Gefährdungen von kleinen Kindern frühzeitig erkennen

Hebammen, Kita-Leitenden und weiteren Fachpersonen für Kinder im Alter bis zu fünf Jahren steht mit neuen Einschätzungshilfen und einer fachspezifischen Beratung durch die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern eine Unterstützung zur Verfügung. Damit verbessert der Kanton Bern die Zusammenarbeit zwischen Berufsgruppen und optimiert die bestehenden Angebotsstrukturen.

Im Jahr 2012 verlangte der Grosse Rat im Zusammenhang mit dem Konzept „Frühe Förderung im Kanton Bern“, dass zur Verbesserung des Kindesschutzes im Frühbereich die bestehenden Angebotsstrukturen optimiert und Kooperationsformen und Vernetzungsstrukturen entwickelt werden. Nach drei Jahren Projektarbeit stehen den Fachpersonen nun Unterstützungshilfen zur Früherkennung von Kindeswohlgefährdung zur Verfügung.

Richtige Einschätzung

Fachleute, die in ihrem beruflichen Alltag mit kleinen Kindern in Kontakt stehen wie Hebammen, Kita-Leitende oder Fachpersonen von Entlastungsdiensten sollen im Umgang mit schwierigen Familienverhältnissen nicht alleine gelassen werden. Die neuen Hilfen unterstützen Fachpersonen, bei einem unguten Gefühl die Situation einzuschätzen und die Anzeichen einer möglichen Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen.

Professionelle Beratung

Bestehen Unsicherheiten zum konkreten weiteren Vorgehen, können Fachpersonen neu zusätzlich eine fachspezifische Beratung durch die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern in Anspruch nehmen. Die Fachberatung beinhaltet je nach Bedarf ein Coaching, eine Triage des Falls an eine geeignete Stelle oder die weitere Begleitung der Familie. Damit sollen Fachpersonen im Frühbereich unterstützt werden, die professionelle Verantwortung zu tragen, d.h. weder überreagieren noch zu lange zu warten.

Verbindliche Übergabepraxis

Einzigartig in der Schweiz ist die neu vereinbarte, verbindliche Übergabepraxis zwischen Hebammen und der Mütter- und Väterberatung im Kanton Bern, welche die frühe und gezielte Unterstützung von Familien in schwierigen Situationen verbessert.

Im Jahr 2016 wurden rund 270 Fachpersonen in der Anwendung der neuen Einschätzungshilfen geschult und über die kantonalen Unterstützungsmöglichkeiten informiert. Die Fortbildungen legten auch den Grundstein einer gemeinsamen Sprache, welche die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen erleichtert und Voraussetzung für einen funktionierenden Kindesschutz ist. Für das Jahr 2017 plant der Kanton weitere Fortbildungen.

 

Quelle: Kanton Bern, Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion
Artikelbild: © Yuliya Evstratenko – shutterstock.com

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