EHEC-Infektionen: Fakten gegen Panik

03.06.2011 |  Von  |  Allgemein
EHEC-Infektionen: Fakten gegen Panik
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Nach dem Hype um BSE, Vogel- oder Schweinegrippe machen derzeit die EHEC-Darminfektionen Schlagzeilen. Doch die Fakten zeigen: Zur Panik besteht auch diesmal kein Anlass. Fragen und Antworten zum Thema.

Wie viele EHEC-Fälle gibt es derzeit?

Bis Mittwoch wurden in ganz Deutschland über 1000 Erkrankungen gemeldet, bis Donnerstag gab es 17 Todesfälle. Zehn weitere europäische Länder meldeten laut WHO eine Reihe von EHEC-Fällen. Schweden: 28 Infizierte. Dänemark: 7. Frankreich: 6. Niederlande: 4. Großbritannien, Österreich und Schweiz: je 2. Norwegen und Spanien: je 1.

Sind EHEC-Infektionen neuartig?

Keineswegs. Schon vor über zehn Jahren sorgte der Darmkeim für mediale Aufregung, wie etwa hier in einem „Focus“-Bericht von 1996 nachzulesen. Eine Meldepflicht besteht in Deutschland seit 1998. Erfasst wird auch das HU-Syndrom als schwere Komplikation von EHEC-Infektionen. Gemeldete HUS-Fälle: 2001 – 65, 2002 – 118, 2003 – 82. Ab Mai 2011 registrierte das Robert-Koch-Institut zuerst in Norddeutschland erhöhte Fallzahlen (insgesamt bis Ende Mai 470 HUS-Fälle, darunter neun Todesfälle – Quelle: Wiki). Forscher machen für die gestiegenen Infektionen einen neuen Bakterienstamm verantwortlich. Deutsche und chinesische Wissenschaftler fanden heraus, dass es sich dabei um eine Kreuzung aus zwei bekannten Serotypen des Escherichia-coli-Bakteriums handelt.

Wie gefährlich sind EHEC-Infektionen?

EHEC-Infektionen können zu schweren Darmerkrankungen mit blutigem Durchfall führen. Die meisten Fälle verlaufen glimpflich und sind durch aktivierte Selbstheilung nach 14 Tagen überstanden. So sind die ersten Hamburger Fälle bereits wieder entlassen worden, und auch die beiden Schweizer EHEC-Patienten sind stabil. Eine mögliche schwere Folgeerscheinung von EHEC-Infektionen ist das HU-Syndrom mit Nierenversagen und neurologischen Komplikationen. Betroffen sind 20 bis 30 Prozent aller Fälle.

Ist eine Ausbreitung durch Ansteckung von Mensch zu Mensch zu befürchten?

Nicht im grossen Masse. Die Übertragung erfolgt durch orale Aufnahme von Fäkalspuren. Nur bei geschätzten 20 Prozent aller Fälle wird der Erreger durch Stuhl von Mensch zu Mensch übertragen. Denkbare Infektionswege sind weiterhin schmutziges Trinkwasser oder auch mit Gülle verunreinigtes Gemüse.

Muss ich jetzt vorsichtshalber auf rohes Gemüse verzichten?

Eine solche Empfehlung ist nicht sinnvoll, so lange die Infektionsquelle nicht sicher geklärt ist. Mit ihrer voreiligen Warnung vor angeblich gefährlichen spanischen Gurken hat sich die deutsche Regierung bereits in die Nesseln gesetzt. Dass der Infektionsherd überhaupt je ermittelt werden kann, ist fraglich. Denn auch in vergangenen Jahren war dies nicht möglich. So standen 2002 als mögliche Risikofaktoren für EHEC-Infektionen selbst gepresster Apfelsaft und ein Joghurtprodukt in Verdacht. Die definitive Ursache des Ausbruchs wurde jedoch nie geklärt.

Wie hoch ist das Risiko, dass ich an einer EHEC-Infektion erkranke?

Gemessen an der Wahrscheinlichkeit, sich andere Krankheiten zuzuziehen, ist das Risiko äusserst gering. Da müsste man eher Angst vor Krebs haben, zieht man in Betracht, dass pro Jahr in Deutschland 400.000 Menschen, in der Schweiz 35.000 Menschen hieran erkranken. Also: Statt sich durch die Medien mit Ängsten anstecken zu lassen, gilt die Devise: Ruhe bewahren und sich seiner Gesundheit erfreuen – zum Beispiel bei einem leckeren Gurkensalat.

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simon-sagt.de

 

Titelbild: Markus Wegner / pixelio.de

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