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Stadt Zürich: Im Jahr 2017 über 2000 Drogenproben getestet – Kokain wird reiner

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2017 hat das Team des Drogeninformationszentrums der Stadt Zürich über 2000 eingereichte Drogenproben getestet und rund 3300 Partydrogenkonsumierende über gesundheitliche Risiken informiert. Während der Wirkstoffgehalt des getesteten Kokains 2017 generell weiter gestiegen ist, waren einzelne Proben sehr stark verunreinigt.

Der Ecstasykonsum bleibt riskant; nur noch knapp ein Viertel der Pillen sind „normal“ dosiert.

Im Drogeninformationszentrum (DIZ) und bei mobilen Drug-Checkings wurden in der Stadt Zürich im vergangenen Jahr über 2000 Substanzproben (2033) getestet. Davon wurden rund 280 im Rahmen mobiler Drug-Checkings an Partys abgegeben. Der Rest entfällt auf das Angebot im DIZ, das sich seit Dezember 2017 an der Schützengasse 31 im Kreis 1 befindet.

Rund 3400 Personen haben das Informations- und Testing-Angebot in Anspruch genommen, mit fast 1400 von diesen wurden vertiefte Beratungsgespräche zum Konsumverhalten und Safer-Use geführt. Bei 100 Personen wurde ein konkreter Abhängigkeitsverdacht ausführlich besprochen, mehr als 80 Personen wurden an spezifische Angebote wie beispielsweise eine Therapie weitergeleitet.

Prävention und Schadensminderung

Die Drug-Checking-Angebote betreiben im Rahmen der bewährten Vier-Säulen-Drogenpolitik Schadensminderung. Wichtige Ergebnisse der Testings werden in Form von Substanzwarnungen zur Prävention auf www.saferparty.ch und auf Social Media veröffentlicht. Ziel der Angebote ist, Freizeitdrogenkonsumierende für die Risiken ihres Konsums zu sensibilisieren und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Ein Drug-Checking umfasst eine Substanzanalyse sowie eine obligatorische persönliche Beratung zu Substanzen, die aus dem Grau- oder Schwarzmarkt stammen.

Spitzenreiter war 2017 mit fast der Hälfte der eingereichten Proben erneut Kokain (44 Prozent; 901 Proben), gefolgt von Amphetamin (19 Prozent) und MDMA-Pillen oder -Pulver (17 Prozent).

Substanzen wie Methamphetamin, Ketamin oder die sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) wurden vergleichsweise selten getestet (je 2 Prozent). Cannabis kann nicht analysiert werden.

Gefährlich reines Kokain

Das Kokain wird reiner – und das in ganz Europa (1). Der Anteil an psychoaktiven Streckmitteln ist 2017 auch bei den im DIZ getesteten Proben weiter zurückgegangen. Das ist nur vermeintlich positiv. Denn einerseits kann ein hoher Kokaingehalt zu gefährlichen Überdosierungen führen, andererseits sind rund ein Drittel der Proben mit pharmakologisch wirksamen Streckmitteln verunreinigt, einige Proben sogar mit bis zu vier verschiedenen. Davon war eines meist Levamisol, ein bei Tieren gegen Wurmbefall eingesetztes Medikament, das zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.

Amphetamingehalt weiter gestiegen

Amphetamin, umgangssprachlich bekannt als „Speed“, wurde letztes Jahr 317 Mal (19 Prozent) getestet. Der Amphetamingehalt ist dabei 2017 weiter gestiegen. Immer noch enthielten aber rund 70 Prozent der Proben pharmakologisch wirksame Stoffe. Rund ein Drittel der Verunreinigungen sind auf eine unprofessionelle Herstellung zurückzuführen und können toxische oder gar karzinogene Wirkungen haben.

Verunreinigtes LSD

Die Gesamtzahl der getesteten LSD-Filze ist mit 84 Proben immer noch gering (5 Prozent der getesteten Substanzen). Dass LSD-Filze Fremdsubstanzen enthalten, ist ein jüngeres Phänomen. Auch 2017 enthielten 10 Prozent der Proben wenig erforschte und entsprechend gefährliche, halluzinogene NBOMe- oder DOC-Verbindungen.

Hoher Männeranteil in Drug-Checking-Angeboten

Das Drogeninformationszentrum (DIZ) und das mobile Drug-Checking wurden 2017 von über 3400 Personen aufgesucht. Rund 75 Prozent waren Männer. Immer wieder wird das DIZ auch von Eltern und Angehörigen von Konsumierenden aufgesucht.

Mobiles Drug-Checking und Alkoholprävention vor Ort

Neben dem Angebot im DIZ beim Hauptbahnhof ist das saferparty-Team mit einem mobilen Drug-Checking an Events präsent. 2017 wurden an acht Anlässen im Schnitt 36 Substanzen vor Ort getestet. Die Analysen vor Ort wurden jeweils durch das Kantonsapothekeramt Bern vorgenommen. An jedem Anlass kam es zu über 200 Einzelkontakten.

Fünf Mal war die Jugendberatung Streetwork zudem gemeinsam mit der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich in Clubs und an Partys vor Ort und konnte über Risiken des Alkoholkonsums aufklären.

Über 600’000 Besuche auf saferparty.ch

Die Website www.saferparty.ch wurde über 600 000 Mal besucht. Am häufigsten wurden die Substanzwarnungen aufgerufen, gefolgt von Informationen zu einzelnen Substanzen. Auch auf Social Media werden Informationen und Warnungen verbreitet und können von anderen Institutionen geteilt werden. Neben Facebook ist saferparty.ch seit Herbst 2017 auch auf Instagram präsent.

Niederschwellige und anonyme Angebote

saferparty.ch wird von der Jugendberatung Streetwork der Sozialen Einrichtungen und Betriebe angeboten. Zu den Dienstleistungen gehören die gleichnamige Website mit der dazu- gehörigen Online-Beratung, das Drogeninformationszentrum DIZ sowie das Mobile Beratungs- und Drug-Checking-Angebot in der Stadt Zürich. Alle Angebote bieten einen niederschwelligen Zugang und sind anonym nutzbar.

Kein Konsum ohne Risiko! saferparty.ch betreibt Schadensminderung und Prävention und hat den Auftrag, Partydrogenkonsumierende vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen und für die Risiken des Konsums zu sensibilisieren.

(1) Quellen: www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/4541/TDAT17001DEN.pdf und Vergleichswerte Drug-Checking Wien CheckIt.

 

Quelle: Stadt Zürich
Artikelbild: Symbolbild © DedMityay – shutterstock.com

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