Konsumkredite sollen günstiger werden

19.09.2014 |  Von  |  Konsum
Konsumkredite sollen günstiger werden
Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Fast 20 % aller Schweizer Haushalte verschulden sich zu Konsumzwecken. Vom Autokauf über Ferienreisen bis hin zur Stereoanlage: Wenn das Geld in der Kasse knapp ist, wird einfach ein Kredit in Anspruch genommen. Dies kann aber ein teurer Spass werden, denn ein Kreditgeber darf pro Jahr bis zu 15 % Zinsen verlangen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga will diesen Maximalzins nun senken. Die Branche hat allerdings bereits Widerstand angekündigt.

Nach dem Gesetz über den Konsumkredit, welches seit 2003 seine Anwendung findet, wird der maximal zulässige Zins vom Bundesrat festgelegt. Dabei soll er sich am allgemeinen Zinsniveau orientieren, denn wenn die Zinsen generell sinken, dann sollen auch Konsumkredite günstiger werden – so lautete jedenfalls die Überlegung hinter dem Gesetz. Allerdings befindet sich der maximale Zinssatz für Konsumkredite unverändert bei 15 %, obwohl beispielsweise seit Ende 2003 die Verzinsung zehnjähriger Bundesobligationen um gute zwei Prozentpunkte gesunken ist.

Konsumentenschützer verlangen eine Senkung

Bundesrätin Simonetta Sommaruga will dies nun ändern. Schliesslich drängen Konsumentenschutzkreise schon seit mehreren Jahren auf eine Senkung, und als ehemalige Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz ist Sommaruga mit der Materie bestens vertraut. Allem Anschein nach geht es der Justizministerin aber nicht nur um eine einfache Anpassung an das veränderte Zinsniveau, sondern um eine deutliche Reduktion. Laut Aussage der Verwaltung würde sich ansonsten der Aufwand einer Revision kaum lohnen.

Nur durch eine solche Revision liessen sich die anfänglich begangenen Fehler der heutigen Regelung wieder ausbügeln. Schliesslich orientierte sich der 2003 vom Bundesrat beschlossene Maximalzins von 15 % am Zinsniveau der 90er-Jahre. Auf zehnjährige Bundesobligationen gab es damals zeitweise Zinsen von mehr als 6 %, weswegen auch die Maximalsätze in den kantonalen Vorläuferbestimmungen zum Konsumkreditgesetz eine entsprechende Höhe aufwiesen. Damals sahen die Kantone eine Obergrenze für Konsumkredite von bis zu 18 % vor.

Angesichts dieser Umstände plant das Justizministerium, im Herbst dieses Jahres eine Vernehmlassung durchzuführen. Allerdings liesse sich dieser Schritt auch umgehen, denn wie schon erwähnt könnte der Bundesrat auch einfach selber den neuen maximalen Zinssatz auf dem Verordnungsweg festlegen. Wie zu erwarten, stösst die von Sommaruga angestrebte Senkung allerdings in Zürich, beim Verband der Schweizerischen Kreditbanken und Finanzierungsinstitute, auf Widerstand. Geschäftsführer Robert Simmen sagt, dass man nicht nur stur auf das Zinsniveau schauen dürfe, denn insbesondere die Regulierungskosten hätten in den letzten Jahren einen starken Anstieg erfahren.

Kredite in Milliardenhöhe

Zum Ende des Jahres 2013 standen in der gesamten Schweiz Konsumkredite in Höhe von 7,5 Milliarden Franken aus. Bereits eine Reduktion des Maximalzinses um drei oder vier Prozentpunkte würde somit starke Folgen für die Branche nach sich ziehen. Bei einem der wichtigsten Anbieter auf dem Markt, der Cembra MoneyBank, liegt der derzeitige Jahreszins beispielsweise zwischen 9,95 und 14,50 %. Ähnlich sieht es bei der Credit-Suisse-Tochter Bank-now aus; diese vergibt Kredite mit einem Jahreszins von 9,90 bis 13,90 %.

Günstigere Kredite mit einem maximalen Zinssatz von 11,90 % erhalten Konsumenten dagegen bei Cashgate oder im Internet bei der Migros-Bank. Diese vergibt Kredite zu einem günstigen Satz von 5,90 % und dürfte somit kaum Probleme durch eine Senkung des Maximalzinses bekommen. Bei allen Krediten gilt allerdings die Regel: Je schlechter der Kreditnehmer finanziell aufgestellt ist, desto höher fallen die Zinsen aus, die er bezahlen muss.

Aber nicht nur bei den Banken, sondern auch innerhalb des Bundesrats muss Sommaruga Überzeugungsarbeit leisten. Dieser stellte sich nämlich bislang vehement gegen eine Senkung des Maximalzinses. Im Jahr 2007 schrieb die Regierung, dass die 15 % eine ausgewogene Lösung darstellen würden. Diese komme den Bedürfnissen der Branche ebenso entgegen wie dem Schutz der Kreditnehmer. Zudem berief man sich auf eine Studie, die aufgezeigt habe, dass ein Mindestzinssatz von 7,65 % für die Banken nötig sei, um die eigenen Kosten zu decken. Auf diese müsse dann noch die Marge aufgeschlagen werden, die zur Refinanzierung nötig sei.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Bundesrätin Simonetta Sommeruga fordert eine Senkung des Maximalzinses für Konsumkredite. Die Branche hat bereits Widerstand angekündigt. (Bild: Art3d / Shutterstock.com)

Bundesrätin Simonetta Sommeruga fordert eine Senkung des Maximalzinses für Konsumkredite. Die Branche hat bereits Widerstand angekündigt. (Bild: Art3d / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Die Gegner der Zinssenkung führen aber nicht nur ökonomische Interessen ins Feld, sondern auch soziale Gründe. So würden tiefe Zinsen dazu führen, dass Kunden mit schlechter Bonität fast keine Möglichkeit mehr hätten, an einen Kredit zu kommen. Die Stiftung Konsumentenschutz würde dies allerdings sehr begrüssen, denn nach Meinung von Geschäftsführerin Sara Stalder werden Konsumkredite heute oft viel zu leichtfertig vergeben. Durch eine Senkung könnte man die Banken zwingen, bei der Kreditvergabe genauer hinzusehen.

Aggressive Werbung soll verboten werden

Neben der Stiftung Konsumentenschutz kümmert sich auch der Nationalrat um die Interessen der Konsumenten. Dieser möchte die Werbung für Konsumkredite einschränken und hat dazu im Frühjahr seine Zustimmung zu einer Vorlage gegeben, die aggressives Vorgehen bei der Werbung verbietet. Allerdings wird im Gesetz nicht definiert, was unter aggressiven Werbemethoden zu verstehen ist. Stattdessen wird diese Regelung der Branche überlassen, die jetzt selbst festlegen soll, auf welche Werbetricks sie in Zukunft verzichten möchte.

Laut einem Entwurf des Kreditbankenverbands zur Selbstregulierung soll beispielsweise künftig auf Werbung für Kredite verzichtet werden, die den Anschein erweckt, dass ein Kredit auch ohne Bonitätsprüfung erhältlich sei. Auch soll es keine Werbung mehr für Kredite zur Finanzierung kostspieliger Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Ferien oder Hochzeiten geben. Ob der Ständerat diesem Entwurf allerdings zustimmen wird, ist noch offen.

 

Oberstes Bild: © Robert Kneschke – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

Ihr Kommentar zu:

Konsumkredite sollen günstiger werden

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.