Grossrazzia gegen mutmassliche Schleuserbande – zehn Haftbefehle vollstreckt

(Berlin, Berlin). Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls sind gemeinsam im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin gegen eine mutmassliche Bande von Schleusern vorgegangen.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Arbeitnehmer beschäftigt zu haben, ohne Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen zu entrichten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einsatz: Rund 2.200 Kräfte von Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit
  • Durchsuchungen: 104 Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels
  • Bundesländer: Unter anderem Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg
  • Haftbefehle: Zehn vollstreckt
  • Beschuldigte: Bislang 23 Personen im Alter von 31 bis 59 Jahren
  • Hauptbeschuldigter: 50-jähriger mutmasslicher Kopf der Bande
  • Vermögensarreste: 50 Anordnungen in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro
  • Verdacht: Schleusung, illegale Beschäftigung, Sozialversicherungsbetrug, gefälschte Dokumente und Scheinrechnungen
  • Ermittlungsgruppe: Gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ von Bundespolizei und Hauptzollamt Berlin

Gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“

Gemeinsam sind Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin gegen eine mutmassliche Bande von Schleusern vorgegangen, die Arbeitnehmer beschäftigten, ohne Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen zu entrichten.

Für die Ermittlungen wurde die Gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ zwischen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und dem Hauptzollamt Berlin eingerichtet.

Rund 2.200 Einsatzkräfte durchsuchen 104 Objekte

Am Mittwoch, dem 30. September 2026, wurden mit circa 2.200 Einsatzkräften der Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit unter anderem in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zahlreiche Wohnungen, Wohnunterkünfte, Firmen und Hotels durchsucht.

Insgesamt umfasste die Massnahme 104 Durchsuchungsobjekte.

Des Weiteren wurden zehn Haftbefehle vollstreckt.

Unabhängig von den hier geführten Ermittlungen hat die österreichische Finanzpolizei ebenfalls in Hotels Prüfungsmassnahmen durchgeführt, welche derzeit noch andauern.


Bundespolizei und Zoll

23 Beschuldigte im Fokus der Ermittlungen

Bislang richten sich die Ermittlungen gegen 23 Beschuldigte im Alter von 31 bis 59 Jahren.

Der 50-jährige Hauptbeschuldigte und Kopf der mutmasslichen Bande soll ausländische Arbeitnehmer gezielt nach Deutschland eingeschleust und sie anschliessend im gesamten Bundesgebiet für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben.

Er soll insoweit seit 2022 mit 22 weiteren Bandenmitgliedern dauerhaft und arbeitsteilig zum Zwecke der Gewinnmaximierung zusammengearbeitet haben.

Verdacht auf unerlaubten Aufenthalt und gefälschte Dokumente

Die mutmassliche Bande soll darüber hinaus einer Vielzahl von Arbeitnehmern aus Osteuropa, zum Beispiel aus der Ukraine und Georgien, Hilfe beim unerlaubten Aufenthalt geleistet und sie beherbergt haben.

Dabei sollen gefälschte Urkunden und Ausweise zur Täuschung im Rechtsverkehr verwendet worden sein.

Arbeitnehmer sollen schlechter bezahlt worden sein

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen sollen die den Arbeitnehmern gezahlten Löhne in einem auffallenden Missverhältnis zur tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung gestanden haben.

Im Vergleich zu deutschen Arbeitnehmern sollen sie bei schlechteren Arbeitsbedingungen geringer bezahlt worden sein.


Einsatz

Scheinrechnungen und hohe Bargeldbewegungen

Von Serviceunternehmen, die die Täter mutmasslich selbst gegründet haben, sollen Scheinrechnungen erstellt und anschliessend in den aktiv tätigen Unternehmen verbucht worden sein.

Hierdurch sollen extrem hohe Bargeldbewegungen und die tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisse verschleiert worden sein.

Die Arbeitnehmer sollen zum Schein bei vermeintlichen Subunternehmen angemeldet und die Bargelder aus den betriebenen Unternehmen veruntreut sowie bestehende Buchführungspflichten verletzt worden sein.

