckt durch ihre kunstvolle Linienführung. Sie steht sinnbildlich für den Willen, Naturgewalten zu überwinden und die Alpen für Handel und Verkehr zu öffnen.

Ein markantes Wahrzeichen des Passes ist der Simplonadler, eine monumentale Skulptur aus Granit, die 1944 von der Schweizer Armee errichtet wurde. Der wachsame Steinadler erinnert an die Gebirgsbrigade 11, die hier während des Zweiten Weltkriegs stationiert war, um den strategisch wichtigen Alpenübergang zu schützen.



Auch religiöse Bauwerke prägen das kulturelle Bild der Region. Besonders erwähnenswert ist das Simplonhospiz, das auf 2‘000 Metern Höhe liegt und seit über 300 Jahren Reisenden Schutz und Unterkunft bietet. Es wurde 1801 auf Initiative des Ordens der Augustiner-Chorherren von Gross St. Bernhard gegründet und erfüllt bis heute seinen Zweck als Ort der Gastfreundschaft und Ruhe.

Der Simplonpass ist zudem eng mit der Entwicklung des Transports und der Kommunikation verbunden. Mit dem Bau des Simplontunnels zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Brig mit Iselle verbindet, begann eine neue Ära im europäischen Bahnverkehr. Der 1906 eröffnete Tunnel war damals der längste Eisenbahntunnel der Welt und stellte eine ingenieurtechnische Meisterleistung dar. Er machte den Simplon zu einer Hauptachse zwischen Nord- und Südeuropa und stärkte Brig als wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Bis heute verläuft durch den Tunnel die Bahnstrecke zwischen der Schweiz und Italien, die täglich von internationalen Zügen genutzt wird.

Neben seiner historischen und technischen Bedeutung ist der Simplonpass auch ein Ort kultureller Begegnungen geblieben. Zahlreiche Künstlerinnen, Schriftsteller und Reisende liessen sich von der majestätischen Landschaft inspirieren, darunter der britische Maler William Turner, der die dramatische Kulisse des Passes in mehreren Aquarellen festhielt.



Aktivitäten & Erlebnisse

Die Passlandschaft bietet zu jeder Jahreszeit vielfältige Möglichkeiten, die Bergwelt aktiv zu erleben. Schon die Fahrt über die Simplonstrasse ist ein Erlebnis für sich, denn die zahlreichen Kehren und Ausblicke eröffnen immer neue Perspektiven auf die umliegenden Gipfel. Wer lieber zu Fuss unterwegs ist, entdeckt abseits der Strasse eine Fülle gut markierter Wanderwege, die das Hochplateau und die angrenzenden Täler erschliessen.

Ein Klassiker unter den Wanderungen ist der Simplonpass-Rundweg, der in mehreren Stunden über saftige Bergwiesen, kleine Seen und zu Aussichtspunkten führt, von denen man den Monte Leone und die Walliser Alpen besonders gut sehen kann. Im Sommer sind auch Teilabschnitte des historischen Stockalperwegs begehbar, der ursprünglich als Handelsroute zwischen Brig und Gondo diente. Der Weg folgt den Spuren des legendären Walliser Unternehmers Kaspar Jodok von Stockalper und vermittelt ein Gefühl dafür, wie beschwerlich der Warentransport über die Alpen einst war. Informationstafeln entlang der Strecke erzählen von der Geschichte des Passes und machen den Weg zu einem lehrreichen Freilichtmuseum.

Für Velofahrende ist die Passstrasse selbst eine sportliche Herausforderung. Die Strecke von Brig hinauf zum Simplon zählt zu den schönsten Alpenpässen für ambitionierte Fahrer, die die 20 Kilometer lange Steigung mit rund 1‘300 Höhenmetern in Angriff nehmen möchten. Wer es gemütlicher mag, kann sich an geführten E-Bike-Touren beteiligen und so das Panorama ohne allzu grosse Anstrengung geniessen. Auch Motorradfahrende schätzen die weiten Kurven und die ausgezeichnete Strassenqualität, die zu den besten in den Alpen zählt.

Im Winter verwandelt sich die Region in ein Paradies für Schneesportliebende. Rund um Simplon-Dorf und Gondo laden präparierte Winterwanderwege und Schneeschuhrouten zu stillen Touren durch verschneite Wälder und über offene Hochflächen ein. Skitourengehende finden abwechslungsreiche Routen, etwa auf den Tochuhorn oder das Bistinepassgebiet, die mit sicheren Bedingungen und eindrucksvollen Ausblicken locken. Dank der sonnigen Lage herrschen oft ideale Verhältnisse bis weit ins Frühjahr hinein.



Auch für Naturliebende gibt es viel zu entdecken. Lehrpfade informieren über Flora, Fauna und Geologie der Alpenregion. Besonders interessant ist das Gebiet um den Rotelsee, wo mit etwas Glück Steinböcke und Murmeltiere zu beobachten sind. Wer sich für Geschichte interessiert, besucht das Hospiz auf dem Pass oder das kleine Museum in Simplon-Dorf, das über den Bau der Passstrasse, das Leben der Säumer und die napoleonische Zeit informiert.

