Die billigen Tricks der Astrologen

28.12.2011 |  Von  |  Gesellschaft
Die billigen Tricks der Astrologen
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Während das neue Jahr näher rückt, hat ein unseriöser Geschäftszweig Hochkonjunktur – die Sternendeuter-Branche. Viele erliegen der Versuchung, sich von selbst ernannten Astrologen voraussagen zu lassen, was das neue Jahr so bringt.

Dumm nur, dass die Branche ausser Betrug, Abzocke und leeren Versprechungen nichts zu bieten hat. Dreist nutzen Astrologen die Not und Naivität anderer Menschen aus, um daraus Profit zu schlagen. Im schlimmsten Fall wird das Befragen von „Hellsehern“ zur Sucht und diktiert das ganze Leben.

Mit welchen billigen Maschen die Branche arbeitet, deckte geradezu lehrbuchmässig der deutsche Moderator Jürgen Domian in seiner nächtlichen WDR-/1Live-Talk-Sendung vom 14. Dezember 2011 auf. Der Kult-Talker hat auch hierzulande viele Fans und ist Vorbild für „Nachtwächterin“ Barbara Bürer, die eine ähnliche Sendung im Schweizer Fernsehen und auf Radio DRS 3 hat.

Gabriel – ein „Hellseher“ blamiert sich

Hier das Protokoll des Sendeausschnitts: Der Anrufer Gabriel meldet sich. Er kritisiert, dass sich Domian in einer vergangenen Sendung negativ über das Hellsehen äusserte, und fordert Toleranz. Er selbst sei „hellsichtig“. Man erfährt, dass Gabriel für eine Astro-Hotline arbeitet, die pro Minute zwei Euro verlangt. Domian bekräftigt, dass Kritik angebracht sei. Astrologen würden mit ihrem Humbug armen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen.

Der „Hellseher“ kontert, dass sie schliesslich geprüfte Menschen seien. Gewitzt greift Domian dies auf und beginnt, den „Hellsichtigen“ in die Zange zu nehmen, indem er sagt: „Okay, dann darf ich dich prüfen, ja? Erzähl mir was aus meiner Vergangenheit!“ Dazu bräuchte er eine konkrete Frage, so Gabriel. Domian: „Wir war mein Verhältnis zu meinen Grosseltern?“ Gabriel legt nun im nebulösen Astrologen-Sprech los: „Das Verhältnis bekomme ich sehr positiv rein.“ Hier kommt Astro-Masche Nr. 1 zur Anwendung: Allgemeinplätze absondern.

Er solle konkreter werden, fordert Domian und fragt: „Welche Rolle haben meine Grossmutter und mein Grossvater in meinem Leben gespielt?“ – „Ist dein Großvater vorher gestorben?“, will Gabriel jetzt kurioserweise von Domian wissen. Hier haben wir Astro-Masche Nr. 2: Gegenfragen stellen, um auf die richtige Spur gelenkt zu werden.

Und plötzlich brach dem „Hellsichtigen“ die Leitung weg…

Doch bei Domian hat Gabriel damit keine Chance. „Ich sage dir gar nichts, du musst das wissen, du bist der Hellsichtige!“ Man hört förmlich, wie der „Hellsichtige“ ins Schwitzen kommt. „Deine Grosseltern waren für dich eine Ersatzfamilie. – Hast du zu deinem Vater gar keinen Kontakt gehabt?“, versucht Gabriel es jetzt wieder mit Astro-Masche Nr. 1 und 2. „Ich gebe keine Auskunft, du bist der Hellsichtige“, kontert Domian erneut. Gabriel eiert noch eine Weile herum und meint dann: „Ich bekomme deinen Vater nicht rein. Entweder hattest du gar kein Verhältnis…“

Die Leitung bricht plötzlich ab… Domian stellt fest, dass kein technischer Fehler vorliege und am anderen Ende aufgelegt worden sei. Die Redaktion werde Gabriel zurückrufen. Vermutung: Gabriel hat – vom Moderator in die Ecke gedrängt – aufgelegt, um schnell im Internet zu recherchieren. Schade nur, dass dort nichts über Domians Verhältnis zu seinen Grosseltern steht, wie sich im Weiteren zeigen wird… (Domian vermeldet später, dass angeblich der Akku von Anrufer Gabriel leer gewesen sei.)

Allerweltsantworten vom „Hellseher“

Minuten später ist Gabriel wieder da. Domian: „Was war meine Grossmutter für ein Typ?“ – „Ich bekomme sie lebensfröhlich und aktiv rein“, ergeht sich der „Hellsichtige“ in Allgemeinplätzen (Astro-Masche Nr. 1). „Sie sah sehr jung aus. War sie sehr alt, als sie gestorben ist?“ (Astro-Masche 1 und 2 kombiniert). „Du stellst nicht die Fragen“, bekräftigt der Moderator.

Von seinem Grossvater habe er die Liebe bekommen, die er vom Vater nicht bekam, meint Gabriel. Domian belässt ihn weiter im Unklaren und setzt ihn so noch mehr unter Druck. „Was für ein Beruf hatte mein Grossvater?“ Achtung: Jetzt folgt Astro-Masche Nr. 3 – rausreden, wenn es konkret wird. „Aus dem Stand kriege ich das nicht rein“, so Gabriel. Ausserdem könne er die Frage in der Öffentlichkeit bzw. im Fernsehen nicht beantworten.

Domian erlöst den „Hellseher“ schliesslich und stellt fest: „Meine Grosseltern habe ich nie kennengelernt. Die Beziehung zu meinem Vater war hervorragend. Du hast also komplett daneben gelegen.“ – „Du hast deinen Grossvater nie gesehen?“, fragt Gabriel erstaunt. „Dann kann es auch dein Vater gewesen sein.“ Damit hätten wir Astro-Masche Nr. 4: Schnell umschwenken und alles so hinbiegen, dass es passt.

Domian kritisiert noch einmal die Methode, Leute mit Allgemeinplätzen an sich zu binden. Im Weiteren redet sich der „Hellsichtige“ heraus, dass ihm die Testsituation nicht liege. „Man darf dich also nicht testen“, betont Domian mehrmals. Der „Hellsichtige“ weicht aus. Und das bleibt schliesslich als Fazit übrig: Nein, testen darf man Vertreter der Hellseher-Branche nicht. Sonst würde ja auffallen, dass sie nur heisse Luft produzieren.

Hier der Sendemitschnitt (Quelle: www.nachtlager.de):

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Titelbild: Kzenon – shutterstock.com


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