Brandmeldeanlage fällt teilweise aus – Klinik reagiert mit organisatorischen Maßnahmen

(Marquartstein, Bayern). Ein Brandereignis ist für die Feuerwehr nicht mit dem Ende der Löscharbeiten abgeschlossen.

Gerade für den vorbeugenden Brandschutz bieten reale Einsatzlagen wichtige Erkenntnisse: Welche Maßnahmen haben funktioniert? Wo haben bauliche und organisatorische Vorkehrungen die Einsatzkräfte unterstützt? Und was passiert, wenn durch einen Brand selbst wichtige Sicherheitseinrichtungen beeinträchtigt werden?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachbereich 4 – Vorbeugender Brandschutz des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein bei einer Nachbegehung der Chiemgau Klinik in Marquartstein. Jürgen Richter vom Fachbereich 4 und seine Kollegen nahmen dabei insbesondere die Erfahrungen aus dem Brandereignis vom Faschingsdienstag, 17. Februar 2026, unter die Lupe.

„Für uns ist eine solche Nachbegehung besonders wertvoll, weil wir hier nicht nur theoretische Brandschutzkonzepte betrachten, sondern sehen können, wie sich diese im tatsächlichen Einsatz bewährt haben“, erklärt Jürgen Richter. „Der reale Einsatz zeigt uns sehr deutlich, welche Schnittstellen zwischen vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz besonders wichtig sind.“ Worte des Dankes für diese wertvolle Möglichkeit richtet Jürgen Richter insbesondere an die Mitarbeiter der Chiemgau Klinik.

Klinik mit klaren Strukturen für den Brandfall

Die von der Knappschaft Bahn See betriebene Chiemgau Klinik ist eine Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Psychosomatik sowie für Anschlussheilbehandlungen. Bei Vollbelegung können sich bis zu 187 Patienten in der Einrichtung aufhalten. Die durchschnittliche Auslastung liegt bei rund 95 Prozent. Sämtliche Patienten sind grundsätzlich gehfähig.

158 Personen entfallen auf das Gebäude A, weitere 29 auf Gebäude B. Beide Gebäude verfügen über Brand- und Rauchabschnitte. Auch der organisatorische Brandschutz ist in der Klinik fest verankert: Jeder Patient erhält bei seiner Ankunft eine Unterweisung über das Verhalten im Brandfall und nimmt an einer Begehung der Klinik mit den vorgesehenen Sammelplätzen teil.

„Gerade bei einer Klinik ist es entscheidend, dass die Menschen im Ernstfall nicht zum ersten Mal erfahren, wohin sie sich begeben müssen“, so Richter. „Wenn Abläufe vorher erklärt und eingeübt werden, schafft das Sicherheit und entlastet im Ereignisfall auch die Einsatzkräfte.“

Brand im Saunabereich

Am Faschingsdienstag wurde eine Pflegekraft über Telefon über einen Voralarm der Brandmeldeanlage informiert. Entsprechend der Dienstanweisung verständigte sie den diensthabenden Haustechniker. Während des Telefonats löste die Brandmeldeanlage den Räumungsalarm im Gebäude A aus. Um 18.40 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Traunstein die Feuerwehren Marquartstein, Grassau und Unterwössen nach dem vorgeplanten Stichwort B BMA 3 (ausgelöste Brandmeldeanlage Klinik).

Der Brandschutzbeauftragte der Klinik befand sich zu diesem Zeitpunkt zufällig auf dem Gelände und kontrollierte unmittelbar den ausgelösten Bereich. Dabei wurde eine starke Rauchentwicklung aus dem Saunabereich festgestellt. Die Patienten verließen das Gebäude A und begaben sich entsprechend der vorgesehenen Abläufe zum Sammelplatz in der Turnhalle von Gebäude B. Fünf zunächst nicht dort angetroffene Patienten konnten zeitnah telefonisch erreicht werden.

Wichtige Informationen bereits beim Eintreffen

Das erste Fahrzeug der Feuerwehr Marquartstein traf bereits wenige Minuten nach der Alarmierung an der Erstinformationsstelle der Brandmeldeanlage am Haupteingang von Gebäude A ein. Nach einer kurzen Erkundung wurde die Laufkarte des zuerst ausgelösten automatischen Melders aufgenommen.

Für den Einsatzleiter standen dabei bereits wichtige Informationen zur Verfügung. Der Brandschutzbeauftragte konnte über die starke Rauchentwicklung aus dem Saunabereich, den bereits verrauchten Bereich bis zu den Umkleiden sowie die erfolgte Räumung des Gebäudes informieren.

Aufgrund der örtlichen Situation erfolgte der Angriff über eine Außentür. Mit zunehmender Rauch- und Hitzeentwicklung wurde die Alarmstufe nur wenige Minuten später auf B4 (Bestätigter Brand – weiterer Kräftebedarf) erhöht. Im weiteren Einsatzverlauf wurden zusätzliche Atemschutzgeräteträger nachgefordert.

