Brennender Pkw nach Kollision im Tunnel: Feuerwehr übt Großeinsatz mit 80 Kräften

(Ruhpolding, Bayern). Den besonderen Herausforderungen einer Tunnelanlage stellten sich vor wenigen Tagen rund 80 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst.

Unterstützt wurden sie von Vertretern des Staatlichen Bauamtes Traunstein und des Landratsamtes Traunstein. Im Mittelpunkt der Übung im Ruhpoldinger Schlossbergtunnel stand ein Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen, einem brennenden Pkw und mehreren Verletzten.

Dabei wurden insbesondere die in den vergangenen Jahren gewonnenen Erkenntnisse und das darauf aufbauende Ausbildungskonzept des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein praktisch erprobt. Bereits am kommenden Mittwoch, 23. September, werden die Abläufe bei einer ähnlich gelagerten Übung im Ettendorfer Tunnel in Surberg trainiert.

Ein Verkehrsunfall mit einem brennenden Pkw in einem Tunnel gehört zu den anspruchsvollsten Einsatzlagen für Feuerwehr und Rettungsdienst. Die räumliche Enge, die große Eindringtiefe und die eingeschränkten Sichtverhältnisse stellen die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Gleichzeitig müssen mehrere Einsatzabschnitte und häufig beide Tunnelportale koordiniert werden.







Der Kreisfeuerwehrverband Traunstein hat sein Ausbildungsangebot für Einsätze in unterirdischen Verkehrsanlagen deshalb in den vergangenen Jahren systematisch erweitert. Ziel ist es, die Einsatzkräfte gezielt auf die besonderen taktischen Anforderungen vorzubereiten, denen sie in den Tunnelanlagen im Landkreis Traunstein begegnen können. Täglich nutzen mehrere zehntausend Fahrzeuge die Tunnelanlagen in Altenmarkt, Ruhpolding und Surberg.

Seit 2025 gehört dazu auch der Lehrgang „MFA-Einsatzleiter Tunnelanlagen – Führungsstufe C“ im Rahmen der modularen Führungsausbildung (MFA). Dieser wurde in Zusammenarbeit mit Spezialisten der International Fire Academy (IFA) in der Schweiz und Einsatzkräften der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg entwickelt. Parallel dazu wurden auch die taktischen Konzepte für die eingesetzten Trupps weiterentwickelt. Nach den zunächst theoriegeprägten Ausbildungsabschnitten geht es nun verstärkt darum, die erlernten Inhalte unter realitätsnahen Bedingungen praktisch zu trainieren.

Verkehrsunfall mitten im Tunnel

Das Übungsszenario im Ruhpoldinger Schlossbergtunnel sah einen Unfall mit drei beteiligten Pkw vor. Die Fahrzeuge waren im Tunnel miteinander kollidiert, ein Pkw geriet in Brand. Mehrere Personen mussten aus den Unfallfahrzeugen gerettet und medizinisch versorgt werden.

Der Alarmplan für ein solches Ereignis sieht den Einsatz der Feuerwehren Ruhpolding, Eisenärzt, Siegsdorf, Inzell, Traunstein und Trostberg vor. Die Einsatzkräfte mussten dabei nicht nur die Brandbekämpfung und Menschenrettung bewältigen. Auch die besonderen Rahmenbedingungen des Tunnelbauwerks stellten hohe Anforderungen an die Einsatzleitung und die eingesetzten Trupps.







Bei realen Einsätzen werden die Feuerwehren dabei unter anderem durch den Rettungsdienst, die Polizei und einen Fachberater des Technischen Hilfswerks unterstützt. Auch bei der Übung waren diese Organisationen eingebunden. Fachlich und organisatorisch begleitet wurde die Ausbildung zudem durch Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, das als Betreiber beziehungsweise Verantwortlicher für die Tunnelanlage eine wichtige Schnittstelle darstellt, sowie durch Vertreter des Landratsamtes Traunstein.

Einsatz von beiden Tunnelportalen

Die moderne technische Ausstattung der Tunnelanlagen unterstützt die Einsatzkräfte bei der Lagefeststellung. Über die Kontrollräume und die flächendeckende Videoüberwachung können wichtige Informationen über das Geschehen im Tunnel gewonnen werden. Die Technik ersetzt jedoch nicht die taktische Erkundung durch die Einsatzkräfte vor Ort.

