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Kannibalismus – auch in der Schweiz ein Thema?

18.09.2014 |  Von  |  Allgemein, Kriminalität

[vc_row][vc_column][vc_column_text]In den letzten Jahren sorgten verschiedene Fälle von Kannibalismus weltweit für Schlagzeilen. Glaubt man den Berichten, so gibt es zahlreiche Internetforen, in denen sich Menschen verabreden, um ihrer morbiden Lust nachzugehen – mit tödlichem Ausgang für zumindest eine Partei.

Doch gibt oder gab es auch in der Schweiz Kannibalen? Abgesehen von unseren Vorfahren, die sich gelegentlich ein Stück Menschenfleisch “gegönnt” haben sollen, kann diese Frage mit “Nein” beantwortet werden. Bei Ausgrabungen in der Nähe von Lausanne im Schweizer Kanton Waadt fanden Archäologen vor sechs Jahren menschliche Knochen, die Anzeichen von Kannibalismus aufwiesen. Die menschlichen Überreste sind jedoch über 2.000 Jahre alt.

Kannibalismus gehört zur Menschheitsgeschichte

Anthropophagie, so die wissenschaftliche Bezeichnung, ist traditionell in der Menschheitsgeschichte verwurzelt – es wird nur nicht gern darüber gesprochen, weil das Thema als absolutes Tabu gilt. Viele Kulturen opferten Menschen, um aus deren körperlichen und geistigen Fähigkeiten Kraft zu gewinnen. Oft mussten besiegte Feinde dafür ihr Leben lassen. Im alten Rom wurde Gladiatorenblut verwendet, um Kräftigungsmittel herzustellen. Zudem sollte es gegen Epilepsie helfen. Medizinischer Kannibalismus war bis ins 18. Jahrhundert verbreitet – auch in Europa und somit auch in der Schweiz, wie medizinhistorische Forschungen belegen. Als Armesünderfett und Schelmenfleisch wurden Teile von Hingerichteten an Pharmazeuten verkauft, die daraus magische Medizin herstellten – zum Schlucken, Einreiben oder Inhalieren.

Der einzige Schweizer Kannibalen-Fall der Neuzeit

2011 sorgte ein Fall in der Schweiz für Aufregung und Gesprächsstoff. Über einen “Kannibalenchat” lernten sich ein 43-jähriger Slowake und ein Schweizer kennen, die beide eine morbide Phantasie teilten, die so selten gar nicht sein soll: Der Wunsch, einen anderen Menschen zu verspeisen beziehungsweise sich verspeisen zu lassen. Es wurde jedes Detail der geplanten Tat übers Internet verhandelt. Der Slowake sollte sein Schweizer Opfer mit einem Stich ins Herz töten, anschliessend zerteilen, braten und essen. Verdeckte Ermittler lockten den potentiellen Kannibalen in eine Falle. Bei dem Treffen mit seinem vermeintlichen Schweizer Opfer kam es zum Schusswechsel, bei dem der Mann lebensgefährlich verletzt wurde. Die Identität des Schweizers wird bis heute von den Ermittlern geheim gehalten, um ihn zu schützen.

Drogen verantwortlich für die Lust auf Menschenfleisch?

2012 geriet eine Droge in die Schlagzeilen, die inzwischen auch in der Schweiz angekommen ist: Badesalz soll Menschen zu Kannibalen machen. Diese gefährliche Mixtur aus psychoaktiven Substanzen wie Methylendioxypyrovaleron, Mephedron und diversen anderen pharmazeutischen Wirkstoffen hindert die Menschen am Schlafen und macht sie aggressiv – gegen sich selbst, gegen Familienmitglieder, aber auch gegen wildfremde Personen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Einige Konsumenten dieser harmlos klingenden Droge entwickeln eine grausame Gier. Bekannt wurde ein Fall aus Miami (USA), wo ein Drogenabhängiger unter Einfluss von Badesalz einen Obdachlosen anfiel, sich in seinem Gesicht verbiss, Teile davon herausriss und schluckte. Der Angreifer konnte nur mit einem finalen Rettungsschuss von der Polizei gestoppt werden.

Im November 2013 wurde ein junger Mann im französischen Teil der Pyrenäen festgenommen, der Herz und Zunge eines von ihm getöteten 90-jährigen Mannes zubereitet haben soll. Die Teile hätten zusammen mit Bohnen und Kartoffeln auf einem Teller gelegen. Er habe Stimmen gehört, erklärte der 26-Jährige beim anschliessenden Verhör. Der Mann kam in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie. Laut seinem Vater hätte es nie zuvor Anzeichen für eine psychische Erkrankung gegeben. Ein Mord ist schon schlimm genug, passiert er jedoch im Zusammenhang mit Kannibalismus, kennt unsere Abscheu keine Grenzen mehr. So etwas “macht man einfach nicht”. Nun ja, jemanden umbringen macht man auch nicht! Dennoch gibt es allein in der Schweiz laut Kriminalstatistik jedes Jahr etwa 100 Tötungsdelikte.
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Kannibalismus ist aus kriminalstatistischer Sicht kein Thema. (Bild: Alexander Pekour / Shutterstock.com)

Kannibalismus ist aus kriminalstatistischer Sicht kein Thema. (Bild: Alexander Pekour / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=”grey”][vc_column_text]Auch 2014 gibt es einige Berichte über Kannibalismus

2014: Der aktuellste Fall stammt aus diesem Jahr und ist an Perversion nicht mehr zu überbieten. Vergleiche zu dem “Kannibalen von Rotenburg” (2001) oder zum Fall des sächsischen Polizeibeamten im November letzten Jahres können hier nicht gezogen werden, denn es ist noch viel schlimmer. In einem nigerianischen Hotelrestaurant (!) im Bundesstaat Anambra fanden Polizisten bei einer Razzia zwei menschliche Köpfe, die für die Zubereitung eines Gerichtes gedacht waren, das sogar auf der Speisekarte stand: gebratener Menschenkopf. Die perverse Speise soll in dem Lokal schon länger als Delikatesse angeboten worden sein. Nachdem die Polizei im Februar Leichenteile und Speisekarten als Beweismittel sicherte und alle Beteiligten festgenommen hat, gilt das Gerücht als bestätigt. Das Lokal ist inzwischen geschlossen.

Der Kriminalist Dr. Hans Girod versucht seit vielen Jahren herauszufinden, woher die Lust des Menschen auf Menschenfleisch kommt. Seiner Meinung nach leiden die psychisch gestörten, immer männlichen Täter an sozialen Bindungsstörungen und entarteten sexuellen Impulsen. Es gäbe zudem eine schwer einzuschätzende Dunkelziffer. Eine andere Form, nämlich der Kannibalismus aus soziologischer Sicht, auch kultivierte Anthropophagie genannt, hat hingegen mit dem Ermorden von Menschen und dem Verspeisen von Menschenfleisch nichts zu tun. Hiermit ist die allgegenwärtige Ellenbogengesellschaft gemeint, deren erfolgreichste Vertreter bereits am frühen Morgen in den Spiegel schauen und metaphorisch knurren “Friss oder du wirst gefressen”!

 

Oberstes Bild: © nunosilvaphotography – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]