Der Brand befand sich im angebauten Saunabereich im Untergeschoss von Gebäude A. Feuer und Rauch verursachten Schäden im Schwimmbad, in den Umkleiden und Sanitärräumen sowie in angrenzenden physikalischen Behandlungsräumen. „Für die Einsatzleitung sind Ansprechpartner vor Ort, die das Gebäude und seine Besonderheiten kennen, von unschätzbarem Wert“, betont Jürgen Richter. „In diesem Fall konnten wichtige Informationen unmittelbar weitergegeben werden. Das schafft für die Feuerwehr einen erheblichen Informationsvorsprung.“

Brandschutzbeauftragte und Haustechniker als wichtige Schnittstelle

Bei der Nachbegehung betrachtete der Fachbereich 4 auch die Rolle des betrieblichen Brandschutzes. Drei Haustechniker der Klinik sind aktive Feuerwehrangehörige der Feuerwehr Marquartstein. Sie konnten dadurch nicht nur mit den örtlichen Gegebenheiten umgehen, sondern standen der Einsatzleitung auch unmittelbar als Ansprechpartner zur Verfügung.

Positiv fiel zudem die klare Kennzeichnung des Brandschutzbeauftragten und der Brandschutzhelfer durch beschriftete Warnwesten auf. Für die anrückenden Einsatzkräfte waren die zuständigen Personen dadurch schnell erkennbar. „Es klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, aber eine eindeutige Kennzeichnung kann im Einsatz entscheidend sein“, sagt Jürgen Richter. „Wenn die Einsatzleitung auf Anhieb weiß, wer Ansprechpartner für den betrieblichen Brandschutz ist, lassen sich Informationen wesentlich schneller zusammenführen.“

Wenn die Brandmeldeanlage selbst zum Problem wird

Ein besonderer Aspekt der Nachbegehung war die Brandmeldeanlage. Insgesamt wurden am Feuerwehranzeigetableau mehr als einhundert ausgelöste Melder aus zahleichen Meldergruppen angezeigt. Die BMA ließ sich zunächst noch zurückstellen, sodass auch bei der Integrierten Leitstelle eine Rückstellung einging. Durch die Auswirkungen des Brandes waren jedoch mehrere BMA-Stränge „physisch“ nicht mehr vorhanden. Dadurch konnten aus nicht unmittelbar vom Brand betroffenen Bereichen keine weiteren Meldungen mehr über die Brandmeldeanlage auflaufen. Die Anlage schaltete auf Störung.

Für den Betreiber bedeutete dies, dass die technische Überwachung nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung stand. Der Brandschutzbeauftragte ordnete deshalb als organisatorische Ersatzmaßnahme eine dauerhafte Begehung beider Gebäudeteile an. Diese wurde aufrechterhalten, bis die Brandmeldeanlage wieder vollständig funktionsfähig war.

„Ein solcher Fall zeigt sehr deutlich, dass technischer Brandschutz nie isoliert betrachtet werden darf“, erklärt Richter. „Wenn eine Brandmeldeanlage durch ein Ereignis selbst beeinträchtigt wird, müssen organisatorische Maßnahmen greifen können. Genau deshalb ist es wichtig, entsprechende Ersatzmaßnahmen bereits im Vorfeld zu kennen und festzulegen.“

Aus dem Einsatz für die Zukunft lernen

Für Jürgen Richter und den Fachbereich 4 ist die Nachbegehung deshalb weit mehr als eine nachträgliche Besichtigung der Schadenstelle. Die Erkenntnisse aus einem realen Einsatz können in die weitere Fachbereichsarbeit einfließen und helfen, die Zusammenarbeit zwischen vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz weiterzuentwickeln.

In Marquartstein zeigte sich dabei das Zusammenspiel mehrerer Komponenten: bauliche Brand- und Rauchabschnitte, eine automatische Brandmeldeanlage, vorbereitete Räumungsabläufe, die Unterweisung der Patienten sowie ein funktionierender betrieblicher Brandschutz. Dank all dieser Maßnahmen kamen bei dem Brand keine Menschen zu Schaden und das Feuer konnte insgesamt sehr schnell gelöscht werden.

„Der vorbeugende Brandschutz soll nicht nur verhindern, dass es zu einem Brand kommt. Er soll auch dafür sorgen, dass im Ernstfall möglichst gute Voraussetzungen für die Menschen im Gebäude und für die Einsatzkräfte geschaffen werden“, fasst Jürgen Richter zusammen. „Solche Nachbegehungen helfen uns, aus konkreten Einsatzereignissen zu lernen und diese Erfahrungen in unsere Fachbereichsarbeit mitzunehmen.“ Für den Fachbereich 4 – Vorbeugender Brandschutz ist damit ein wesentlicher Auftrag erfüllt: Nicht nur aus Vorschriften und Planungen zu lernen, sondern auch aus der Praxis. Hob

 

Quelle: Kreisfeuerwehrverband Traunstein/Hubert Hobmaier
Bildquelle: Hubert Hobmaier