Bern BE: Polizei reformiert Auswahlverfahren – Bewerbung neu jederzeit möglich
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Keine fixen Bewerbungsfristen mehr, dafür mehr Flexibilität im Auswahlverfahren und Anpassungen bei der Aufnahmeprüfung: Die Kantonspolizei Bern hat den Weg in die Polizeiausbildung überarbeitet und vereinfacht.
Was sich konkret geändert hat, warum dieser Schritt notwendig war und welche Vorteile sich für zukünftige Bewerbende ergeben, erklärt unser Fachbereichsleiter der Rekrutierung.
Wer sich schon einmal über den Polizeiberuf informiert hat, kennt es vielleicht: fixe Bewerbungsfristen, lange Wartezeiten und ein Auswahlverfahren, das nur zu bestimmten Zeitpunkten durchlaufen werden kann. Doch genau das ändert sich nun bei uns. Das neue Verfahren bringt mehr Flexibilität für sämtliche Polizeiberufe der Kantonspolizei Bern. In diesem Blog beleuchten wir exemplarisch das Verfahren für Polizistinnen und Polizisten, die ihre Ausbildung an der Polizeischule in Hitzkirch absolvieren. Doch auch für weitere Polizeiberufe, wie beispielsweise die Polizeiliche Sicherheitsassistenz mit Fachrichtung Verkehrsdienst oder Botschaftsschutz, wird ab 1. Juli 2026 ein angepasstes Bewerbungsverfahren eingeführt. Es lohnt sich, dranzubleiben – alle Details zur konkreten Ausgestaltung werden zu gegebener Zeit online publiziert.
Wir haben den Ablauf unseres Auswahlverfahrens für angehende Polizistinnen und Polizisten per Lehrgang April 2027 angepasst. Neu ist vieles flexibler geworden. Eine Bewerbung für beispielsweise die Vollzeitausbildung ist nicht mehr an feste Termine gebunden, sondern das ganze Jahr über möglich. Statt weniger, klar definierter Auswahlfenster gibt es nun deutlich mehr Gelegenheiten, am Verfahren teilzunehmen, was die Wartezeiten verkürzt.
Nicht nur der Bewerbungsprozess hat sich verändert, auch bei der Aufnahmeprüfung gibt es Neuerungen: So wird künftig auf die bisherigen Prüfungsfächer Allgemeinwissen und Französisch für die Voll- und die Teilzeitausbildung verzichtet. Ziel dieser Anpassungen ist es, das Verfahren attraktiver, effizienter sowie ressourcenschonender zu gestalten, ohne die Anforderungen an zukünftige Polizistinnen und Polizisten zu senken. Gleichzeitig bleibt der Anspruch bestehen, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten sorgfältig auszuwählen und die Qualität des Auswahlverfahrens sicherzustellen.
Im Interview gibt Marco Blaser, Fachbereichsleiter Rekrutierung, Einblick in die Hintergründe, die wichtigsten Neuerungen und die konkreten Vorteile für zukünftige Bewerbende.
Die Rekrutierung von Polizistinnen und Polizisten war in den letzten Jahren herausfordernd. Woran liegt das aus deiner Sicht?
Im zweiten „Pandemiejahr“ ist die Anzahl an Bewerbungen deutlich gesunken und hat nur punktuell wieder das vorherige Niveau erreicht. Zudem wurde auch bei uns zwischenzeitlich der sogenannte Fachkräftemangel spürbar. Der Arbeitsmarkt ist sehr umkämpft, und es ist allgemein schwierig, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Gleichzeitig wurde vor einigen Jahren politisch eine Aufstockung unseres Korps bewilligt. Dadurch dürfen wir zusätzliche Stellen besetzen und haben heute höhere Rekrutierungsziele als zuvor. Vonseiten der Personen, die an unseren Infoveranstaltungen teilnehmen, wissen wir, dass unregelmässige Arbeitszeiten, der Ausbildungsort in Hitzkirch sowie das Prüfungsfach Französisch die grössten Herausforderungen darstellen, sich überhaupt bei uns zu bewerben.
Warum wurde entschieden, das Verfahren anzupassen?
