Justizfall Strauss-Kahn: Angebliches Opfer im Zwielicht

02.07.2011 |  Von  |  Weltgeschehen
Justizfall Strauss-Kahn: Angebliches Opfer im Zwielicht
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Wer von Anfang an das Gefühl hatte, dass der Vergewaltigungsprozess gegen den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zum Himmel stinkt, darf sich jetzt bestätigt sehen. Denn inzwischen wurde die Hauptbelastungszeugin der mehrfachen Lüge überführt, und ein krimineller Hintergrund ihres Vorwurfs ist wahrscheinlich.

Jetzt steht die Anklage kurz vor dem Scheitern. Am Freitag hatte das Gericht in New York entschieden, Strauss-Kahn gegen Auflage freizulassen und die Kaution aufzuheben.

Am 14. Mai soll Strauss-Kahn die aus Guinea stammende Hotelangestellte angeblich in einem New Yorker Hotel zum Sex gezwungen haben. Doch die Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Opfers ist schwer erschüttert. Alles sieht danach aus, dass das offenbar in Drogenhandel und Geldwäsche verstrickte Zimmermädchen sich finanzielle Vorteile von einer Anzeige versprach. Nachdem die Staatsanwaltschaft Strauss-Kahn schon praktisch für schuldig erklärt hatte, war es kurioserweise sie selbst, und nicht die Verteidigung, die den Ungereimtheiten seitens der Hauptzeugin auf die Spur kam.

Hellhörig machte die Ermittler ein im Gefängnis aufgezeichneter Anruf, den das angebliche Opfer weniger als 24 Stunden nach Erhebung der Vorwürfe mit einem Inhaftierten führte, der wegen Drogenbesitzes einsitzt. „Mach dir keine Sorgen, dieser Typ hat viel Geld, ich weiss, was ich tue“, liess das Zimmermädchen ihn wissen.

In den vergangenen zwei Jahren wurden auf das Konto der Frau 100’000 Dollar eingezahlt, möglicherweise auch von dem besagten Häftling. Es besteht der Verdacht der Geldwäsche. Das Zimmermädchen behauptet, die Zahlungen stammen von ihrem Verlobten und seinen Freunden. Ferner sagte sie aus, in ihrer Heimat Opfer von Vergewaltigung und Verstümmelung geworden zu sein, wovon aber nichts in ihrem Asylantrag steht. Ausserdem wisse sie nichts davon, monatlich Hunderte Dollar an fünf verschiedene Telefonanbieter gezahlt zu haben.

In meinem vorherigen Blogeintrag zum Thema hatte ich bereits die Vorverurteilung des Ex-IWF-Chefs scharf kritisiert. Nun zeigt sich, wie berechtigt diese Kritik ist. Ähnlich wie im Fall Jörg Kachelmann wurde die Unschuldsvermutung wieder einmal sträflich missachtet. Strauss-Kahn wurde öffentlich vorgeführt wie ein bereits verurteilter Straftäter. Was hatte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gesagt? „Es sieht alles danach aus, dass er es getan hat.“ Wer hier widersprach, wurde unter der Hand bezichtigt, einen Vergewaltiger zu schützen. Jetzt zeigt sich umso mehr: Es sieht alles danach aus, dass Strauss-Kahn es nicht getan hat.

Die Bilder des „Perp-Walks“ werden nicht mehr zu löschen sein und dem Ex-IWF-Chef auch dann anhaften, wenn er am Ende für unschuldig erklärt wird. Von allen, die ihn schon öffentlich als schuldig gehandelt haben, wäre dann zumindest eine Entschuldigung fällig! Ob wir das erleben werden?

 

Titelbild: International Monetary Fund / Wikimedia Commons

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