Lösung für Fachkräftemangel: Mehr Frauen in die Betriebe

28.11.2014 |  Von  |  Gesellschaft
Lösung für Fachkräftemangel: Mehr Frauen in die Betriebe
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Zahlreiche Unternehmen sehen sich nach dem eindeutigen Votum der Schweizer zur Begrenzung der Zuwanderung vor noch grössere Probleme gestellt, um geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Wirtschaftsministerium legte deshalb einen Massnahmekatalog vor, um geeignete Lösungen zu finden. 

Unter anderem sollen durch Steuerreformen, qualifizierte Teilzeitjobs sowie Ganztagsbetreuung für Kinder Voraussetzungen geschaffen werden, damit wieder mehr Frauen ihr berufliches Potenzial ausschöpfen und gleichzeitig zur Lösung des Fachkräftemangels beitragen.

Es ist kein Geheimnis, dass der Schweizer Wirtschaft Fach- und Führungskräfte fehlen. Bereits seit dem vergangenen Jahr existiert deshalb die Fachkräfteinitiative des Bundes und der Kantone, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit Blick auf die demografische Entwicklung in Europa das Fachkräftepotenzial der Schweiz optimal zu nutzen.

Förderung technologischer Neuerungen zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität, zielgerichtete Qualifikation von Arbeitnehmern und Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sowie Verbesserung der Bedingungen, um Familie und Beruf zu vereinbaren – das sind einige der wichtigsten Ansatzpunkte der Initiative.

Das Abstimmungsergebnis zur Masseneinwanderung am 9. Februar 2014 hatte zur Folge, dass die Thematik noch schärfer in den Fokus der Arbeitsmarktpolitik rückte. Die Integration qualifizierter Frauen in den Arbeitsprozess ist demnach eine der vorrangigen Aufgaben.

Viele hochqualifizierte Schweizerinnen nutzen ihr berufliches Potenzial nicht
Die meisten Schweizerinnen haben eine hervorragende Ausbildung, doch ihr berufliches Potenzial liegt häufig brach, weil spätestens mit Gründung einer eigenen Familie traditionelle Rollenklischees wieder aufbrechen und Erwerbsarbeit für viele Frauen nur eine zweitrangige Angelegenheit ist. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) will diesen Zustand nicht länger hinnehmen, denn die aktuelle politische Entwicklung verlangt ein Umdenken. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung hat deshalb einen Massnahmenkatalog vorgelegt, der mehr Frauen in den Arbeitsprozess der Unternehmen integrieren soll.

So sollen Reformen in der Steuerpolitik dazu führen, dass die Arbeit im Beruf – vorzugsweise in Vollzeit – für Frauen an Attraktivität gewinnt. Des Weiteren will sich der Bund für ein grösseres Angebot an Tagesschulen und Ganztagskindergärten einsetzen, die Voraussetzungen sind, damit sich Frauen für eine Vollzeitstelle entscheiden. Arbeitgeber sollen ausserdem in die Pflicht genommen werden, um mehr Stellen in Teilzeit anzubieten, damit Frauen die Vereinbarkeit von Job und Familie erleichtert wird. Die Vorschläge ernteten bereits ein positives Echo von Vertretern von Bund, Kantonen und Sozialpartnern. Die offizielle Präsentation der Vorhaben vor dem Bundesrat plant der Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann für September.

Individuelle Besteuerung soll Berufsarbeit für Ehefrauen lukrativ machen

Da viele Ehepaare mit zwei Einkommen höhere Steuern zahlen als unverheiratete Paare, ist der Anreiz für Ehefrauen, in den Beruf wieder einzusteigen, nicht gerade gross. Deshalb besteht eine erste wesentliche Massnahme darin, die steuerliche Veranlagung von Ehepaaren genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Pläne Schneider-Ammanns und seines Departements sehen vor, von der gemeinsamen Veranlagung von Ehepaaren wegzukommen zugunsten der Individualbesteuerung der Ehepartner. Der Bundesrat soll die Finanzministerin Widmer-Schlumpf beauftragen, diese Möglichkeit erneut zu prüfen.


