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Wie ist die Schweiz auf ein Eindringen des Ebola-Virus vorbereitet?

01.09.2014 |  Von  |  Gesundheit

Das von eventuell in der Schweiz zu behandelnden Ebola-Erkrankten ein ernst zu nehmendes Ansteckungsrisiko ausgehen würde, ist unwahrscheinlich. Auch die immer wieder geäusserte Befürchtung, dass über Italien einreisende Flüchtlinge zu einer Ausbreitung der Krankheit in Europa führen könnten, ist eher unbegründet. Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt maximal 21 Tage; die Flüchtlinge sind aber meist bedeutend länger unterwegs. Da würden Krankheitssymptome sich bereits bei der Überfahrt zeigen.

Dies ist zwar auch genau der Zeitpunkt, zu dem eine Ansteckung möglich ist, führt aber gleichzeitig dazu, dass Träger erkannt und sofort isoliert werden könnten. Italien führt momentan bereits an Bord ankommender Schiffe und Boote medizinische Tests durch. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin gibt an, dass bereits mehr als 33’000 Menschen diese Screenings auf See durchlaufen hätten.

Dennoch stellen sich momentan viele Schweizer die Frage, wie gut das Land auf möglicherweise auftretende oder ins Land kommende Ebolafälle vorbereitet ist. Seit dem Jahr 1995, in dem ein Ebolapatient in die Schweiz kam und die Krankheit überlebte, wurde das Virus nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nicht mehr im Land verzeichnet. Der Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, Daniel Koch, hält den Fall auch für extrem unwahrscheinlich, es sei denn, man entscheide sich bewusst für die Aufnahme eines erkrankten Patienten – nicht zuletzt, weil die regulären Flugrouten der Schweizer Airlines eher Richtung Südafrika tendieren.

Dennoch ist die Schweiz auf eine mögliche Einreise gut vorbereitet. Würden sich auf einem Flug bei einem Passagier mögliche Symptome der Erkrankung zeigen, wären zunächst die Flughafenärzte für die erste Untersuchung zuständig. Von allen übrigen Passagieren würden die persönlichen Daten und Aufenthaltsorte aufgenommen, mehr nicht – denn das Risiko einer Ansteckung im Flugzeug ist so gut wie ausgeschlossen. Für alle, die trotzdem Vorsorge treffen möchten, reicht schon die Mitnahme von Desinfektionstüchern für mögliche Toilettenbesuche – eine in jedem Fall empfehlenswerte Massnahme bei Langstreckenflügen.

Für die Erstanamnese ist etwa am Flughafen Zürich ein abgesondertes Gebäude reserviert. Erhärtet sich der Verdacht, sind verschiedene Spitäler auf eine Aufnahme vorbereitet. Hierzu zählen vor allem auch die Universitätskliniken, etwa in Genf oder Lausanne. Hansjakob Furrer, Chefarzt für Infektologie des Inselspitals Bern, welches ebenfalls aufnahmebereit wäre, gibt an, dass kantonale Gesundheitsbehörden und Spitäler gemeinsam über das geeignetste Krankenhaus entscheiden.

Dort wird zunächst unter Einhaltung strikter Isolationsmassnahmen die Krankheitsursache abgeklärt und der Behandlungsverlauf definiert. Alle behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal tragen hierbei Masken mit Luftfiltern und Schutzbrillen sowie zwei Schichten Kleidung und Handschuhe. Von Mensch zu Mensch kann sich das Virus nicht übertragen. Es bedarf des Kontakts mit Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut, Urin, Exkremente oder Sperma, damit es zur Ansteckung kommen kann. Die Verbreitung des Virus in Krankenhäusern ist deshalb auch hauptsächlich auf fehlende Hygienemassnahmen und unzureichende Ausstattung mit Schutzkleidung zurückzuführen, nicht auf die Verbreitung der Viren über den Luftweg.

 

Oberstes Bild: © Michael Wick – Shutterstock.com