Es gab verschiedene Gründe, die für eine Anpassung des Verfahrens gesprochen haben. Den Ausschlag gegeben hat aber der Entscheid, dass die Interkantonale Polizeischule in Hitzkirch (IPH) künftig drei statt nur zwei Lehrgänge pro Jahr durchführen wird. Bisher hatten wir pro Lehrgang zwei Auswahlverfahren. Dabei zeigte sich klar, dass das Verfahren für Kurzentschlossene deutlich besser ankam als das ordentliche Verfahren, das jeweils rund ein Jahr vor Ausbildungsbeginn gestartet ist. Das bisherige Verfahren hat immer wieder zu starken Spitzen geführt: An einzelnen Tagen mussten wir 80 bis 100 Personen prüfen, alles auswerten und weiterbearbeiten. Das war jedes Mal ein grosser Aufwand. Mit dem Entscheid, nun monatlich (ausser im Juli und im Dezember) ein Auswahlverfahren für die IPH zu starten, brechen wir diese Spitzen und verteilen den Rekrutierungsaufwand besser über das ganze Jahr.
Welche Vorteile haben Bewerbende durch das neue Vorgehen?
Neu bieten wir zehn Auswahlverfahren pro Jahr für die IPH an. Wir rekrutieren „rollend“ und wenn ein Rekrutierungstermin (z.B. für die Aufnahmeprüfung) voll ist, dann steht bereits ein Monat später der nächste Termin an und nicht erst in drei bis vier Monaten. Ein weiterer Vorteil für die Bewerbenden wird das verkürzte Auswahlverfahren sein. Neu folgen die Assessments nach der Aufnahmeprüfung, wodurch wir einen schnelleren provisorischen Bescheid mitteilen können. Die Abklärungen zur Person machen wir neu nur noch bei Bewerbenden, welche wir vorgängig als geeignet beurteilt haben (finanzielle Situation / Steuerschulden, polizeiliche Vorgänge, Führerausweisentzüge etc.). Vereinfacht gesagt erhalten Bewerbende bereits rund einen Monat nach dem Prüfungsdatum eine provisorische Zusage und spätestens nach zwei Monaten den definitiven Entscheid. Das bedeutet eine deutlich schnellere und verbindlichere Rückmeldung.
Warum wurden die Prüfungen in Zweitsprache und Allgemeinwissen gestrichen – und wie wird trotzdem eine gute Auswahl an Bewerbenden sichergestellt?
Wie bereits erwähnt, wird das mündliche Prüfungsfach Französisch von vielen Interessierten als ein wichtiger Abwägungspunkt im Hinblick auf eine Bewerbung bei der Kapo Bern wahrgenommen. In der Ausbildung in Hitzkirch ist Französisch generell kein Thema, und für einen Grossteil der Aspirantinnen und Aspiranten gilt dies auch am späteren Stationierungsort im Kanton Bern. Im Sinne der Rekrutierung überwiegen die Vorteile eindeutig. Den Nachteilen und dem möglichen Vorwurf, dass die Zweisprachigkeit nicht gelebt wird, soll insbesondere in den korpsspezifischen Ausbildungen bei uns in Bern begegnet werden. Dies beispielsweise durch Lektionen mit französischsprechenden Ausbildern/-innen oder mittels gemeinsamer Ausbildungen und Anlässen von dem deutsch- und dem französischsprachigen Lehrverband der Aspirantinnen und Aspiranten. Die Zweisprachigkeit wird zudem zunehmend auch durch digitale Medien unterstützt, etwa durch moderne, interaktive Lernformen.
Was das Allgemeinwissen betrifft, waren wir schweizweit wohl das einzige Polizeikorps, welches das Fach in dieser expliziten Form noch geprüft hat. Schwache Resultate in diesem Bereich traten oft zusammen mit tieferen Ergebnissen im Intelligenztest und im Fach Deutsch auf. Zudem wurde das Allgemeinwissen weniger stark gewichtet und war für sich allein kein entscheidendes Selektionskriterium.
Was möchtest du potenziellen Bewerbenden mit auf den Weg geben?
Je früher man seine Bewerbung einreicht, desto grösser ist die Chance, im nächsten Lehrgangsbeginn einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Uns war es schon immer wichtig, dass man sich auf unsere Aufnahmeprüfung gut vorbereitet. Dafür bieten wir entsprechende Unterstützungsangebote an (z.B. Musterprüfung Deutsch und Sportvideo).
Uns ist aber wichtig zu betonen: Wir suchen weder die Sprachfähigkeiten einer Germanistikprofessorin noch den IQ eines Astrophysikers. Wir freuen uns über alle Bewerbenden, die sich einer neuen Herausforderung stellen möchten und sich mit dem Berufsbild „Polizist/-in“ identifizieren können. Kommt an eine unserer Infoveranstaltungen und „go for it“!
Quelle: Kantonspolizei Bern
Bildquelle: Kantonspolizei Bern