Firmen sollen gezielt gegründet und wieder aufgelöst worden sein

Weiterhin sollen in kurzen Zeitabständen verschiedene Unternehmen, hier insbesondere die vermeintlichen Nachunternehmen, gegründet, wieder aufgelöst beziehungsweise verkauft oder Anschriften über Bundeslandgrenzen hinweg verlegt worden sein.

Dies erweckt den Verdacht, dass gezielt versucht worden sein könnte, die üblichen Prüfzeiträume der Steuer- und Sozialversicherungsbehörden zu unterlaufen.

Vermögensarreste über 106 Millionen Euro

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete 50 Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro an, von denen am Mittwoch eine Vielzahl vollstreckt werden konnte.


Einsatz

Weitere Verfahren wegen unerlaubten Aufenthalts

Im Zusammenhang mit den Durchsuchungen trafen die Einsatzkräfte von Finanzkontrolle Schwarzarbeit und Bundespolizei mehrere Personen an, bei denen der Verdacht des unerlaubten Aufenthaltes und der unerlaubten Arbeitsaufnahme bestand.

Es wurden insoweit gesonderte Ermittlungsverfahren gegen diese eingeleitet.

Dokumente, Speichermedien und Mobiltelefone sichergestellt

Die Einsatzkräfte von Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit konnten ferner im Rahmen der Durchsuchungen umfangreiches Beweismaterial sicherstellen.

Darunter befinden sich unter anderem Dokumente, Speichermedien und Mobiltelefone, welche durch die Ermittler der gemeinsamen Ermittlungsgruppe nun ausgewertet werden.

Die zehn aufgrund eines Haftbefehls festgenommenen Beschuldigten werden den zuständigen Haftrichtern zwecks Verkündung der Haftbefehle vorgeführt.

Die Ermittlungen zum Sachverhalt und den Tatbeteiligungen dauern an.

„Wir haben die Täter dort getroffen, wo es wehtut: beim Geld“

Constanze Voss, Direktionspräsidentin der Direktion VII – Finanzkontrolle Schwarzarbeit – der Generalzolldirektion bekräftigte: „100 vollstreckte Durchsuchungsbeschlüsse und Vermögensarreste von mehr als 100 Millionen Euro zeigen eindrucksvoll, dass den Ermittlern der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und der Bundespolizei heute ein empfindlicher Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen ist. Wir haben die Täter dort getroffen, wo es wehtut: beim Geld.“

Im Gebäudereinigungsgewerbe stelle der Zoll wiederholt illegale Netzwerke aus Schein- und Nachunternehmen fest, die auf ganze „Pools“ illegal beschäftigter Arbeitnehmer zugriffen.

Dieses Phänomen reiche von der klassischen Hotelreinigung bis hin zur Reinigung von Sanitäranlagen.

Bundespolizei spricht von Schlag gegen Arbeitsausbeutung

Der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Carsten Glade, erklärte: „Dieser eindrucksvolle Ermittlungserfolg ist ein Schlag gegen die mit Schleusungen verbundene banden- und gewerbsmässige Arbeitsausbeutung.“

Der Einsatz zeige die Bedeutung der behördenübergreifenden Zusammenarbeit bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität.

Staatsanwaltschaft: Wichtiger Schritt gegen organisierte Kriminalität

Die Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Berlin, Ingrid Jaeger, erklärte: „Nur die hervorragende Zusammenarbeit mit den Ermittlern des Hauptzollamtes Berlin und der Bundespolizei hat diesen herausragenden Einsatz möglich gemacht. Dies ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.“

Pressekonferenz am 1. Oktober

Am Vormittag des 1. Oktober 2026 findet um 11.00 Uhr im Hauptzollamt Berlin eine Pressekonferenz zur BAO „Purgatio“ statt.

Staatsanwaltschaft Berlin, Bundespolizei und Zoll wollen dort über die Hintergründe und den aktuellen Sachstand der BAO „Purgatio“ informieren.

 

Quelle: Hauptzollamt Berlin
Bildquelle: Hauptzollamt Berlin