Kulinarisch lohnt sich ein Halt in den Gasthäusern und Berghotels der Region, wo typische Walliser Spezialitäten wie Raclette, Trockenfleisch und Roggenbrot serviert werden. Im Sommer locken Alpfeste und Märkte, auf denen regionale Produkte verkauft werden, die meist noch nach traditionellen Methoden hergestellt sind.



Verkehrssicherheit & Prävention

Der Simplonpass ist eine der wichtigsten und zugleich am besten ausgebauten Alpenstrassen der Schweiz. Er spielt eine zentrale Rolle für den Transitverkehr zwischen der Schweiz und Italien, wird jedoch ebenso stark von Touristinnen, Berufspendelnden und Velofahrenden genutzt. Damit Sicherheit auf dieser anspruchsvollen Strecke jederzeit gewährleistet bleibt, sind sorgfältige Planung, regelmässige Wartung und verantwortungsbewusstes Verhalten entscheidend. Die Strasse führt über mehr als 40 Kilometer von Brig bis Domodossola und überwindet dabei erhebliche Höhenunterschiede. Besonders in den Wintermonaten, wenn Schnee, Eis und Nebel die Sicht beeinträchtigen, ist erhöhte Vorsicht geboten.

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) und die Kantonspolizei Wallis sind für die Überwachung und Instandhaltung des Passes zuständig. Der Simplon gehört zu den ganzjährig befahrbaren Alpenpässen, was umfangreiche Sicherheitsmassnahmen erfordert. Räumfahrzeuge, Lawinendienste und Wetterstationen sind entlang der Strecke im Einsatz, um die Strasse auch bei widrigen Bedingungen offen zu halten. Besonders exponierte Abschnitte werden durch Galerien, Schutzwälle und Lawinenverbauungen gesichert. Diese Bauwerke sind technisch hochentwickelt und werden laufend kontrolliert. Trotz aller Vorkehrungen ist es jedoch wichtig, dass Reisende die aktuellen Verkehrsmeldungen beachten und ihre Fahrt den Wetterbedingungen anpassen.

Die Strecke ist gut ausgebaut, weist aber zahlreiche Kurven und Gefälle auf, die Konzentration und umsichtiges Fahren erfordern. Fahrzeuge mit schwerer Ladung sollten besonders auf die Bremsleistung achten, da lange Abfahrten eine hohe Beanspruchung der Bremsen verursachen. Für Velofahrende gilt der Simplon als reizvolle, aber anspruchsvolle Route, auf der Sichtbarkeit und gegenseitige Rücksicht entscheidend sind. Empfehlenswert ist, die Fahrt frühmorgens oder an Werktagen anzutreten, wenn das Verkehrsaufkommen geringer ist. Für Reisende mit Wohnmobilen oder Anhängern stehen auf der Passhöhe und bei Simplon-Dorf ausgewiesene Parkzonen zur Verfügung, die das sichere Anhalten und Rasten ermöglichen.

Ein wichtiger Bestandteil der Prävention ist die Information. Digitale Anzeigetafeln und die Webseite des ASTRA informieren über aktuelle Strassenzustände, Sperrungen und Wetterlagen. Zudem geben die Verkehrsmeldungen der Kantonspolizei Wallis frühzeitig Warnungen heraus, wenn Lawinengefahr oder Glatteis besteht. Autofahrende sollten in der kalten Jahreszeit stets Schneeketten mitführen und Winterreifen verwenden. Auch das Mitführen warmer Kleidung, Decken und eines vollen Treibstofftanks ist empfehlenswert, da sich die Witterung im Hochgebirge rasch ändern kann. Besonders auf der Südseite, wo sich Temperaturunterschiede zwischen Tal und Passhöhe häufig zeigen, kann es überraschend zu Nebel oder Vereisung kommen.

Fazit

Der Simplonpass vereint auf eindrucksvolle Weise Natur, Geschichte und technische Meisterleistung. Als eine der wichtigsten Alpenverbindungen Europas verbindet er nicht nur die Schweiz mit Italien, sondern auch verschiedene Kulturen, Lebensweisen und Landschaften. Die weite Hochgebirgslandschaft, die imposanten Gipfel und die Vielfalt an Flora und Fauna machen den Simplon zu einem Ort, der Ruhe und Faszination zugleich ausstrahlt.

 

Quellen:

Bundesamt für Strassen (ASTRA):  www.astra.admin.ch
Wallis Tourismus / Valais Promotion: Simplonpass: www.valais.ch
Simplon Tourismusverein: www.simplon.ch
Schweizerisches Bundesarchiv: www.bar.admin.ch
Hospiz Simplon: www.gsbernard.ch
Schweizer Alpen-Club SAC: www.sac-cas.ch
MeteoSchweiz: www.meteoschweiz.admin.ch
Brig Simplon Tourismus: www.brig-simplon.ch
Kanton Wallis, Dienststelle für Mobilität:  www.vs.ch

(abgerufen am 17.10.2025)

Bildquellen:

Titelbild:  lenisecalleja.photography – shutterstock.com
Bild 1: Michael Schroeder – shutterstock.com
Bild 2: SF-74 – shutterstock.com
Bilder 3, 4: Michael Nosek – shutterstock.com

Für Wallis

Publireportagen

Empfehlungen

MEHR LESEN