Eine weitere Besonderheit: Der Zugang zur Einsatzstelle erfolgt grundsätzlich über die Tunnelportale. Je nach Lage müssen Einsatzkräfte deshalb von beiden Seiten in den Tunnel vorgehen. Die Fahrzeuge können aufgrund der möglichen Verrauchung in der Regel nicht bis unmittelbar an die Schadensstelle fahren. Dadurch entstehen lange Wege, die von den Einsatzkräften zu Fuß zurückgelegt werden müssen.







„Das komplette Einsatzmaterial wie Schläuche, Brechwerkzeuge oder schweres Rettungsgerät muss von den Feuerwehrfrauen und -männern teilweise mehrere hundert Meter bis zur Unfallstelle getragen werden“, erläuterten Patrick Springer, der die Einsatzleitung bei der Übung innehatte, und der Ruhpoldinger Kommandant Michael Mayer, der den Übungsablauf als Beobachter begleitete.

Grundlagen stehen im Mittelpunkt

Bei der Übung wurde bewusst auf zusätzliche besondere Ereignisse oder eingebaute Überraschungen verzichtet. Im Mittelpunkt standen die grundlegenden taktischen Abläufe und das Zusammenspiel der eingesetzten Trupps.







„Wir konzentrieren uns heute auf die Grundlagen, beispielsweise auf das Zusammenspiel des Zwei-Mann-Erkundungstrupps mit den jeweils aus fünf Atemschutzgeräteträgern bestehenden Lösch- und Suchen-und-Retten-Trupps“, erklärte Alexander Erber, Leiter des Fachbereichs „Unterirdische Verkehrsanlagen und Gebäude mit großer Eindringtiefe“ im Kreisfeuerwehrverband Traunstein.

Gerade die taktische Vorbereitung sei bei einem solchen Einsatz von entscheidender Bedeutung. „Die taktische Planung kann im Einsatzfall über Erfolg und Misserfolg entscheiden, da der Tunnel als solches nur einen Teil der Einsatzproblematik darstellt“, so Alexander Erber.

Auch die Führungskräfte müssen sich dabei auf besondere Rahmenbedingungen einstellen. Die Einsatzstelle ist räumlich weitläufig, die Kommunikation und Koordination zwischen den verschiedenen Einsatzabschnitten anspruchsvoll und die Wege für die Einsatzkräfte lang. Eine klare Aufgabenverteilung und ein strukturiertes Vorgehen sind deshalb wesentliche Bestandteile des Ausbildungskonzeptes.






Ausbildung zeigt Wirkung

Mit dem Verlauf der Übung zeigte sich Kreisbrandrat Christof Grundner zufrieden. „Die Kameradinnen und Kameraden haben sehr konzentriert und effektiv gearbeitet. Wir hatten bei der Übungsvorbereitung eigentlich mehr Zeit bis zum Erreichen des Einsatzziels erwartet. Wir freuen uns aber natürlich, dass unsere Ausbildungsmodule die Kernaufgaben bei derartigen Ereignissen gut erfassen und den Einsatzkräften damit eine Richtschnur zur Bewältigung dieser besonderen Herausforderungen an die Hand geben.“

Die Übung sei zugleich ein wichtiger Bestandteil eines kontinuierlichen Ausbildungsprozesses. Die Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung werden ausgewertet und fließen anschließend wieder in die Ausbildung des Kreisfeuerwehrverbandes ein.

Bereits am Mittwoch, 23. September, gegen 19 Uhr steht die nächste praktische Erprobung auf dem Programm. Dann wird eine ähnlich gelagerte Übung im Ettendorfer Tunnel in Surberg stattfinden. Auch die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen anschließend ausgewertet und für die weitere Ausbildung genutzt werden.

 

Quelle: Kreisfeuerwehrverband Traunstein
Bildquelle: Stefan Lohwieser, Wolfgang Gasser, Kreisfeuerwehrverband Traunstein, Vanessa Hallweger, NH-News