Wenn Hannover der Strom ausgeht: Großübung mit Pflegeheim-Evakuierung und Notstrom

Hannover (Niedersachsen). Was passiert, wenn über längere Zeit der Strom ausfällt? Dieses Szenario haben am Samstag, 7. November 2026, rund 500 Einsatzkräfte mit 110 Einsatzfahrzeugen im Stadtgebiet trainiert. Erstmals wurden dabei alle 43 Notfallinformationspunkte zeitgleich aufgebaut.

Die groß angelegte Katastrophenschutzübung umfasste unter anderem die simulierte Evakuierung eines Pflegeheims, Transporte von Menschen mit strombetriebenen medizinischen Hilfsmitteln und die Notstromversorgung wichtiger Gebäude. Nach Angaben der Feuerwehr verlief die Übung erfolgreich.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Szenario: Länger andauernder Stromausfall in Teilbereichen Hannovers.
  • Umfang: Rund 500 Einsatzkräfte und 110 Einsatzfahrzeuge.
  • Premiere: Erstmals zeitgleicher Aufbau aller 43 Notfallinformationspunkte.
  • Schwerpunkte: Betreuung besonders gefährdeter Menschen, Krankentransporte, Notstromversorgung und Führungsarbeit.
  • Nächster Schritt: Vorbereitung der personellen Besetzung für einen schnellen und dauerhaften Betrieb der Notfallpunkte spätestens ab Jahresmitte 2027.

Organisationen trainieren gemeinsam den Krisenfall

Die Feuerwehr Hannover führte die Übung gemeinsam mit den am Katastrophenschutz beteiligten Hilfsorganisationen und weiteren Partnern durch. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen eines länger andauernden Stromausfalls auf die Bevölkerung und die kritische Infrastruktur.

Beteiligt waren neben der Feuerwehr der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst und das Technische Hilfswerk. Weitere Partner waren unter anderem das DIAKOVERE Friederikenstift und enercity.

An verschiedenen Standorten im Stadtgebiet wurden unterschiedliche Einsatzszenarien unter möglichst realistischen Bedingungen trainiert und die Zusammenarbeit der Organisationen erprobt.

Alle 43 Notfallinformationspunkte erstmals gleichzeitig aufgebaut

Ein besonderer Schwerpunkt war der erstmalige zeitgleiche Aufbau aller 43 Notfallinformationspunkte, kurz NIP. Diese sollen bei länger andauernden Stromausfällen als wohnortnahe Anlaufstellen dienen. Dort erhält die Bevölkerung verlässliche Informationen zur Lage und kann Hilfeersuchen absetzen.

Der Aufbau aller Standorte verlief erfolgreich. Die technische Ausstattung wurde unter realitätsnahen Bedingungen erprobt und steht für den Einsatzfall zur Verfügung.

Nun liegt der Schwerpunkt auf der weiteren Vorbereitung der personellen Besetzung. Da die Feuerwehrkräfte bei länger andauernden Schadenslagen vorrangig für andere Aufgaben benötigt werden, sollen Mitarbeitende weiterer Bereiche der Stadtverwaltung schrittweise den längerfristigen Betrieb unterstützen.

Dazu laufen bereits umfangreiche Vorbereitungen einschließlich der Qualifizierung und Schulung der vorgesehenen Mitarbeitenden. Ziel ist es, alle Notfallinformationspunkte spätestens ab Jahresmitte 2027 im Ereignisfall schnell und dauerhaft betreiben zu können.

Mit dem erfolgreichen Aufbau aller 43 Standorte wurde nach Angaben der Feuerwehr ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur vollständigen Einsatzbereitschaft erreicht.

Pflegeheim-Evakuierung und Hilfe für Menschen mit Heimbeatmung

Ein weiterer Schwerpunkt war die Versorgung und Betreuung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen.

Für ein Übungsszenario wurde angenommen, dass eine Pflegeeinrichtung wegen des Stromausfalls nicht mehr betrieben werden kann. Die Bewohner mussten deshalb anderweitig untergebracht werden.

Das DIAKOVERE Friederikenstift stellte freie Kapazitäten in einem notstromversorgten Krankenhaus als Ersatzpflegeeinrichtung zur Verfügung. Die von Komparsen dargestellten Pflegebedürftigen wurden mit Krankentransportwagen dorthin gebracht.

Auch die Verlegung von Menschen, die zu Hause auf strombetriebene medizinische Hilfsmittel angewiesen sind, wurde geübt. Dazu gehören insbesondere Heimbeatmungsgeräte. Deren Akkupufferung ermöglicht zwar einen zeitlich begrenzten Weiterbetrieb, reicht bei einem langanhaltenden Stromausfall jedoch nicht unbegrenzt aus.

