Autobahn A2: Tunnelverhalten und Sicherheit – Richtiges Verhalten im Seelisbergtunnel
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Der Seelisbergtunnel zwischen Beckenried und Seedorf gilt als eines der zentralen Bauwerke auf der Nord-Süd-Achse der Schweiz. Mit fast neun Kilometern Länge führt er mitten durch den Berg und verbindet die Kantone Nidwalden und Uri. Täglich nutzen zehntausende Fahrzeuge diesen Abschnitt der A2 Richtung Gotthard. Damit der Verkehr sicher fliesst, braucht ist richtiges Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden im Tunnel unerlässlich.
Wissenswertes zum richtigen Verhalten bei Tunneldurchfahrten zeigt der folgende Beitrag.
Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst
Als der Seelisbergtunnel 1980 eröffnet wurde, galt er als einer der modernsten Strassentunnel Europas. Seitdem wurde er mehrfach instandgesetzt, modernisiert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Heute überwacht eine Tunnelzentrale in Flüelen jede Bewegung auf der Strecke: Kameras, Sensoren, Brandmelder und Lüftungsanlagen arbeiten rund um die Uhr. Dennoch kann auch die beste Technik menschliches Fehlverhalten nicht ausgleichen. Wer die Grundregeln im Tunnel beachtet, trägt aktiv dazu bei, Unfälle und gefährliche Situationen zu vermeiden.
Richtiges Verhalten bei normaler Fahrt
Die wichtigste Regel im Tunnel lautet: konzentriert und vorausschauend fahren. Das Tempolimit beträgt 80 km/h, die Fahrweise sollte gleichmässig und ruhig sein. Ständiges Bremsen und Beschleunigen erhöht das Unfallrisiko und erschwert den Verkehrsfluss. Der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug muss mindestens zwei Leuchtstreifen auf dem Boden betragen – das entspricht etwa 50 Metern. Diese Faustregel hilft, bei einem plötzlichen Stopp rechtzeitig reagieren zu können.
Im Tunnel gilt Überholverbot. Spurwechsel sind ebenso untersagt wie das Anhalten ohne Notfall. Das Abblendlicht muss eingeschaltet sein, und das Radio sollte auf eine Verkehrsfunkfrequenz eingestellt bleiben. So können Sie bei Sperrungen oder Zwischenfällen sofort reagieren. Die Signale über den Fahrstreifen – grüne Pfeile oder rote Kreuze – zeigen an, welche Spur befahren werden darf.
Verhalten bei Stau oder Stillstand
Trotz modernem Verkehrsmanagement kann es vor allem in den Ferienzeiten oder bei Bauarbeiten zu Staus kommen. Dann gilt: Ruhe bewahren. Halten Sie den Mindestabstand auch im Stillstand ein und schalten Sie die Warnblinkanlage ein, wenn Sie abrupt anhalten müssen. Sollte der Verkehr länger als zwei Minuten stillstehen, wird empfohlen, den Motor auszuschalten – so wird die Luft im Tunnel weniger belastet und der Treibstoffverbrauch reduziert.
Bleiben Sie unbedingt auf Ihrer Fahrspur und halten Sie die Rettungsgasse frei. Sie ermöglicht Einsatzfahrzeugen den schnellen Zugang bei einem Zwischenfall. Versuchen Sie niemals, zu wenden oder rückwärtszufahren – das ist lebensgefährlich. Befolgen Sie stattdessen die Anweisungen der Polizei oder der Tunnelwarte, die über Lautsprecher oder Verkehrsanzeigen durchgegeben werden.
Panne oder Unfall im Tunnel
Kommt es zu einer Panne, lenken Sie Ihr Fahrzeug möglichst an den rechten Fahrbahnrand oder in eine Pannenbucht. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, lassen Sie den Zündschlüssel stecken und verlassen Sie das Fahrzeug, sobald es sicher möglich ist. Ziehen Sie eine Warnweste an und begeben Sie sich zu einer der Notrufnischen – sie sind alle 150 Meter gut sichtbar angebracht. Dort können Sie direkt Kontakt mit der Tunnelwarte aufnehmen, die sofort Hilfe organisiert. Ein Handy ist im Tunnel keine zuverlässige Alternative, da die Netzabdeckung eingeschränkt sein kann.
Verlassen Sie niemals zu Fuss die Fahrbahn oder versuchen Sie, zurückzulaufen. Folgen Sie den grünen Fluchtwegschildern, die Sie zu den nächsten Sicherheitsräumen führen. Diese sind belüftet und bieten Schutz, bis Einsatzkräfte eintreffen.
Verhalten bei Brand
Ein Brand im Tunnel ist eine der grössten Gefahren im Strassenverkehr – und dennoch dank moderner Sicherheitstechnik äusserst selten. Sollte es dennoch zu Rauchentwicklung oder Flammen kommen, ist schnelles, aber besonnenes Handeln entscheidend. Halten Sie sofort an, schalten Sie den Motor aus, lassen Sie den Schlüssel stecken und verlassen Sie das Fahrzeug. Nehmen Sie keine Gegenstände mit.
Begeben Sie sich zu Fuss in Richtung der nächstgelegenen Fluchtweg-Tür – sie ist mit einem grünen Piktogramm gekennzeichnet und führt zu einem sicheren Bereich oder Notausgang. Vermeiden Sie Rauch, indem Sie sich möglichst tief halten, und nutzen Sie die Notrufnischen, um Hilfe anzufordern. Eigenes Löschen ist nur bei kleinen Entstehungsbränden und ohne Eigengefährdung sinnvoll. Der beste Schutz: sofortige Flucht.
Sicherheit durch Prävention und Zusammenarbeit
Der Betrieb eines Tunnels dieser Grösse ist ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Wartung und Einsatzplanung. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) führt regelmässig Kontrollen und Übungen durch, bei denen auch Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienste beteiligt sind. Ziel ist es, im Ernstfall reibungslos zusammenzuarbeiten. Diese Einsätze werden oft bei Nacht durchgeführt, um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen.
Zudem sorgen laufende Modernisierungen dafür, dass der Seelisbergtunnel auch künftig höchsten Sicherheitsstandards entspricht. Dazu gehören neue Überwachungssysteme, energieeffiziente Beleuchtung und Lüftung, verbesserte Fluchtwege und akustische Warnsysteme. So bleibt der Tunnel trotz seines Alters ein Vorzeigebeispiel für sicheren Strassenverkehr unter den Alpen.
Häufige Fehler vermeiden
Viele Risiken im Tunnel entstehen durch Unachtsamkeit oder falsche Gewohnheiten. Wer glaubt, im Notfall im Auto sicherer zu sein, irrt – das Fahrzeug kann sich schnell mit Rauch füllen. Auch das Wenden oder das eigenmächtige Fahren auf die Gegenfahrbahn sind streng verboten. Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und den markierten Fluchtwegen zu folgen.
Eine weitere häufige Fehlannahme betrifft den Handyempfang: Nicht in allen Bereichen ist das Netz stabil. Darum sind die Notrufnischen so wichtig – sie verbinden direkt mit der Einsatzzentrale, die sofort den Rettungsablauf in Gang setzt.
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