Aktenzeichen XY ungelöst (25.02.2026): Köln, NRW – Seckin Caglar (16†) 1991 vergewaltigt

Im Oktober 1991 verschwand die 16-jährige Seckin Caglar aus Köln spurlos auf dem Heimweg.

Wie die Polizei den Mord nach fast 35 Jahren mit Hilfe von Aktenzeichen XY aufklären will.

Seckin Caglar wurde 1991 in Köln ermordet, auf dem Heimweg von der Arbeit vergewaltigt und erdrosselt. Anonyme Briefe täuschten eine Spur vor. „Aktenzeichen XY“ sucht nach neuen Hinweisen.



Seckin Caglar wohnte 1991 mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder in Köln-Poll. Sie arbeitete in einem Supermarkt. Ihr Vater holte sie jeden Abend nach der Schicht an der Straßenbahnhaltestelle Poll-Autobahn ab.

Doch am 16. Oktober 1991 kam er ein paar Minuten zu spät. Seckin tauchte auch mit den nächsten Bahnen nicht auf. Die besorgten Eltern informierten die Polizei. Doch erst am folgenden Morgen wurde Seckin gefunden.

Entdeckung der Leiche nahe der Haltestelle

Ein entfernter Verwandter entdeckte Seckins Leiche unweit der Haltestelle in einem Gebüsch. Die 16-Jährige war vergewaltigt und erdrosselt worden. Die Kölner Kripo richtete eine Mordkommission ein und suchte intensiv nach Zeugen, die an der Haltestelle etwas Verdächtiges beobachtet hatten.


Eine Luftaufnahme des Fundorts aus dem Jahr 1991. Luftbild des Fundorts der aus dem Jahr 1991 in Köln: Hier wurde die Leiche von Seckin Caglar gefunden. (Quelle: Kripo Köln)

Anonyme Briefe entpuppten sich als falsche Fährte

Später tauchten im Haus der Eltern insgesamt drei Briefe auf, die offensichtlich von einer Frau geschrieben worden waren. Sie behauptete, vom selben Mann ebenfalls vergewaltigt worden zu sein, und dass sie wisse, wer Seckin ermordet hat. Alle Versuche, Kontakt mit der Briefeschreiberin aufzunehmen, scheiterten.

Im Jahr 2011, rund 20 Jahre nach der Tat, gelang es, die Frau zu identifizieren und mit ihr zu sprechen. Dabei stellte sich heraus, dass sie alles nur erfunden hatte. Die scheinbar wichtigste Spur im Mordfall Caglar entpuppte sich damit als Sackgasse.

Täter-DNA isoliert: Ermittler starteten große Reihenuntersuchung

Im Laufe der Jahre gelang es der Kölner Kriminalpolizei, auf sichergestellten Spuren eine Täter-DNA zu isolieren. Die Cold-Case-Abteilung startete daraufhin eine umfangreiche DNA-Reihenuntersuchung. Männer aus dem Umfeld des Tatorts, die damals zur mutmaßlichen Altersgruppe des Täters gehörten, wurden gebeten, freiwillig eine Probe abzugeben.

Diese Proben wurden mit dem DNA-Profil des Täters abgeglichen, anonymisiert verarbeitet und nach der Untersuchung vernichtet. Für Unbeteiligte bestand keinerlei Risiko. Die Beteiligung war hoch, nur wenige verweigerten die Abgabe. Doch der Täter befand sich bisher nicht unter den Probanden.

Suche nach Zeugen fast 35 Jahre nach der Tat

Die Kripo fragt: Wer hat am fraglichen Abend (16. Oktober 1991) zwischen 18 und 19 Uhr tatrelevante Beobachtungen gemacht?

  • An der Haltestelle Salmstraße, an der Seckin Caglar eingestiegen war.
  • In der Straßenbahn der Linie 7
  • An der Haltestelle Poll-Autobahn, an der Seckin ausgestiegen war.

Möglicherweise wurden um 1991 herum weitere Frauen im Bereich der Haltestelle Poll-Autobahn vergewaltigt oder sexuell belästigt. Sollte jemand etwas dazu sagen können, der bisher nicht mit der Polizei darüber gesprochen hat, wird er ebenfalls gebeten, sich zu melden.

Mögliche Hinweise auf den Täter

Nach der Tat könnte der Täter durch verschmutzte Kleidung oder verschmutzte Schuhe aufgefallen sein. Ebenso könnte er Kratzer im Gesicht oder an den Händen gehabt haben.

Auch hält die Kripo es für möglich, dass er am Tatabend aufgefallen ist, weil er nicht oder verspätet zu einer Verabredung beziehungsweise nach Hause gekommen ist. In den Tagen nach der Tat könnte er mit fadenscheinigen Begründungen seinem Arbeitsplatz ferngeblieben sein.

Polizei verweist auf zwei markante Ereignisse des Tatabends

Da es für mögliche Zeugen schwer ist, sich nach so langer Zeit zu erinnern, verweist die Polizei auf zwei Dinge: An der Haltestelle Poll-Autobahn war damals eine Baustelle. Und: Am Tatabend fand das EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Wales statt. Es endete 4:1.

Auch Mitwisser sind gefragt

Die Kripo hält es für möglich, dass der Täter sich einer Person aus seinem Umfeld anvertraut hat. Da die soziale Bindung zu dieser Person nach so vielen Jahren vielleicht nicht mehr so eng ist, hofft die Kripo, dass diese nun bereit ist, ihr Schweigen zu brechen. Auch denkbar wäre, dass jemand einen Verdacht hat, wer der Täter ist.

Belohnung

Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.


Zeugenaufruf

Personen, die Angaben zum Vorfall oder zur Identität des mutmasslichen Täters machen können, werden gebeten, sich bei der Kripo Köln, Telefon 0221 / 22 90, zu melden.


 

Quelle: ZDF
Bildquelle: Kripo Köln