Im Übungsverlauf wurden deshalb betroffene Personen von verschiedenen Privatadressen in das Friederikenstift verlegt.

Die Hilfsorganisationen betrieben eine zentrale Führungsstelle für die Transporte. Dort wurden verfügbare Transportkapazitäten erfasst, Anforderungen koordiniert und Einsatzmittel bedarfsgerecht zugeteilt.

THW versorgt Schulzentrum Ahlem mit Notstrom

Am Schulzentrum Ahlem stellte das Technische Hilfswerk die Stromversorgung mit externen Generatoren sicher.

Geübt wurde damit die Möglichkeit, ausgewählte Gebäude der kritischen Infrastruktur ohne fest eingebaute Notstromversorgung durch eine externe Einspeisung zumindest teilweise weiterzubetreiben.

Führungsstab und Technische Einsatzleitung koordinieren Maßnahmen

Der Führungsstab der Feuerwehr Hannover und eine Technische Einsatzleitung trainierten die Koordinierung der umfangreichen Maßnahmen.

Die beteiligten Führungskräfte bewerteten fortlaufend die Lage, setzten Prioritäten und trafen Entscheidungen zur Gefahrenabwehr sowie zum Erhalt wichtiger Versorgungsstrukturen. Ein wesentlicher Bestandteil war dabei die Einbindung von enercity als örtlichem Netzbetreiber.

Die detaillierte Auswertung folgt in den kommenden Wochen. Die Erkenntnisse sollen genutzt werden, um den Bevölkerungsschutz in Hannover kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Feuerwehr und Stadt danken allen Beteiligten

Dr. Axel von der Ohe, Erster Stadtrat und Feuerwehrdezernent der Landeshauptstadt Hannover, erklärte:

„Ein leistungsfähiger Bevölkerungsschutz ist eine gesamtstädtische Aufgabe und ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die heutige Übung hat gezeigt, wie eng Verwaltung, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und weitere Partner im Krisenfall zusammenarbeiten. Mein besonderer Dank gilt den Bürger*innen für ihr Verständnis sowie ihre Akzeptanz während der Übung. Diese Unterstützung trägt wesentlich dazu bei, dass wir unsere Vorbereitungen auf außergewöhnliche Schadenslagen realitätsnah überprüfen und weiterentwickeln können.“

Christoph Bahlmann, Direktor der Feuerwehr Hannover, sagte:

„Ein länger andauernder Stromausfall ist für uns ein zentrales Szenario im Bereich des Krisenmanagements. Dieses Szenario stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. Umso wichtiger sind belastbare Konzepte, erprobte Führungsstrukturen und gut ausgebildete Einsatzkräfte. Die heutige Übung hat eindrucksvoll gezeigt, wie engagiert und professionell die haupt- und ehrenamtlichen Helfer*innen zusammenarbeiten. Für ihren Einsatz, ihre Bereitschaft zur Teilnahme und ihr außergewöhnliches Engagement danke ich allen Beteiligten ausdrücklich.“

 

Quelle: Feuerwehr Hannover
Bildquelle: Feuerwehr Hannover


Polizei.news erklärt | Notfallinformationspunkte

Wenn Telefon und Internet ausfallen: Wie ein Notfallpunkt Verbindung hält

Ein Notfallinformationspunkt ist eine vorbereitete Anlaufstelle für Krisenlagen. Er soll die Verbindung zwischen Bevölkerung und Einsatzorganisationen aufrechterhalten, wenn die gewohnten Kommunikationswege ausfallen.

Funk statt Mobilfunk

Zur vorgesehenen Ausstattung in Hannover gehören unter anderem ein Digitalfunkgerät, ein Stromerzeuger, Beleuchtung und Dokumentationsmaterial. So können Informationen und Hilfeersuchen aufgenommen und über die Einsatzkommunikation weitergegeben werden.

Informationen funktionieren auch auf Papier

Flipcharts ermöglichen es, wichtige Lageinformationen sichtbar auszuhängen. Dafür brauchen Besucher weder ein geladenes Smartphone noch eine Internetverbindung.

Notrufleitungen für echte Notfälle freihalten

Die Stadt Hannover bittet darum, die Nummern 110 und 112 nicht mit allgemeinen Informationsanfragen zu blockieren. Beachten Sie bei einer Krisenlage die amtlichen Hinweise, etwa über Radio oder Lautsprecherdurchsagen.


 

Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion