Als staatenloser Deutscher „gefangen in Bern“

19.07.2011 |  Von  |  Gesellschaft
Als staatenloser Deutscher „gefangen in Bern“
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Eine merkwürdiger Bericht erschien bei „Welt online“. Erzählt wird die Geschichte vom deutschen Tontechniker Peter Wilk (50), der sich als Staatenloser in der Schweiz gefangen sieht. Grund: Seine Papiere sind längst abgelaufen.

Um diese zu verlängern, müsste er bei der deutschen Botschaft nachweisen, Deutscher zu sein. Doch bei der Anerkennung dieses Nachweises stellt sich die Botschaft seit Jahren quer. Auch Schweizer kann der Tontechniker ohne gültige Papiere nicht werden.

1989 beginnt Wilks Geschichte, als er nach Bern zieht und dort als Tontechniker zu arbeiten beginnt. Nach zwei Jahren läuft sein Pass ab, etwas später auch sein Personalausweis. Wilk versäumt, die Papiere rechtzeitig zu verlängern. 1993 geht er hierfür erstmals zur deutschen Botschaft in Bern. Es folgt ein langwieriger Papierkrieg mit der deutschen Behörde. Laut Wilk habe diese immer neue Papiere verlangt. Ein von „Welt“ befragter anonymer Botschaftsmitarbeiter berichtet, die erforderlichen Papiere hätten nie vorgelegen.

2002 wurde Wilk eine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz erteilt. 2005 nimmt er sich einen Anwalt, der der Botschaft ein umfangreiches Dossier vorlegt. Darin enthalten: Kopien von Wilks altem Pass, ein Auszug aus dem Familienbuch, seine Wehrdienstbescheinigung, ein polizeiliches Führungszeugnis sowie die Meldebescheinigung seiner Eltern. Das reicht aber offenbar immer noch nicht – die Botschaft zweifelt weiter daran, dass Wilk Deutscher ist. „Er hat sehr lange in der Schweiz gelebt, ohne gültige Papiere. Allein das gibt Anlass zu zweifeln, ob er noch Deutscher ist“, zitiert „Welt“ den anonymen Informanten.

2010 klagt Wilk gegen die Bundesrepublik Deutschland. Das Verwaltungsgericht Berlin weist die Klage im Februar 2011 zurück  – aus formalen Gründen, denn der Tontechniker hätte einen neuen Reisepass zuerst schriftlich bei der Botschaft beantragen müssen.

Stellt sich die Frage: Wenn es stimmt, dass, wie „Welt“ schreibt, Tausende Deutsche jährlich ihren Pass zu verlängern vergessen und dies nachträglich problemlos tun können, warum geht Wilk dann nicht einfach nach Deutschland, um dort seinen Pass zu verlängern?

Laut „Welt“ hat Wilk offenbar Angst, ohne gültige Papiere nicht mehr in die Schweiz einreisen zu können. Dabei setzt er einfach voraus, dass es ihm auch in Deutschland nicht gelingen wird, seine Papiere zu verlängern. Er wäre damit aber eine absolute Ausnahme von Tausenden vergleichbarer Fälle. Der Eindruck drängt sich auf: Wilk möchte in seinem „Gefängnis“ auch dann bleiben, wenn man ihm einen Schlüssel zuwirft.

 

Titelbild: Rainer Sturm / pixelio.de

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1 Kommentar


  1. Ist schon ziemlich lächerlich was diverse Leute sich zusammenschmieren ohne seriös Fakten zu recherchieren!
    Geht besser Stempeln!

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