Zürich ZH: Höchstdosierte Ecstasy-Pille aller Zeiten im Drogeninformationszentrum entdeckt
Polizei.news Redaktion Polizeinews Regionen Schweiz Stadt Zürich Zürich
394 Milligramm MDMA in einer einzigen Pille – mehr als dreimal so viel wie die empfohlene Maximaldosis.
Wer 2025 seine Substanzen im Drogeninformationszentrum (DIZ) Zürich testen liess, erfuhr oft: Die Substanzen werden stärker, die Risiken grösser. Das DIZ erzielte mit 4685 getesteten Proben eine Rekordnachfrage.
Letztes Jahr wurden im Drogeninformationszentrum (DIZ) Zürich 4685 abgegebene Proben getestet und 4247 Konsumenten beraten. Die grosse Zunahme (+663 Proben) im Vergleich zu 2024 ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass das DIZ am Standort Langstrasse seit November 2024 zusätzlich am Freitagabend geöffnet ist.
Meistgetestete Substanz bleibt Kokain (rund 38 Prozent), gefolgt von MDMA (15 Prozent), Cannabis (8 Prozent) und Amphetamin (7 Prozent). Ketamin und Cathinone sind weiterhin auf dem Vormarsch.
Reinheitsgrade steigen
2025 hat das DIZ mit 87,3 Prozent den höchsten je gemessenen Durchschnittsgehalt bei Kokain gemessen. Bei nur 14 Prozent der Proben war überhaupt noch ein Streckmittel enthalten.
Bei MDMA setzte sich der Trend zu hohen Dosierungen ebenfalls fort: Über 90 Prozent der abgegebenen Substanzen waren zu hoch dosiert. Mit 394,5 Milligramm – 30 Milligramm mehr als der bisherige Spitzenwert – wurde sogar die höchstdosierte MDMA-Pille seit Messbeginn getestet.
Zum Vergleich: 120 Milligramm entsprächen einer maximalen Dosis für einen 80 Kilogramm schweren Mann. Eine Überdosierung mit MDMA kann lebensbedrohliche Folgen haben (Überhitzung, erhöhter Hirndruck, Ausfall lebenswichtiger Organe).
Auch bei den Amphetaminen ist mittlerweile fast die Hälfte der Proben hoch bis sehr hoch dosiert.
Deutlich mehr Männer als Frauen im Drug Checking
82 Prozent aller Besucher waren männlich, 16 Prozent weiblich, 2 Prozent divers. Noch immer erwerben die meisten Konsumenten ihre Substanzen im privaten Umfeld (71 Prozent), ein Fünftel aller Proben wurden online gekauft. Die jüngste Person im DIZ war im Berichtjahr 14 Jahre alt, die älteste 80. Das durchschnittliche Alter lag bei 35 Jahren.
Drug Checkings auch in den Kontakt- und Anlaufstellen
In der Kontakt- und Anlaufstelle Kaserne konnten Klienten letztes Jahr an vier Tagen ihre illegalen Substanzen direkt vor Ort testen lassen. Die 60 Proben enthielten vor allem Kokain. Die Qualität des Kokains, das zumeist auf der «Gasse» gehandelt wurde, unterschied sich dabei nicht von den übrigen im DIZ getesteten Proben.
Synthetische Opioide nach wie vor nur vereinzelt
Synthetische Opioide wurden in den letzten Jahren vereinzelt detektiert. Fentanyl ist nach wie vor in keiner Probe aufgetreten. Die einzige 2025 abgegebene Probe war als Oxycodon-Tablette abgegeben worden und enthielt ein hochgefährliches synthetisches Opioid.
Beunruhigend an dieser in einem Darknet-Shop im Ausland bestellten Substanz ist, dass sie in einem Blister geliefert wurde, der nicht vom Original unterscheidbar war. Konsumenten laufen so Gefahr, unwissentlich eine tödliche Dosis eines hochpotenten synthetischen Opioids einzunehmen.
Neues Drug-Checking-Angebot: Anabolika-DIZ
Seit 2023 können im DIZ auch Anabolika getestet werden. Zielgruppe sind Personen aus der Fitness- und Bodybuilding-Szene, die Anabolika ohne ärztliche Verschreibung auf dem Schwarzmarkt erwerben. Entsprechend sind Fälschungen häufig: 2025 machten sie fast einen Viertel der abgegebenen Proben aus.
Fälschungen und falsch dosierte Substanzen bergen Risiken wie Abhängigkeit und verursachen Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Leber oder Niere. Die Nachfrage nach dem Anabolika-DIZ ist hoch: 2025 wurden 105 Proben abgegeben.
Quelle: Stadt Zürich
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