Viele hochqualifizierte Schweizerinnen nutzen ihr berufliches Potenzial nicht (Bild: © Pressmaster - shutterstock.com)

Viele hochqualifizierte Schweizerinnen nutzen ihr berufliches Potenzial nicht (Bild: © Pressmaster – shutterstock.com)


Diese Initiative ist insofern ein gewagter Vorstoss, da Widmer-Schlumpf 2013 eine CVP-Initiative befürwortet hatte, die eine Individualbesteuerung von Ehepaaren grundsätzlich ablehnt. Allerdings könnten bei einem Negativentscheid dieses Volksbegehrens für den Bundesrat die Signale auf Grün stehen, um Alternativkonzepte voranzubringen. Offenbar rechnen Schneider-Ammann und sein Team in naher Zukunft genau mit dieser Konstellation, damit sie sich Alternativkonzepten zuwenden können. Das geht aus einem Papier des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung hervor.

Verbesserte Angebote zur Ganztagsbetreuung für Kinder ab vier Jahren

Wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der familienpolitischen Vorhaben ist auch die Verbesserung der externen Kinderbetreuung in der Schweiz. Eine erste Etappe, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Gründung einer Arbeitsgruppe, die sich mit Finanzierungsmöglichkeiten der erweiterten Ganztagsbetreuung für Kinder ab vier Jahren befassen soll. Auch eine stärkere Beteiligung des Staates, der zum Beispiel Betreuungsgutscheine ausgeben könnte, wird in Erwägung gezogen.

Ausserdem hat der Wirtschaftsminister Schneider-Ammann vor, dass die Kantone sich noch intensiver als im interkantonalen HarmoS-Konkordat verpflichten, geeignete Betreuungsangebote zu schaffen und dies auch über die Einführung eines Monitorings zu kontrollieren. Der Einsatz von Zivildienstleistungen in Kinderkrippen und Horten soll ebenfalls erweitert werden. Bereits jetzt kommen Zivildienstleistende in diesem Bereich rund 80’000 Diensttage pro Jahr zum Einsatz. Hier sieht der Bund ebenfalls Potenzial, in der Erweiterung des Leistungsumfangs der Zivis Kosten spürbar zu senken.

Frauen und ältere Arbeitnehmer in den Unternehmen fördern

Neben dem Bund und den Kantonen müssen nach Ansicht des Wirtschaftsministers auch die Arbeitgeber ihren Teil leisten, indem sie künftig die Bedürfnisse von Eltern sowie älteren Arbeitnehmern mehr berücksichtigen. Eine Charta für familien- und altersfreundliche Arbeitsbedingungen soll nach dem Vorschlag Schneider-Ammanns entwickelt werden und für die Sozialpartner gemeinsame Ziele definieren.

Dazu gehören konkrete Massnahmen zur Förderung der Berufsarbeit von Frauen und älteren Arbeitnehmern. Beispielsweise würde die Schaffung mehr qualifizierter Teilzeitstellen Müttern die Rückkehr in ihren Beruf erleichtern. Allerdings werden wohl die Massnahmen, wenn sie dann umgesetzt werden können, einige Zeit brauchen, ehe sie fruchten, so das Departement, da es sich um Veränderungen handele, die ein gesellschaftliches Umdenken erfordern und längere Zeit beanspruchen werden.

Politischer Druck für Durchsetzung der Ziele

Schneider-Ammann baut natürlich mit seinen Ideen zur Förderung der Berufsarbeit von Frauen und älteren Arbeitnehmern politischen Druck auf, um seine Pläne realisieren zu können. Doch zeichnete sich bereits Ende August während der Von-Wattenwyl-Gespräche, in deren Rahmen ein regelmässiges Treffen der Regierungsparteien zu politischen Strategiedebatten stattfindet, breite Unterstützung ab.



Dessen ungeachtet ist allerdings davon auszugehen, dass die Vorschläge des Wirtschaftsministers im Detail für zahlreiche politische Diskussionen sorgen werden. Zum Beispiel ist die Individualbesteuerung mit CVP und SVP bisher nicht zu machen. Ein grösseres staatliches Engagement bei der Kinderbetreuung werden wiederum die Liberalen nicht absegnen, da sie Schwerpunkte in weniger Bürokratie und Steuererleichterungen sehen. Und trotz des Fachkräftemangels gibt es in den Unternehmen – selbst abgesehen von der Beurteilung von Teilzeitstellen als Karrierefalle – häufig noch Vorbehalte gegenüber der Förderung und Integration von Frauen.

 

Oberstes Bild: © Pressmaster – shutterstock.com

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