Torklau England/Ukraine: Führt endlich Technik für Fussball-Schiedsrichter ein!

20.06.2012 |  Von  |  News

Skandalös: Die Ukraine erzielt im EM-Vorrundenspiel gegen England ein Tor – doch der ungarische Torrichter merkt es nicht. Folge: Das EM-Gastgeberland muss sich mit 0:1 gegen England geschlagen geben und scheidet aus der EURO 2012 aus. Mit wirksamen Mitteln hätte der Skandal verhindert werden können – aber die UEFA sperrt sich dagegen.

Es passierte in der 62. Spielminute. Der ukrainische Angreifer Marko Devic startete aus der Abseitsposition und lief allein auf das gegnerische Tor zu. Sein Schuss wurde vom englischen Goalie Joe Hart schliesslich mit einer Fussabwehr Richtung Tor verlängert. John Terry versuchte noch zu klären – doch zu spät: Der Ball war bereits hinter der Linie gelandet, wie die Zeitlupe zeigte.

Den regulären Treffer – von den Fernsehkameras klar festgehalten – hatten weder der Torrichter noch der Linienrichter erkannt. Referee Viktor Kassai liess das Spiel einfach weiterlaufen – eine fatale Fehlentscheidung, durch die das EM-Gastgeberland um den verdienten Ausgleich gebracht wurde. Trainer Oleg Blochin tobte verständlicherweise, und die Ukrainer sind nun zu Recht empört.

Torlinientechnologie – von der UEFA nicht erwünscht

Eine wirksame Massnahme hätte den Skandal verhindern können: die Einführung technischer Mittel an der Torlinie, wie sie von der FIFA favorisiert, aber von der UEFA hartnäckig abgelehnt wird. Denkbar ist sowohl eine Torkamera (Hawk-Eye-Technik) als auch ein Magnetfeld am Tor, das die exakte Position des Balls per Funksignal überträgt (GoalRef-System). Ob der Ball die Linie überquert hat, könnte der Schiedsrichter so entweder auf dem Bildschirm oder auf seiner Uhr ablesen.

UEFA-Präsident Michel Platini lehnt jedoch solche modernen technischen Hilfsmittel ab. „Man braucht solche Systeme nicht, Technik, Satellit, GPS oder Chip im Ball“, meint der Franzose. Er setzt lieber auf Torrichter, die den Schieds- und den Linienrichtern bei ihren Entscheidungen helfen sollen und seit der Saison 2009/10 in der Gruppenphase der Europa League eingeführt wurden. Seitens der UEFA wird die angebliche Effizienz der zusätzlichen Schiedsrichterassistenten gerühmt. Doch spätestens seit gestern hat sich das Projekt „Torschiedsrichter“ als Mega-Flop erwiesen.

Ein Torrichter, der Torklau zulässt, ist so wirksam wie ein Ladendetektiv, vor dessen Augen ungehindert Warendiebstahl geschieht. Der Segen moderner Technik könnte den menschlichen Irrtum bei Schiedsrichterentscheidungen minimieren helfen. Die Fussball-Nostalgiker von der UEFA wollen davon allerdings nichts wissen und erklären den Fussballplatz zur technikfreien Zone. Denn Technik macht den Fussball ja angeblich so schrecklich unromantisch und steril. Kurios, oder nicht?

 

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