Kinderspital Zentralschweiz LU: Höchststand bei Fällen von Kindesmisshandlung

Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zentralschweiz (KidZ) hat 2025 insgesamt 202 Fälle von möglicher Kindesmisshandlung oder -vernachlässigung bearbeitet.

Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass der Bedarf an Kinderschutzleistungen steigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2025 verzeichnete die Kinderschutzgruppe des KidZ die höchste Fallzahl der vergangenen neun Jahre.
  • Psychische Misshandlungen und körperliche Gewalt machten den grössten Teil der registrierten Kindeswohlgefährdungen aus.
  • Die Kinderschutzgruppe rechnet mit weiterhin hohen Fallzahlen – unter anderem, da Kinder und Familien zunehmend unter Druck stehen
  • Die Zahl der von der Kinderschutzgruppe bearbeiteten Fälle ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Eine vergleichbare Entwicklung ist auch schweizweit zu beobachten.

In 107 der 202 Fälle konnte 2025 eine Misshandlung als gesichert eingestuft werden. In 89 Fällen liess sich der Verdacht weder eindeutig bestätigen noch ausschliessen. In diesen Situationen erfolgen – sofern angezeigt – weiterführende Abklärungen durch die zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB).

Ein Viertel der Fälle sind körperlich misshandelte Kinder und Jugendliche

Zur Einordnung werden sechs Dimensionen von Kindeswohlgefährdung unterschieden: psychische Misshandlung, körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, artifizielle Störung in Stellvertretung (ehemals Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom) sowie vorgeburtliche (pränatale) Gefährdungen.

Im Jahr 2025 wurden 67 Fälle psychischer Misshandlung und 52 Fälle körperlicher Misshandlung registriert. Die Bandbreite der körperlichen Misshandlungen reicht von leichteren Verletzungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen.

Die Zahl der gemeldeten Fälle von sexuellem Missbrauch fällt im Vergleich zu anderen Schweizer Kinderschutzgruppen tiefer aus. Akute Verdachtsfälle werden an spezialisierte Zentren, insbesondere an das Kinderspital Zürich, triagiert und erscheinen daher nicht in der Statistik des KidZ.

Früh erkennen, bevor es eskaliert

Neben der Akutversorgung setzt die Kinderschutzgruppe zunehmend auf Früherkennung. So hat etwa die Kinderschutzgruppe an der Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) eine interdisziplinäre Schwangerschaftssprechstunde am Standort Luzern aufgebaut. Ziel ist es, Risiken für das Kindeswohl bereits vor der Geburt zu erkennen und betroffene Familien frühzeitig zu unterstützen.

Auch das im Jahr 2021 gestartete Screening von Patientinnen und Patienten auf Erwachsennotfallstationen bezüglich Kinderschutzes (SPEK) soll weiter ausgebaut werden.

Kein Rückgang der Fallzahlen erwartet

Eine Entspannung der Situation zeichnet sich derzeit nicht ab. Die polizeilichen Gewaltschutzstatistiken weisen seit 2020 Jahren auf eine Zunahme häuslicher Gewalt hin. Kinder sind in solchen Situationen häufig direkt oder indirekt betroffen.

Gleichzeitig beobachten Fachpersonen seit mehreren Jahren eine steigende psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen. Für Familien bedeutet dies oft zusätzliche Herausforderungen, die sie unter Druck setzen und bestehende Belastungen verstärken können.

Kinderschutz als gemeinsame Aufgabe

Die Kinderschutzgruppe des KidZ verfügt über einen Leistungsauftrag des Kantons Luzern. Zu ihren Kernaufgaben gehören das Erkennen und die fachliche Beurteilung möglicher Kindeswohlgefährdungen sowie die Einleitung geeigneter Schutzmassnahmen.

Dabei gelingt Kinderschutz nur durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachpersonen und Institutionen. Die Kinderschutzgruppe berät unter anderem Kinderärztinnen und -ärzte, Hebammen, Schulen und weitere Fachstellen bei Fragen oder Verdachtsfällen.

 

Quelle: Luzerner Kantonsspital (LUKS)
Bildquelle: Symbolbild © New Africa/Shutterstock.com

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