Internationales Forscherteam untersucht Leichenfund in Schweizer Wald

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Unter Verwendung mehrerer, bisher noch nie gemeinsam genutzter Datierungsmethoden analysierte eine internationale Expertengruppe mit Beteiligung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern menschliche Überreste, die in einem Schweizer Wald gefunden wurden.

Die Experten konnten das Opfer identifizieren und nähere Informationen über den Todeszeitpunkt gewinnen. Diese Ergebnisse werden in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Die Entdeckung menschlicher Überreste in einem Schweizer Wald mobilisierte neben Polizei und Staatsanwaltschaft auch eine internationale Forschergruppe. Weil nur noch Knochen vorhanden waren, wurde Dr. Sandra Lösch von der Abteilung Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern beigezogen. In interdisziplinärer Zusammenarbeit haben die Wissenschaftler versucht, den Ablauf der Tat zu rekonstruieren.

Dabei machte sich das Labor für Bodenbiodiversität der Universität Neuenburg die Bodenchemie sowie am Fundort gefundene Kleinstlebewesen zunutze. Beteiligt waren zudem das Labor für Acarologie (Milbenkunde) der Universität Reading (England) sowie die Forschungsstelle des Real Jardín Botánico in Madrid (Spanien).

„Dass wir sofort konsultiert wurden und Proben von der Umgebung der Leiche einsammeln konnten, hat sich auf die Rekonstruktion der möglichen Abläufe positiv ausgewirkt“, berichtet Dr. Sandra Lösch vom Institut für Rechtsmedizin.

Durch die Kombination verschiedener Informationen, die aus der Radiokarbondatierung (C14-Methode) von Knochen und Haaren, der Bodenchemie und nachgewiesenen Mikro-Organismen (Milben, Nematoden und Mikro-Eukaryoten) gewonnen wurden, konnten die Spezialisten feststellen, dass die Überreste bereits seit über einem Jahr an der Fundstelle lagen. Die Analyse der Knochen und ein DNA-Abgleich ermöglichten es, das Opfer zu identifizieren.

Es handelte sich um einen jungen Mann, der 22 Monate vor der Entdeckung zuletzt lebend gesehen wurde.

„Die Tatsache, dass mehrere Methoden übereinstimmende Ergebnisse im Hinblick auf das Alter des Leichnams ergeben haben, bestärkt uns in unseren Schlussfolgerungen und wird durch Zeugenaussagen noch unterstützt“, sagt Professor Dr. Edward Mitchell, Direktor des Biodiversitätslabors der Universität Neuenburg. „Insbesondere zeigt das Ergebnis der Milbenanalyse, dass der Körper zunächst in einer abgedichteten Umgebung gelagert wurde.“

Neuartig an der Studie ist, dass zum ersten Mal zusätzlich Analysen von Nematoden (Fadenwürmer) und die Vielfalt der im Boden lebenden Mikro-Eukaryoten (Pilze und Protisten) bei der Untersuchung eines mutmasslichen Tötungsdeliktes angewendet wurden. Die Organismen werden mit verschiedenen Stadien der Zersetzung eines Leichnams assoziiert und können somit Hinweise auf den Todeszeitpunkt liefern.

„Wir haben diese Methoden entwickelt, indem wir die Verwesungsprozesse von im Wald liegenden Schweinekadavern untersucht haben“, sagt Mitchell.

„Dies war für uns die erste Gelegenheit, unsere Forschungen in der Praxis anzuwenden. Dennoch ist der Fall noch nicht gelöst: Die Täterschaft ist nach wie vor nicht bekannt, die Untersuchungen laufen weiter.“

Publikationsangaben:

Szelecz, I, Lösch, S, Seppey, CVW, Lara, E, Singer, D, Sorge, F, Tschui, J, Perotti MA, Mitchell EAD, 2018: Comparative analysis of bones, mites, soil chemistry, nematodes and soil microeukaryotes from a suspected homicide to estimate the post-mortem interval. Scientific Reports, 8. Januar 2018, doi: 10.1038/s41598-017-18179-z.

 

Quelle: Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern
Titelbild: Sandra Lösch © Manu Friederich

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