Aurich, NDS: Schwerste Unfälle simuliert – Feuerwehr & Rettungsdienst trainieren Ernstfall

Gute Zusammenarbeit erfordert nicht zuletzt auch, den Blickwinkel anderer Aufgabengebiete wahrnehmen und nachvollziehen zu können.

Unter anderem aus diesem Grund fand am vergangenen Wochenende bereits zum wiederholten Mal ein gemeinsamer Ausbildungstag der Feuerwehren Aurich und Sandhorst mit dem Rettungsdienst des Landkreises Aurich statt.

Schwerpunkt war hierbei die Abarbeitung verschiedener Übungsszenarien, in denen schwere Verkehrsunfälle mit mehreren, zum Teil auch eingeklemmten Personen realitätsnahe simuliert wurden, die in engem Zusammenwirken erstversorgt, befreit und anschließend behandelt oder betreut werden mussten.

Als Austragungsort diente das weitläufige Gelände des Munitionsdepots in Dietrichsfeld, auf dem die zuvor durch das Organisationsteam an verschiedenen Stellen vorbereiteten Einsatzübungen mit Unterstützung professionell geschminkter Statisten über den Tag verteilt bewältigt wurden.


Nach wenigen Minuten konnte der erste Patient aus dem PKW befreit werden. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Nachdem die Erkundungsmaßnahmen abgeschlossen sind, gehen die Einsatzkräfte zur Sicherung des Fahrzeugs über. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Von nahezu allen Seiten arbeiteten Einsatzkräfte an den Unfallfahrzeugen. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Von mehreren Seiten musste der vordere PKW zunächst stabilisiert werden, um sicher im Inneren arbeiten zu können. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Auch beim dritten Übungsszenario waren die technischen Rettungsgeräte des Rüstwagens gefordert. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Schrottfahrzeuge als realistische Unfallkulisse

Insgesamt drei Unfallsituationen unterschiedlicher Ausprägung konnten durch die dankenswerterweise vom Metallhandel Büttner und Kfz-Meisterbetrieb Schütte zur Verfügung gestellten Schrottfahrzeuge inszeniert werden.

Sie sollten den Rettungskräften bei sommerlich warmen Temperaturen zwischenzeitlich alles abverlangen.

Die Einsatzfahrzeuge sammelten sich vor jeder Übung zunächst in einem Bereitstellungsraum und fuhren die jeweiligen Schauplätze von dort aus an.

Bereits hierbei wurde mit Erzeugung eines der Realität entsprechenden Zeitversatzes der anrückenden Einsatzkräfte für die erste Herausforderung gesorgt, die von vornherein eine Berücksichtigung der Raumordnung am Unfallort erforderte, um sich durch ungünstige Fahrzeugaufstellungen nicht gegenseitig zu behindern.

Die anschließenden Durchläufe der jeweiligen Szenarien fanden unter Aufsicht mehrerer Übungsbeobachter statt, welche das Handeln der Feuerwehrleute und Rettungsdienstler aufmerksam verfolgten.

So konnte im Anschluss an jeden Einsatz umgehend nachbesprochen werden, was bei der Abarbeitung gut verlief und wo noch Verbesserungspotenzial bestand.


Die Betreuung von Unfallbeteiligten (vorne rechts) während der laufenden Rettungsmaßnahmen stellt im Ernstfall eine ebenso wichtige Aufgabe an der Einsatzstelle dar. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Erfolgreiche Rettung: Über die Heckklappe wird die Patientin aus dem Auto getragen. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Mit Hebekissen konnte der Wagen erfolgreich angehoben werden. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Das erste Unfallszenario wies zwei räumlich voneinander getrennte Fahrzeuge auf, unter denen jeweils durch Übungspuppen dargestellte Personen eingeklemmt waren. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Die zweite Unfallstelle im ersten Szenario: Auch hier befand sich eine Person in Form einer Übungspuppe unter dem PKW. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Vor allem die Kommunikation zwischen den zur Hilfe eilenden Akteuren spielt in der Realität bei Verkehrsunfällen mit noch eingeschlossenen oder gar eingeklemmten Personen eine entscheidende Rolle.

Gerade die unmittelbar am und im betroffenen Fahrzeug arbeitenden Kräfte müssen ihre Tätigkeiten dauerhaft miteinander absprechen, um den Patienten auf schnellstem Wege die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen.

Zugleich ist es unabdingbar, dass durch die Rettungsmaßnahmen nicht noch weitere Verletzungen verursacht werden, beispielsweise durch herunterfallende Glassplitter der Fahrzeugscheiben oder den Einsatz von hydraulischen Rettungsgeräten.

Letztere sind oftmals das Mittel der Wahl, wenn die Schaffung von Zugangs- oder Rettungsöffnungen an Unfallwagen erforderlich sind, führen aber zwangsläufig Verformungen an der Karosserie herbei, deren Ausprägung es richtig einzuschätzen gilt.


Während der Rettungsdienst die Erstversorgung der Patienten einleitet, bereiten die Feuerwehrkräfte sämtliche Gerätschaften für die technische Rettung vor. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Um die Personen befreien zu können, wird hydraulisches Rettungsgerät eingesetzt. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Einleitung weiterer Rettungsmaßnahmen über das Heck des Wagens. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Herausfordernder gestaltete sich das zweite Szenario: Zwei Fahrzeuge aufeinander, mehrere zu rettende Personen in den Innenräumen. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Parallel arbeiten die Einsatzkräfte an beiden Unfallfahrzeugen. Foto: Sönke Geiken (Stadtfeuerwehr Aurich)

Positive Bilanz nach intensivem Ausbildungstag

Schlussendlich zeigten sich Organisatoren wie auch Teilnehmer am Ende eines kräftezehrenden Ausbildungstages sehr zufrieden mit dessen Verlauf.

Die im Zuge der praktischen Anwendung gewonnenen Erkenntnisse stellten letztendlich den größten Erfolg des Tages auf beiden Seiten dar.

Ein besonderer Dank gilt der Bundeswehrfeuerwehr am Standort Dietrichsfeld für die Möglichkeit zur Nutzung des Geländes sowie der Mimengruppe Ostfriesland für die engagierte Darstellung der Unfallopfer.

Im Anschluss kamen alle Beteiligten zu einer kleinen Stärkung mit Currywurst und Kaltgetränken im Feuerwehrhaus Sandhorst zusammen und setzten den gemeinsamen Austausch in Form vieler guter Gespräche fort.

 

Quelle: Freiwillige Feuerwehr Aurich
Bildquelle: Freiwillige Feuerwehr Aurich