Open Doors: Blasphemiegesetze in Pakistan bringen Christen und Minderheiten in Gefahr

Am 22. August gedenken die Vereinten Nationen (UNO) am „internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung“ aller Opfer von religiöser Gewalt und auch ihrer Angehörigen.

Während die internationale Staaten-Gemeinschaft damit ein Zeichen setzen will, bleibt die Lage weltweit angespannt.

Auch in Pakistan, wo die Blasphemiegesetze gezielt gegen Christen und andere Minderheiten eingesetzt werden.

„Religions- und Glaubensfreiheit, Meinungs- und Gewissensfreiheit, das Recht auf friedliche Versammlung und das Recht auf Vereinigungsfreiheit sind voneinander abhängig, miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Sie sind in den Artikeln 18, 19 und 20 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Die Wahrung dieser Rechte spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen alle Formen der Intoleranz und der Diskriminierung aufgrund von Religion oder Weltanschauung.“

Dies schreiben die Vereinten Nationen (UNO) auf ihrer Webseite zum UNO-Gedenktag. Aus diesem Grund hat die Generalversammlung im Juni 2019 die Resolution A/RES/73/296 verabschiedet und gedenkt seitdem aller Opfer von religiöser Gewalt jedes Jahr am 22. August.

Die weltweite Lage bleibt prekär

Trotz dieses Gedenktages und weiterer immenser Bemühungen der Staatengemeinschaft dies zu ändern, bleibt die Realität eine andere: Mehr als 388 Millionen Christen sind in der heutigen Zeit Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt – so viele wie noch nie. Das in über 70 Ländern, wie man auf der Schweizer Webseite von Open Doors und auch im Weltverfolgungsindex, der 50 Länder umfasst, nachsehen kann.

Religiöse Gewalt in Pakistan

Eines dieser Länder ist Pakistan. Im Index ist das Nachbarland von Indien und Afghanistan auf Platz 8 gelistet. Auch in Pakistan werden Christen auf eine extreme Art und Weise verfolgt. 1947 wurde die islamische Republik unabhängig. Seit diesem Zeitpunkt ist sie ein islamischer Staat. Nur 1,9 % der knapp 5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind Christen.

Die traditionellen Kirchen besitzen zwar eine gewisse Freiheit. Sie werden jedoch stark überwacht und waren in der Vergangenheit immer wieder das Ziel von Bombenanschlägen. Noch schlimmer ergeht es Kirchgemeinden, die aktiv das Evangelium weitergeben und sich in der Jugendarbeit engagieren. Sie erleben, dass ihre Religionsfreiheit schwer verletzt wird.

Für Christen in Pakistan ist institutionelle Diskriminierung ausserdem etwas ganz Normales. Berufe, die von der Gesellschaft als niedrig und schmutzig betrachtet werden, werden von den Behörden für Christen „reserviert“. Das wird auch explizit so in den Stellenanzeigen vermerkt. Viele Christen sind arm und können so in eine Schuldenspirale geraten. Wenn dies geschieht, werden sie gezwungen, zum Islam zu konvertieren.

Blasphemiegesetze als Hauptwaffe gegen Christen

Neben der religiösen Gewalt und der Diskriminierung gibt es auch noch die berüchtigten Blasphemiegesetze. Sie zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten ab. Nicht nur Christen, auch muslimische Minderheiten in Pakistan sind davon betroffen und wurden in zahlreichen Fällen willkürlich als Opfer beschuldigt.

Das Thema rückte Anfang Juli wieder in die Schlagzeilen. Zu diesem Zeitpunkt wurden zwei Christen freigesprochen, denen man fälschlicherweise Blasphemie vorwarf. Einer von ihnen ist Dennis Albert. Er war seit April 2024 im Gefängnis. Ihm wurde vorgeworfen „religiöse Gefühle verletzt“ und „den Koran entweiht“ zu haben, nachdem er beim Aussteigen aus einer Rikscha auf Seiten der heiligen Schrift getreten war.

Der Richter befand, dass die Anklage keine ausreichenden Beweise für Alberts Schuld vorlegen konnte. So wurde er am 5. Juli von einem Gericht der Stadt Lahore freigesprochen, wie die pakistanische Zeitung „Dawn“ berichtet.

Ein weiterer Freispruch und ein Todesfall

Ende Juni wurde auch Nadeem Masih, ein 51-jähriger blinder katholischer Christ, in Lahore freigelassen, nachdem er beschuldigt worden war, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben – eine Anschuldigung, die er stets bestritten hatte. Ein Sprecher von „Open Doors“ begrüsste die Entscheidung und forderte zugleich gründliche Ermittlungen vor jeder Strafverfolgung sowie Sanktionen gegen falsche Anschuldigungen.

Andere Fälle verlaufen weniger glücklich: Amir Peter, ein Katholik, der im Juli 2025 nach einer Anzeige lokaler Händler zu Unrecht angeklagt worden war, starb Anfang Juli im Gefängnis, weil seine Diabeteserkrankung nicht behandelt wurde.

Blasphemie und ihre Folgen

Der Fall der Krankenschwestern Mariam Lal und Newosh Arooj, die Ende letzten Jahres von einem Bezirksgericht freigesprochen wurden, wurde als wegweisende Entscheidung bezeichnet. Sie waren im April 2021 festgenommen worden, nachdem ihnen vorgeworfen worden war, den Koran „entweiht“ zu haben, indem sie einen religiösen Aufkleber von der Wand eines Krankenhauses in Faisalabad entfernt hatten. Unter dem Druck einer Menschenmenge, die ihre Hinrichtung forderte, waren sie angeklagt worden. Nach fünf Monaten Haft wurden sie gegen Kaution freigelassen und leben seitdem in Angst, wie viele andere Menschen auch, die von diesen Gesetzen betroffen sind, die oft missbraucht werden, um persönliche Streitigkeiten, insbesondere wegen eines Grundstücks, beizulegen.

Freude und Besorgnis

Während also Freude über die Nachricht vom Freispruch herrscht, bestehen weiterhin tiefe Bedenken darüber, wie falsche Blasphemievorwürfe Christen und andere religiöse Minderheiten in Gefahr bringen.

„Das Urteil unterstreicht die dringende Notwendigkeit stärkerer Schutzmassnahmen, Rechtsreformen und eines wirksamen Schutzes für religiöse Minderheiten, damit Gerechtigkeit keine Ausnahme bleibt, die nur unter seltenen Umständen eintritt, sondern ein beständiges und garantiertes Recht für alle Bürger ist“, sagte ein lokaler Partner von Open Doors in Pakistan.

 

Quelle: Open Doors
Bildquelle: Open Doors

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