Tunnelbrand unter Atemschutz: Feuerwehr startet neuen Pilotlehrgang

(Ruhpolding, Bayern). Besondere Einsatzlagen erfordern besondere Vorbereitung: In Ruhpolding fand im Zuge der jüngsten Übungen in den Tunnelanlagen erstmals ein Pilotlehrgang für Atemschutzgeräteträger des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein mit dem Schwerpunkt Tunnelbrandbekämpfung statt.

15 Feuerwehrdienstleistende aus Inzell, Ruhpolding, Eisenärzt, Surberg und Trostberg nahmen an der „Premierenveranstaltung“ dieser Ausbildung teil.

Theoretische Grundlagen für den Tunneleinsatz

Zu Beginn des Lehrgangs standen die theoretischen Grundlagen im Mittelpunkt. In rund einer Stunde wurden die besonderen Herausforderungen bei Bränden in Tunneln vermittelt. Neben der eingeschränkten Sicht und der schwierigen Orientierung stellen insbesondere die Hitzeentwicklung, die räumlichen Verhältnisse und die erschwerte Kommunikation, hohe Anforderungen an die eingesetzten Atemschutzgeräteträger.

Erkunden, Löschen sowie Suchen und Retten

Im Anschluss ging es unmittelbar in die Praxis. An verschiedenen Ausbildungsstationen wurden die wesentlichen Einsatzabläufe trainiert. Dabei standen die drei Schwerpunkte Erkunden, Löschen sowie Suchen und Retten im Mittelpunkt. Die Teilnehmer erhielten zunächst die notwendigen taktischen Grundlagen und setzten diese anschließend unter möglichst realitätsnahen Bedingungen praktisch um. Dabei konnten die Einsatzkräfte auch verschiedene Ausrüstungsgegenstände testen, die speziell für die Tunnelbrandbekämpfung zum Einsatz kommen.

„Bei einem Tunnelbrand treffen mehrere besondere Herausforderungen aufeinander. Die Einsatzkräfte müssen sich trotz eingeschränkter Sicht orientieren können, den Brand gezielt bekämpfen und gleichzeitig nach möglicherweise eingeschlossenen Personen suchen“, erklärt Alexander Erber, Fachberater Atemschutz im Kreisfeuerwehrverband Traunstein und Lehrgangsleiter. „Deshalb war es uns wichtig, die einzelnen Tätigkeiten nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern miteinander zu verbinden und praktisch zu trainieren.“





Zwei Einsatzübungen unter verrauchten Bedingungen

Den Abschluss des Pilotlehrgangs bildeten zwei Einsatzübungen unter verrauchter Atmosphäre. Dabei konnten die Teilnehmer das zuvor Erlernte in einer zusammenhängenden Einsatzsituation anwenden. Von der Erkundung über das Vorgehen und die Brandbekämpfung bis hin zur Suche und Rettung wurden die einzelnen Abläufe unter erschwerten Sichtbedingungen trainiert.

Der Pilotlehrgang soll dazu beitragen, die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger im Landkreis Traunstein um einen weiteren praxisorientierten Schwerpunkt zu ergänzen. Die Erfahrungen aus der ersten Durchführung fließen in die weitere Ausgestaltung des Ausbildungskonzepts ein.

Die Rückmeldungen aus „dieser Premiere“ sollen nun in die weiteren Lehrgangsplanungen einfließen. Ziel ist es, dass möglichst viele Atemschutzgeräteträger in deren erweiterten Einsatzbereich sich eine Tunnelanlage befindet an der Ausbildung teilnehmen.





Ausbildung ohne gesperrten Tunnel

Für die Premiere hat sowohl die Feuerwehr Ruhpolding wie auch das Bauunternehmen Mayer aus Ruhpolding ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. „Wir können ja zu Ausbildungszwecken nicht einfach einen Tunnel sperren“, so Alexander Erber mit einem Augenzwinkern und betont, „deshalb haben wir nach Möglichkeiten umgesehen, die einer Tunnelanlage nahe kommen, um unsere Übungen durchzuführen“.





Feuerwehraktionswoche 2026

Der Pilotlehrgang passt zugleich zum aktuellen Schwerpunkt der Feuerwehraktionswoche 2026, die vom 25. September bis 4. Oktober unter dem Motto „Viele Gesichter. Eine Heimat.“ stattfindet. Die bayerischen Feuerwehren zeigen dabei, wie vielfältig die Aufgaben und Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements sind. Die Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern ist ein Beispiel dafür, wie Feuerwehrdienstleistende sich kontinuierlich auf anspruchsvolle Einsatzsituationen vorbereiten und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung leisten.

Wer selbst Teil dieser Gemeinschaft werden möchte, ist herzlich eingeladen, die Feuerwehr vor Ort kennenzulernen. Einfach bei der örtlichen Feuerwehr vorbeischauen, Kontakt aufnehmen und ausprobieren, was Feuerwehr zu bieten hat – denn für die Feuerwehr gibt es viele Gesichter und für jeden die passende Aufgabe. Außerdem sind auf der Homepage des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein alle Ansprechpartner der heimischen Feuerwehren aufgelistet.

 

Quelle: Kreisfeuerwehrverband Traunstein/Hubert Hobmaier
Bildquelle: Hubert Hobmaier